Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1892)
- Date
- 1892-03-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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483 Deßhalb hat die sinnige jüdische Sitte an den Sederabenden dem Propheten Elijahu einen besonderen Platz an jedem Sedertische reservirt. Sein Becher steht als bvt dd gefüllt da und wartet des theuren, seit Jahrtausenden ersehnten Gastes. Heute Abend dürfen sie ihn erwarten, heute sind sie seiner würdig. Wochen und Monate lang haben sie sich für diesen Abend vorbereitet, haben das Haus von der höchsten Giebelftrst bis zum tiefsten Kellerwinkel neu in Stand gesetzt, damit wenn der prüfende Blick des Königs aller Könige, wie einst in jener Nacht, wieder über die jüdischen Häuser streift, er sie noch als die Seinen erkenne, und schützend, segnend auf sie herabschaue. Wenn sie an diesem Abend mit dem Brod, daß die Väter aßen, auch ihren Geist in sich aufnehmen, wenn die Kinder fragend nach der Bedeutung dieses Abends zu den Eltern emporblicken, wenn die Eltern zu den Kindern hinabsteigen und ihnen die großen Erlösungswunder aus der jüdischen Vergangenheit erzählen, wenn so durch jede Frage und Antwort, Eltern und Kinder einen neuen Knoten in diesem innigen Band schürzen, das Menschen auf Erden mit einander verbindet, dann weilt Elijahus Geist in ihrer Mitte und sie dürfen ihn selber und seine Erlösung erwarten. Draußen der furchtbare Ernst des Lebens, und in den jüdischen Häusern diese alles verklärende Offenbarung der Herrlichkeit Gottes, das ist der lebendige Commentar des ^-.2 xnv und '^2, auf welche unsere Hagadah schel Peßach verweist. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Bericht. Nahida Remy, Das jüdische Weib. Mit einer Vorrede von Prof. Dr. M. Lazarus. Leipzig, G. Laudien 1892. Nahida Remy? Ob das ein Name ist oder das Versteck eines Namens? Gleichgiltig! „Dies Buch über das jüdische Weib ist von christlicher, weiblicher Hand; — allein es ist gründlich und von Vorurtheilen frei" heißt'S in der Lazarus'schen Vorrede, und wir unterschreiben dieses Urtheil voll und ganz: es ist ein vortreffliches, ausgezeichnetes Buch. Zu rügen haben wir, und das mit Nachdruck und Entschiedenheit, die gewiß von der modernen Bibelforschung irregeführten Anschauungen der Verfasserin über das Buch Esther (S. 94), sowie das, was sie (S. 133 und S. 208) von „Spitzfindigkeiten" und „Tüfteleien" zu bemerken sich erlaubt. Auch eine Reihe von Versehen, die wir hier im einzelnen aufzählen wollen, wären zu beseitigen. Doch soll das unsere Anerkennung des Gesammteindrucks nicht schmälern. Die Grundlage der Arbeit bildet ein reiches, historisches Material, das die Verfasserin, bet der Bibel beginnend und bis in unsre Tage hineinschreitend, sich mit rastlosen und erfolgreichem Eifer angeeignet hat. Sie liest die heil. Bücher im hebr. Urtext. Mit feinem Verständniß, liebevoller Hingabe und damit verbundener Klarheit und Unbefangenheit des Blickes erfaßt sie das Wesen des jüdischen Weibes und, begeistert durch die aus der Geschichte geschöpfte Kenntniß, eröffnet sie nun dem bewundernden Auge einen Bildersaal jüdischer Frauen, der alle Jahrtausende zu umschließen strebt. Leicht und flüssig eilt die Erzählung, manchmal nur läßt sich die Sprache etwas zu nachlässig gehen, gewandt sind die Betrachrungen der Verfasserin, oft mtt köstlichem Humor gewürzt, in die fesselnde Darstellung der Thatsachen eingeflochten, so daß der Leser sich fortwährend angeregt fühlt und das Buch nur mit dem Wunsche aus der Hand legen kann, möglichst bald zu ihm zurückzukehren. In den ersten Kapiteln trägt Nahida Remy als Untergrund ihrer lichten Zeichnung die Anschauung der Alten und die Auffassung anderer Religionen von Weib und Ehe auf. Es folgen als strahlendes Gcgenbild die wichtigsten hierher gehört en Vorschriften der Bibel und des Talmud. „Sind die allen Juden ihrer Zeit so sehr vorangeeilt? Oder sind die neuen Gesetzgeber hinter den alten Juden zurückgeblieben —?" meint die Verfasserin und könnte sich diese Fragen sofort befriedigend durch die Erinnerung an die Göttlichkeit der heiligen Schrift lösen. Die biblischen Frauengestalten, die Königinnen der folgenden Zeit, die Märtyrerinnen des Mittelalters, die edlen Denkerinnen, die seit den Tagen der Mischna durch alle Zeiten hindurch forschten, lehrten, ernste und heitere Berufe und Künste übten, oder auch alles Gute und Vortreffliche nach allen Kräften stützten und förderten, sie alle läßt Nahida Remy, tief erfaßt und klar gezeichnet, an uns vorbetziehen und krönt diesen Abschnitt durch die liebevolle Darstellung der wunderbaren Frau Sara Eopia Sullam. Der jüdischen Frau als Mutter und der hochhaltenden Werthschätzung, die das Judenthu der Mutter weiht, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. In den Seiten über die heilige Sprache heißt es: „Wer sich einmal in den Geist der hebräischen Sprache vertieft, wird unwiderstehlich von ihrem Zauber gefesselt. So haben nicht nur Jüdinnen sich ihrem Studium ergeben; von Paula bis zur schwedischen Königin Christine.haben Nichtjüdinnen sie geliebt, gelernt und geübt." Mit Entrüstung und tiefer Mißbilligung wendet sich nun die Verfasserin zu den Abtrünnigen, besonders der letzten hundert Jahre, um dann den Töchtern des Daniel Jtzig,