Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1892)
- Date
- 1892-03-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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501 die Ortspolizeibehörden veranlaßt worden, dafür Sorge zu tragen, daß nicht etwa in dieser Weise die angeordnete Sperrmaßregel umgangen wird. Schließlich bemerke ich noch, daß die Ausstellung der obengedachten Bescheinigungen der hierzu befugten jüdischen Hilfs- Comitss bis aus Weiteres eine Zulassung der betreffenden Auswanderer nicht mehr bewirkt. Aus Hirschberg in Schlesien schreibt man: Die Gemüther der Bevölkerung unserer Stadt werden durch einen sensationellen Vorgang in Aufregung gehalten. Aus der Langstraße Hierselbst wohnt ein jüd. Kaufmann, der parterre sein Geschäftslokal und in der zweiten Etage seine Wohnung hat, während die erste Etage gegenwärtig unvermiethet und leer steht. Ein Nachbar wollte bemerkt haben, daß es dort Abends oder Nachts häufig klopfte: er erzählte dies weiter, und schließlich drang die Kunde auch zu einem bekannten Antisemitenhäuptling. Der erstattete bei der Behörde die Meldung, daß im Hause des jüdischen Kaufmanns jedenfalls falsches Geld gemacht würde. Der Polizeiinspektor begab sich am späten Abend in das Nachbarhaus und vernahm schließlich auch in gewissen Abständen ein Klopfen. Aber er eilte nicht sofort au die Stelle, um sich von der Ursache desselben zu überzeugen. Am anderen Tage dagegen erschien er mit sechs Polizisten bei dem Kaufmann, um bei ihm im Aufträge der Staatsanwaltschaft wegen Verdachts der Falschmünzerei Haussuchung zu halten. Das Haus wurde von oben bis unten durchsucht. Das gefundene Geld war echt und von Werkzeugen zur Falschmünzerei fand sich keine Spur. Dagegen wurde zweifellos festgestellt, daß das schon lang gehörte Geräusch von einer bei offenstehendem Fenster durch den Lustzug bewegten, nicht eingeklinkten Stnbenthnr herrührte. Selbstverständlich erregte die Haussuchung das größte Aufsehen und gab den Anlaß zu den fabelhaftesten Gerüchten über ein schweres Verbrechen, das der jüdische Kaufmann begangen habe. Semper aliquid haeret: Dieser Vorgang dürfte eine schwere Schädigung des Kaufmanns im Gefolge haben. Wenn der Denunziant nicht zur Verantwortung gezogen wird, so werden künftig die Herren Antisemiten, die bekanntlich vor dem schlechtesten Mittel nicht zurückschreckeiy es stets in der Hand haben, Personen jüdischer Konfession, gegen die sie von Neid erfüllt sind, schwer zu schädigen oder zu ruiniren. > Vermischtes. «$■ Berlin, im März. Wir haben jüngst über beschriebene Banknoten berichtet. Jetzt schreibt die „Voss. Ztg.": „Uns sind wiederholt Banknoten eingesandt worden, auf denen der Antisemitismus sein Müthchen gegen die Juden durch Vermerke zu kühlen gesucht hatte. Auf eine Anfrage hat nun das Neichsbankpräsidium den Bescheid ertheilt, daß Vermerke aller Art auf Banknoten unterbleiben müßten. Eine Rcichsbank-Nebenftelle hat sich sogar schon geweigert, derartig gezeichnete Scheine anzunehmen. Es wäre zu wünschen, daß das Neichsbank-Präsidium seine Anordnung mit Strenge zur Durchführung brächte, damit diesem Unfug ein Ende gemacht werde." Hamburg. Ein eigenthümlicher Vorfall, welcher dazu angethan ist, die Answanderungs-Comitös zu größerer Vorsicht zu veranlassen, ereignete sich kürzlich hier. Im hiesigen städtischen Krankenhause war ein russischer Auswanderer, welcher vom jüdischen Auswanderer-Eomitö dahin gebracht worden war, gestorben. Die Beerdiguugsbrüderschaft 'p 'n wurde von dem Todesfall verständigt und beförderte die Leiche nach dem jüdischen Friedhofe. Hier wurde die übliche Waschung vorgenommen und dabei die Entdeckung gemacht, daß der Verstorbene gar kein Jude gewesen. Vorsichtshalber wurde nun auch noch an die Heimathsbehörde des Verstorbenen telelegraphirt, da noch immerhin der Fall hätte vorliegen können, daß die Vollziehung eines gewissen Actes sr. Zt. verabsäumt worden war, jedoch die Behörde bestätigte, daß derselbe kein Jude gewesen sei. Natürlich wurde nunmehr veranlaßt, daß die Leiche auf dem christlichen Friedhof beerdigt wurde. Das Grab war aber gegraben und sollte sein Opfer haben. Während der Verhandlungen mit der beikommenden Behörde stellte sich nämlich heraus, daß eine vom jüdischen Auswandernngs-Comitö nach dem städtischen Krankenhanse verbrachte Russin daselbst gestorben war und irrthnmlicherweise bereits vor vier Wochen auf dem christlichen Friedhofe beerdigt worden war. — So wurde denn diese Leiche exhumirt und zu Txitt” ")2p gebracht. Luxemburg, 23. Febr. In der heutigen Kammersitznng berichtete der Vorsitzende der Petitionskommission über das Gesuch der jüdischen Gemeinde um ein Subsid aus Staatsmittteln für den Bau der Synagoge. Die Eommissiou, welcher der frühere Staatsminister Baron von Blochhausen und ein kathol. Geistlicher (Generalvicar) angehört, schlägt vor, daß ein Zuschuß im selben Verhültniß und zu denselben Bedingungen gewährt werde, wie für den Bau von katholischen Kirchen. Wien. Die in Krems erscheinende liberale „Niederösterreichische Presse" theilt mit, daß in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Fenstern und Ntauern ihres Redactions-Lokales in der Dachsberggasse bis hinauf mit Theer beschmiert und verunreinigt worden sind und daß zur selben Stunde das israelitische Bethaus in Krems in gleicher Weise besudelt worden ist. Das Blatt spricht es offen und ungescheut aus, daß dieses Bubenstück von Anhängern der nationalantisemitischen Partei ausgegangen und ein Rache-Act für einen Artikel über den Mißerfolg Schönerer'S in Tirol sei. Auch seien die „Nachtvögel" nicht unbeachtet geblieben, sondern der Behörde angezeigt worden, und es werde wohl gelingen, sie der verdienten Züchtigung zuzusühren — allerdings nur die unmittelbaren Thäter, während die intellectuellen Urheber sich zu viel abseits halten, als daß sie zu fassen wären. Aus Ungarn, im März. In K a l o c s a verschied dieser Tage der Rabbiner, Herr Josef Wolf im Alter von 77 Jahren, nachdem er daselbst 42 Jahre hindurch amtirt hatte. Dessen hinterlassene Schriften sollen durch seine Söhne veröffentlicht werden. L. G—g. Kolonien, 23. März. Am 24. Februar wurde Herr S. H. Wieselburg begraben, ein Mann, der sich im Herzen unserer Bürgerschaft ein Monument