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Der Israelit · 1892-03-31 · Heft 26 (31.3.1892) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 26 (31.3.1892)
Date
1892-03-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXlil. Jahrgang. Erste Beilage ,» M 26 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 27. März. Das freisprechende Urtheil gegen die Redakteure Freiherr von Hammerstein und Balla wegen Beleidigung des Frankfurter Landrichters Liebmann, gegen das von dem Staatsanwalt in Berlin Revision eingelegt worden war, ist vom Reichsgericht aufgehoben worden. Die Sache wurde an die Vorinftanz zurückverwiesen. Lüneburg. 20. März. Die hiesige Synagogengemeinde, welche schon vor längerer Zeit den Beschluß gefaßt hat, eine neue Synagoge zu bauen, hat jetzt einen geeigneten Platz am Schifferwall erworben und die von dem Stadtbaumeister Kampf entworfenen Bauzeichnungen und Kostenanschläge sollen nunmehr der betreffenden Baukommission vorgelegt werden. Man hofft, mit dem Bau zu beginnen, sobald die Witterung eine unausgesetzte Bauthätigkeit im Freien gestattet, und denselben möglichst rasch zu fördern. Es wird dann endlich ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gehen, ein eigenes Gotteshaus zu besitzen, da man sich bis jetzt mit einem gemietheten Lokale begnügen mußte. Norderney. Wie uns von befreundeter Seite mitgetheilt wird, ist das weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte Hotel van der Wall, welches viele Jahre von dem verstorbenen Herrn Abraham von der Wall und später vou seinem Sohne Moses v. d. Wall geführt worden ist, durch Kauf in den Besitz des Herrn Ho ff mann, welcher zugleich Inhaber vom Hotel Falk in Elberfeld ist, übergegangen. Das Hotel und Restaurant wird nach streng orthodoxer Weise weitergeführt und hat Herr Hoffmann, was viele das hiesige Seebad besuchende Kurgäste mit Freuden begrüßen werden — einen von streng orthodoxen Rabbtnen approbirten Schächter engagirt, welcher außer der Schechita. die Aufsicht über die Küche zu führen hat. — Bedeutend vergrößert wird das Hotel durch Herstellung einer eisernen, mit Glas verdeckten Veranda. München, 27. März. Ein Ereigniß, das eine neue Aera in der Geschichte der hiesigen Cultusgemeinde inaugurirt, hat letzten Freitag Abend 25. ds. hier stattgefunden. Seit fast 20 Jahren hatten die Anhänger des gesetzestreuen Judenthums dahier einen Separatgottesdienst unterhalten, nachdem sie sich mit den, Anfangs der 70er Jahre in der Hauptsynagoge eingeführten Reformen nicht befreunden konnten, zwar in einem Betsaal, der längst nicht mehr der immer wachsenden Anzahl der Besucher genügen konnte. Die geradezu beispiellose Opferfreudigkeit weniger Familien hat nun in nächster Nähe des alten ein herrliches neues Gotteshaus, würdig der Kunstmetropole München, entstehen lassen, das letzten Freitag seiner Bestimmung übergeben wurde. Die Feier begann mit einem Abschiedsgottesdienste im alten Betsaale, woselbst nach Verrichtung des Mincha-Gebetes der Lehrer des Vereins zur Förderung jüdischer Wissenschaft, (welch Letzterer die Leitung der neuen Synagoge übernommen), der als jüdischer Gelehrter rühmlichst bekannte Herr Dr. H. Ehrentreu eine die Anwesenden aufs Tiefste ergreifende Ansprache hielt. Ausgehend von dem Bibelverse: n» vw-ip nxon ]d rpamea entwickelte Redner die Gedanken, die uns beim Verlassen des alten Gebäudes bewegten und die Vorsätze, die uns beim Betreten des neuen leiten sollten. Tiefe Rührung ging durch den Saal, als Redner der großen Tobten gedachte, welche in diesen Räumen einstens täglich -oa'xa waren und es bedurfte nicht der Erwähnung der Namen eines Josef Wolfsheimer, Abraham Merzbacher, Raphael Rabbtnowitz, I. L. Feuchtwanger b"!, um in den andächtig Lauschenden das Gefühl zu erwecken, daß die Schüler resp. Söhne solcher Männer eine besondere Verpflichtung tragen, weiter in deren Sinn zu leben, zu arbeiten und zu wirken. Nach Schluß des Abschtedsgottesdienstes begaben sich die Mitglieder in die im hellsten Lichterstrahl erglänzende neue Vereinssynagoge, woselbst sich inzwischen auch der Herr Rabbiner und der gesammte Ausschuß unserer Cultusgemeinde mit zahlreich Geladenen eingefunden hatte. Als die letzten 3 cn&D in die heilige Lade verbracht wurden, durchbrauste das na des Chores die herrlichen Räume, ein Moment von wunderbar weihevoller Stimmung! Hierauf nahm Herr Rabbiner Dr. Perles den Wetheakt durch Anzünden des Ton nj vor und hielt daran anschließend eine formvollendete Ansprache. Auf den Inhalt der verschiedenen Reden kann erst eingegangen werden, wenn dieselben im Drucke vorliegen. Hier sei nur hervorgehoben, daß Redner besonders die Angehörigkeit der Vereinsmitglieder zur Gesammtgemeinde betonte, ihren Bestrebungen und ihrer Opferwilligkeit innerhalb des Vereins wie der Gesammtgemeinde rückhaltslose Anerkennung zollte und mit dem Wunsche schloß, daß die heutige Feier zur weiteren Festigung des Friedens innerhalb der Gemeinde beitragen möge. Sodann bestieg Herr Dr. Ehrentreu, der mit Genehmigung des Herrn Rabbiners die eigentliche Festrede hielt, die Kanzel. Aus seinen Worten, die begeisternd wirk-

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