Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1892)
- Date
- 1892-04-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448246--33955-2481871- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
527' rührt bleibenden Paria-Hebräer in fünffach verdoppeltem Maße aber in der endlichen Katastrophe hervorleuchtet, die in derselben Fluth die egyptische Heeresmacht begrub, — durch welche das jüdische Volk für immer frei und gerettet hindurchgezogen. — Alles dies sind keine Spiele müßiger Deutung, sind vielmehr Erwägungen, zu denen uns wesentlich diese ganze „Gott in der Mitte der Erde" — nnp3 pnxn — offenbarende Gottheit und ihre jährliche Gedächtnißfeier ladet. Und dieses erneute Gott-Bewußtsein, das Gott nicht nur als ein Postulat der spekulirenden Vernunft, sondern mit allen Consequenzen des Menschen erlösenden, Menschen richtenden, Menschen heiligenden und berufenden Gottesbundes als die Thatsache geschichtlicher Erfahrung setzt, dies ist die Antwort auf jeden theoretischen Zweifel und jede praktische Verzweiflung. (Hirsch's Jeschurun Jahrg. IV. S. 349.) Diese weiterhin ausführlich dargestellte Ansicht R. Akibas. welche aus den Worten: D'jn nnVwD mxi ,ojm may ,isx inn D3 folgert, daß jede einzelne Klage sich fünffach geltend machte, im Grunde die zehn Plagen daher als fünfzig erscheinen, dürfte bereits in den die Aufzählung der zehn Plagen einleitenden Worten, sich angedeutet finden. — In diesen Worten i^x in 'wi nopn x’sntp muo -\wy scheinen die beiden letzten vollständig überflüssig. Das sind zehn Plagen die der Heilige gesegnet sei er über die Egypter in Egypten gebracht hat, und dieses sind sie. Der Verfasser des Hagada-Commentars ->5iD inn, verweist auf die Bedeutung, welche dem Wörtchen ]n von unseren Weisen sonst beigelegt wird. Es repräsentirt die beiden Buchstaben n und j, welche 5 und 50 in ihrem Zahlenwerth darstellen, und sagt uns, daß die zehn Plagen, welche der Heilige gesegnet sei er in Egypten über die Egypter brachte,) den Charakter des Wortes in tragen, jede einzelne Plage, sei fünffach aufgetreten, und ergeben sich daher fünfzig Plagen. Die Erklärer der Hagadah haben gerade diesen Theil, der von den zehn Plagen handelt, in so eingehender, und tief eindringender Weise erklärt und ausgedeutet, daß wir aus der Fülle des hier gebotenen noch eine Auswahl in gedrängter Kürze folgen lassen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Michelstadl i. O., 28. März. Am verflossenen Mittwoch -rix n"3, starb der unverheirathete 67 Jahre alte Rabbi Wolf Wormser, der zweitjüngste und noch allein hier lebende Sohn des im Jahre 1847 dahier verstorbenen, weltberühmten Rabbiners ypiin nyiDnxi 2'b “hitd ^n:n pson. Der Verstorbene hatte sich zur Lebensaufgabe gemacht mobn nzn to nx niB^i mavh noPVi 7i3nx3 'n nun; dabei war er ein großer Menschenfreund, übte Wohlthätigkeit im höchsten Grade und opferte Alles, was er verdiente, für die Armen und Bedürftigen ohne Unterschied des Glaubens. — Wo es edlen Zwecken galt, gab er mit vollen Händen. — Daher die zahlreiche Betheiligung der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung, und auswärtiger Glaubensgenossen bei seinem Leichenbegängnisse. — Auf telegraphische Nachricht war Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt hierher geeilt, welcher auf dem Friedhofe eine ergreifende, von Herzen kommende und zu Herzen gehende Leichenrede hielt, die den tiefsten Eindruck machte und hinterließ. — Redner entwarf mit Rücksicht auf die Abstammung des Hingeschiedenen, auf seine Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, sein edles Wirken und seinen musterhaften Lebenswandel und besonders auf seine Thorakenntniß ein sehr treffliches, wahrheitsgetreues Charakterbild desselben. I. Gott schall, Lehrer. Fränkisch Crumbach, 28. März. Auch in unserem Orte, der vor nicht langer Zeit sich noch des confessionellen Friedens erfreut hat, erhebt der Antisemitismus frech sein lügenhaftes Haupt. Mehrere Heißsporne dahier verschrieben sich den Böckel nnd er kam auch gestern und hielt seine Hetzrede im Saale des Gasthauses „zur Sonne", den er für 25 Mk. gemiethet hatte. Er gab den unbefangenen Bauern alle alten schon längst bekannten und vielfach widerlegten antisemitische Verlogenheiten zum Besten, besprach ausführlich den Vantener Knabenmord und bezetchnete ihn als ein nie zu sühnendes jüdisches Verbrechen, stachelte nach bekannter antisemitischer Methode die niedrigsten Leidenschaften des Volkes auf, griff die Regierung wegen angeblich lauer Handhabung der Justiz den Juden gegenüber an und verstieg sich zu der kühnen Behauptung, die Lüge sei dem Juden angeboren, und sie begleite ihn im Leben. (?!) — Merkwürdig! Dr. Böckel, der dem Talmud, natürlich ohne ihn zu kennen, alles Böse zudichtet, bestätigt unwillkürlich die Wahrhaftigkeit desselben. Unsere Weisen lehren nämlich im Talmud: ^dis> idiq3 ^>3 „Wer seinen Nächsten aus Bosheit einen Makel anzuhängen sucht, hängt ihnen vorzüglich seinen eigenen Makel an." Die Antisemitenführer scheinen die Verwerflichkeit ihrer Lügengespinnste am Besten zu kennen und dichten deßhalb diese schwere Laster den Juden an; übrigens spekulirt Herr Böckel gar zu viel