Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1892)
- Date
- 1892-03-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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484 ferner jüdischen Künstlerinnen, Schrifstellerinnen und Wohltäterinnen noch eine eingehende Darstellung zu widmen. Da wird die geschätzte Leserin gar manches Neue und Interessante erfahren. Der Jüdin der Gegenwart gehört das Schlußkapitel. Lassen wir die Verfasserin sprechen: „Welche Stellung nimmt sie ein im Vergleich zu den vorangeganqenen und dahingegangenen Glaubensgenossinnen —? Indem ich mir diese Frage stelle — fühle ich zum ersten Mal bei dieser Arbeit eine Beklommenheit, die ich sehr gut zu deuten weiß. . . ." Doch Nahtda Remy weiß, was ihres Amtes ist, und sie spricht eine Reihe von entschiedenen und sehr berechtigten Tadelsworten aus mit all dem Freimuth der Wahrheitsliebe, die ihr eigen, Tadelsworte, die gewisse Kreise unserer heutigen jüdischen Frauenwelt tief treffen dürften und ihnen zu Herzen gehen sollten. Die Frauen freilich, die fest und treu an der überlieferten Religion halten, die ihren Sabbat feiern, den die Verfasserin so herrlich zu schildern weiß, die stehen ihr so hoch und verehrungswürdig da wie die jüdischen Frauen der Vorzeit. Aber auch gegen jene vom Lichte der modernen Zeit Geblendeten, die sich lärmend und unjüdisch in den Vordergrund drängen und darum leicht als typisch für ihre Glaubensgemeinschaft gelten, der sie gar häufig nur noch mit dem Namen angehören, auch gegen sie ist Nahida Remy so gerecht als streng. Sie mißt dem geschichtlichen Verlauf der Verhältnisse eine reiche Schuld bei und ist überzeugt, daß in jenen Frauen das ererbte bessere Ich schlummernd lebe und durch kräftigen Anruf wohl aufzurütteln wäre. Die Verfasserin schließt ihr vortreffliches Werk mit der Bemerkung, daß ihre Darstellung der letzten Jahrhunderte der jüdischen Frauengeschichte nur Westeuropa zum Schauplatz habe, da die traurigen Zustände in Rußland und Polen, wo die ungleich größere Masse der Juden heimisch ist, der jüdischen Frau wie dem Juden überhaupt die Mitwirkung am öffentlichen Wohle verbieten. „Aber unter diesen (den westeuropäischen Juden, die kaum eine Million Seelen umfassen), welch' eine Anzahl von Talenten, von stillgeübten Tugenden, von offenkundiger Arbeitskraft und imposanter Leistungsfähigkeit! Kein anderer Stamm zeigtGletches! Und dabei ist der jüdische Stamm an Zahl der kleinste; noch immer bewährt sich: „Nicht wegen Eurer Vielheit unter allen Völkern erkor Euch der Ewige und wählte Euch aus, denn Ihr seid die wenigsten unter den Nationen, sondern weil der Ewige Euch liebte. (Deut. 7, 7)."" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 25. März. Herr Rabbiner Dr. S alomon Cohn in Berlin begeht am nächsten Mittwoch, den 30. März sein siebzigstes Wiegenfest. Dr. Cohn ist in Oberschlesien geboren, war Rabbiner in Oppeln, in Mastricht, dann großherzoglicher Landrabbiner in Mecklenburg-Schwerin und wirkt seit 17 Jahren an der Synagoge der Potsdamer Brücke in Berlin. Der Jubilar, als Kanzelredner weit berühmt, ist einer der vornehmsten Stützen des conservativen Judenthums in Deutschland. Er ist gleichzeitig als Docent für Homiletik am Berliner Rabbiner-Seminar thätig. In früheren Jahren brachte der „Israelit" werthvolle Beiträge aus seiner Feder. Seine Gattin ist eine Tochter des R. Jakob E t t l i n g e r in Altona. Möge der Jubilar noch viele Jahre zum Heile des Judenthums wirken! Berlin. Die Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler (gestiftet 1845 von M. Halle) hielt am Montag den 21. März in den Räumen des Hotel Portugal sein 47. Stiftungsfest durch Generalversammlung und Festessen ab, welches wiederum ein beredtes Zeugniß der Wirksamkeit und ihrer vorzüglichen Leitung ablegte. Der Mitgliederbestand ist trotz mehrfacher Todesfälle durch neue Kräfte derselbe geblieben und balanciren Einnahme und Ausgabe mit M. 18540 gegen 9061 pro 91. Das Vermögen beträgt 34900 M. Auch die Wittwenkasfe der Gesellschaft mit über 500 Mitgliedern erfreut sich sehr reger Betheiligung und besitzt ein Vermögen von 69,850 M. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Ans Ungarn, 22. März. Wir sind es wohl schon gewöhnt, daß unsere — und besonders die aus dem Budapester Rabbiner-Seminar hervorgehenden — neologen Rabbinen, sich über das Religionsgesetz öffentlich hinwegsetzen; aber, daß ein Moral und Frömmigkeit predigender Rabbiner Bälle, n. z. in einem nichtjüdischen Gasthaus veranstaltet, ist auch noch bei uns etwas Unerhörtes und ist wichtig genug in diesem gesch. Blatte mitgetheilt zu werden, damit man auch im Auslande die Berechtigung und Dringlichkeit des Kampfes, welcher hier gegen die Neologen und ihr Rabbinerseminar geführt wird, anerkennen möge. „Zfido Hirado" theilt nämlich in seiner letzten Nr. aus jeden Zweifel aus schließender Quelle Folgendes mit: Der neologe Rabbiner zu Dunafölavär Dr. Pinkusfeld veranstaltete einen Purimball. Der Präses des Balles, Sr. Ehrwürden Herr Dr. Pinkusfeld hat Alles aufgeboten, damit die Tanzunterhaltung glänzend ausfalle. Nachdem aber