Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1892)
- Date
- 1892-03-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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502 dauernder als Erz errichtete. <5t war über 40 Satire Enltuspräsident unserer Gemeinde und bat sich als solcher viele Verdienste erworben. London. Eine christliche Dame ist jüngst von einem Besuche in Rußland zurückgekehrt, wo sie Gelegenbeit hatte, die von den Inden bewohnten Quartiere zu besichtigen. Sic war so ergriffen von den entsetzlichen Srenen, die sich ihrem Auge darboten, sie empfand so viel Mitleid mit den armen Opfern russischer Versolgungssucht, daß sie dem Sekretär de? >,lln880.Iewl8li Commitee“ sofort nach ihrer Rückkehr eine werthvolle Diamant-Brosche überreichte, mit dem Ersuchen, sie zu verkamen und den Erlös dem Fond für die armen russischen Juden zuzuweisen. Die Dame wünscht nicht genannt zu werden. Möge ihr Beispiel Nachahmung finden! Geschenke, die ein bestimmtes persönliches Opfer erfordern, haben doppelten Werth. Sie werden von Herz und Hand gespendet. Palästina. Zwei Israeliten zu Hebron, der Kaufmann David Abadi und sein Diener David Mizrachi wurden bei Be'il-Djibrin, einem muselmännischen Dorf, fünf Stunden entfernt von Hebron in Palästina, nmgebracht. Sie verließen oft ihr Heim, um den Handel in den Dörfern zu betreiben, doch schrieben sie wöchentlich an ihre Familien. Das Ausbleiben der gewohnten Nachrichten beunruhigte ihre Verwandten und die Gemeinde von Hebron. Der Vater Abadis, von mehreren Reitern gefolgt, machte sich auf, um den Sohn zu suchen, doch überall hörte er, daß man die beiden Israeliten nicht gesehen. Der Eaimakan ließ seinerseits die Gegend durchsuchen, doch umsonst. Der Gouverneur erfuhr von der Angelegenheit und befahl dem Eaimakan nochmals nach denjenigen Dörfern znrückzukehren, wo die Israeliten unbedingt gesehen werden mußten, und alles mögliche zu thun, um sie zu entdecken. Der Beamte sestle allen Eifer sofort an seine Mission. Es wurde ihm auch bald eine Höhle in der Nähe von Daouaime bezeichnet, wo sich die Leichen der beiden Unglücklichen vorfandcn. Sie waren von drei Arabern, bei denen sie übernachtet hatten, ermordet worden. Die Mörder wurden festgenoinmen. Feuilleton. Der Hünstling des Hzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. phil. (30. Fortsetzung.) „Herr", fuhr Iwan auf — „Schweigt!" donnerte ihm der Pope entgegen. „Stehenden Fußes eile ich nun nach Petersburg zum Procurator der heiligen Synode, mit der furchtbaren Stimme der zürnenden Gerechtigkeit werde tch Euch anklagen vor Gott und vor dem Throne unseres hocherhabenen Kaisers. So Ihr mächtig steht in seiner Gunst, so werdet Ihr ohnmächtig daniederstürzen, denn unser Aller Herr, der edle Kaiser, ist gottesfürchtig gar sehr. Eure Weisheit war Thorheit und Eure Arglist gleicht der Schlange, der es zwar gelang den Menschen zu verführen, die aber bestraft wurde mit ewiger Qual, und die fürderhin kriechen muß im Staube. In den Staub wollen wir Euch niederwerfen, verderben sollt Ihr an Leib und Seele, bis Ihr Euch bessert und reuig wiederkehrt zu Eurem Vater im Himmel. Mit edlen Hoffnungen kam ich hierher und Ihr habt sie vernichtet, Gutes wollte die heilige Synode und Ihr habt es in Böses verwandelt. Dafür wird Euch strafen der Herr des Himmels, wenn Ihr Einkehr haltet zur Ewigkeit, und auf Erden schon wird Euch verdammen unser allerhöchster Herr, der Czar! Fürchtet, erbebt, zittert!" Ohne eine Entgegnung des von ihm so schwer bedrohten Jünglings abzuwarten, verließ der Sendbote der orthodoxen Kirche mit schweren Schritten das Haus. Wiederum war Iwan allein. Diesmal stieg kein frohlockendes Lachen aus seiner Brust empor, gleich damals, als der Protopope zum Erstenmal von ihm schied; regungslos, wie zerschmettert, blieb er auf seinem Sitze. Lange Zeit vermochte er keinen Gedanken zu fassen, keine Bewegung auszuführen. „Die Synode ist mächtig, ist übermächtig unter diesem, nein, über diesem Kaiser", das war die einzige Empfindung, die immer und immer wieder in ihm aufstieg. „Ich muß nach Petersburg, mich zu vertheidigen," flüsterte er dann, nachdem allmählich seine dumpfe Betäubung geschwunden war und sich wieder Leben in ihm regte, „den einzigen Mann, den ich stets gefürchtet habe, ist der Procurator, denn mit eisiger Kälte umgibt er seine Leidenschaft. „Aber auch ich bin mächtig, der Procurator wage nicht zu viel, noch vermag ich es, den Kampf mit ihm aufzunehmen. Noch bin ich im Stande, ihn vielleicht zu besiegen, ihn zu stürzen. Wird es denn möglich sein? „Eilig, eilig, fort, nach Petersburg! „Aber Rosa? — „Wenn ich erst von hinnen gegangen bin, so wird sie aus der Stadt entfliehen, vielleicht Rußland verlassen, und niemals wird es mir gelingen, sie aufzufinden in der großen, weiten Welt. „Ich darf es nicht; ich kann es nicht, ich will es nicht! „Hoch stehe ich in der Gunst des Ezaren, er wird mich nicht auf die böswillige Verleumdung einiger meiner Feinde hin aus seiner Liebe verbannen, nein, nein; ich werde kämpfen; ich werde fiegen; ich werde Rosa besitzen und meine Stellung dennoch behaupten. „Ich wäre Iwan Alexandrowitsch Oststone;