Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1892)
- Date
- 1892-03-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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500 der eben zur Hand gewesen wäre, sich zeigen können. Also: Ein Stab! Was ist ein Stab? Das natürlichste Zeichen der von Menschenkraft beherrschten Natur. Der Stab hat eine doppelte Bedeutung, die auch entsprechend in der Wurzel ntw: sich stützen, sich neigen und: seine Hand über etwas strecken, liegt. Der Stab ist a) Verlängerung der Hand, wodurch der Mensch sich auf die Erde stützt und d) Verlängerung und Erweiterung des Machtkreises, Zeichen seiner Herrschaft. Nun wird durch Moses dem Volke gezeigt: Das, worauf der Mensch sich stützt und womit er gebietet, verwandelt sich, wenn Gott es will, in den Vollendesten Gegensatz, in eine Schlange. Alle Thiere schließen sich mehr und minder dem Menschen an, aber die Amphibien, und insbesondere die Schlange birgt htn dem Menschen, der Mensch flieht vor ihr. Also: der Einzige hat dich gesandt, der das, worauf der Mensch sich stützt und was ihm zum Mittel seiner Herrschaft dient, wenn er will, sich dem Menschen gegenüber empören läßt, und umgekehrt, das, was ihm jetzt als gefürchtete, zu fliehende, feindliche Macht gegenüber steht, wenn er will, zur gefügigen Stütze und zum gefügigsten Werkzeug in der Hand wird. Die ganze Befreiung aus Egypten ist nichts als eine Verwirklichung dieser Zeichen, die der Stab an und für sich bedeutete, auf welche unsere Hagadah verweist, wenn sie den Stab als Inbegriff der von Gott gesandten Zeichen bezeichnet. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmstadt, 28. März. Großherzog Ernst Ludwig hat, wie das beim Regierungsantritt eines Herrschers Gebrauch ist, im Augenblick aus dem ganzen Land viel Deputationen zu empfangen. Der junge Fürst nahm bei diesen Gelegenheiten mehrfach Veranlassung, Aeußerungen zu thun, die deutlich den Einfluß der elterlichen Erziehung und die nämlichen Eigenschaften und Anschauungen erkennen lassen, denen das verstorbene großherzogliche Paar seine große Beliebtheit im Hessenlande verdankte. So äußerte er u. A. bei einer Gelegenheit in Bezug auf den preußischen Schulgesetzentwurs, daß die Bestrebungen der Schule darauf gerichtet sein müßten, das die Confessionen und Slände von einander Trennende soviel als möglich zu beseitigen oder wenigstens zu mildern, vor Allem aber die Menschen zu versöhnen und nicht gegen einander aufzuhetzen. Auch bezüglich der Verhetzungen des Antisemitismus sprach sich der Großherzog in der gleichen scharfen Weise,aus, wie sein verstorbener Vater es gethan. Es verdient bemerkt zu werden, daß diese Aeußerungen nicht provozirt worden sind, sondern der eigenen Initiative des Großherzogs entstammen. 0. Frankfurt a. M., 27. März. Wiederum hat unser gesetzestreuer Kreis einen schweren Verlust erlitten. Am 22. Adar verschied nach kurzem Leiden Herr Z. A. Fränkel, ein bei Glaubensgenossen wie Nichtjuden gleich angesehener Mann. Wer dem im 52. Lebensjahre Dahingegangenen näher zu treten Gelegenheit hatte, wird in ihm einen durch seltene Frömmigkeit, gepaart mit außerordentlicher Bescheidenheit und unermüdlichem Fleiße ausgezeichneten Freund beweinen. Nicht zu Hause allein, wo wir unserer Bequemlichkeit gemäß leben können, erprobt sich die Anhänglichkeit an unseren Glauben, erst der, der auch auf Reisen, keine Entbehrung scheuend, mit peinlichster Sorgfalt an unseren Speisegesetzen festhält, hat seine Aufgabe gelöst. Und fürwahr, der Heimgegangene war ein Muster für jeden reisenden Juden. Dem liefen Schmerze Aller gab Herr Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt, ein Schwager des Verstorbenen, am Grabe beredten Ausdruck. Möge der schon so frühe zur Wittwe gewordenen Gattin, möge den Kindern ein Trost sein das Bewußtsein, daß ihr Schmerz in weiten Kreisen innigen Widerhall findet. .",bk d\3d hi 'i nnoi niön yhi Bielefeld, 23. März. (Zur Xantener Knabenmord-Angelegenheit) schreibt man aus Berlin, daß der verantwortliche Redacteur des „Volk" wegen angeblicher Angriffe auf die preußische Rechtspflege vom Untersuchungsrichter am Mittwoch in Alt-Moabit vernommen worden ist. Es handelt sich dabei um die Wiedergabe eines Artikels über den Xantener Knabenmord. Auch in Bochum, Spremberg rc. haben deswegen Vernehmungen stattgefunden. In vielen Fällen erboten sich die Redacteure zum Beweise der Wahrheit, so daß daraus also ein ganzer Rattenkönig sensationell gehaltener Prozesse hervorgehen dürfte. Breslau. Schlesische Zeitungen veröffentlichen eine Beifügung des Landraths zu Laubnitz, worin gesagt wird, daß nach einem Ministerialerlasse vom 23 Februar d. I. der Uebertritt russischer Juden in das Inland bis auf weiteres gänzlich zu verhindern ist. In der Verfügung heißt es: Es findet namentlich auch nicht mehr die Zulassung derjenigen Auswanderer statt, welche mit den Bescheinigungen der jüdischen Lokal-Eomit<"s versehen sind, daß letztere für Beförderung und eventuellen Rücktransport die Haftung übernehmen. Ferner sind auch die mit genügenden Reisemitteln, sowie die mit Schiffskarten und Billets versehenen russischen Inden von jetzt ab nicht mehr dnrchzulassen. Da vorausznsehen ist, daß auch künftig, wie bisher schon, seitens der Genannten Umwege, namentlich über Galizien gewählt werden, so sind