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Der Israelit · 1892-03-28 · Heft 25 (28.3.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 25 (28.3.1892)
Date
1892-03-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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482 und Zuversicht aus, wo wir nach menschlicher Anschauung unterliegen und an aller Zukunft verzweifeln müßten. rpnjn nws ’twx xnp: no^ p jwin’ m nox nnjn trun 'xn nox nro xnx nJts'v? nnoyn nnnn^ X7 ynixmj rrx nsra ppno d"dxj; noxi ,-1'on' xnx xnum vnmaj jtx nm Dnsyntpo n"Dxy nox Pxon xnx xnu nox innn:i mi3J x'.n i? nnnnx noxi mrx mx ni3j nox x*? vnixnu p nxi D'yanP D’Ex *px jnw ns.” nx icgd^ crpnnn n^D’ nnx noix vxn n"opn ixmo x?d?xw DÄDy f’3 Rabbi Jehoschua ben Levi lehrte: Warum führen „die Männer der großen Versammlung" diesen Namen? — Weil sie der Gotteskrone den alten Glanz wieder gesichert haben. — Mosche kam und nannte: Gott, den Großen, den Mächtigen, den Furchtbaren. Da kam Jtrmijahu und sprach: Heiden tummeln sich in Seinem Heiligthum, wohin ist Seine Furchtbarkeit, und nannte Ihn nicht mehr den Furchtbaren. Da kam Daniel und sprach: Heiden knechten Seine Kinder, wohin sind Seine Machttbaten? und nannte.Ihn nicht mehr den Mächtigen. Da kamen jene und sagten: Im Gegentheil! Das ist die Macht Seiner Machtthaten, daß Er Seine Neigung unterdrückt und Seine Langmuth selbst den Schlechten gewährt und das sind die Beweise seiner Furchtbarkeit. Denn wäre nicht die Furchtbarkeit des Heiligen, gelobt sei Er, wie könnte sich dieses eine Volk erhalten unter den anderen Völkern! (Talmud Joma fol. 69 b.) So haben unsere großen Weisen die Furchtbarkeit aufgefaßt, und so hat sie sich an uns bewährt in jeder Zeit bis auf diese Stunde. Wer sie aber in ihrer vollen Glorie schauen will, der werfe mit uns einen Blick auf die jüdischen Häuser und auf die Art und Weise, wie sie ihren Peßach feiern. Wie vor Jahrtausenden die Erlöfungsnacht, so ladet noch heute ihre alljährlich wiederkehrende Gedächtnißfeier die späteren Enkel der Erlösten zu einem großem Feste. Der Kreis der Festgenossen hat sich erweitert, er reicht über das weite Erdenrund. Aber das Festprogramm, die Tischordnung und die ganze Festesstimmung sind dieselben geblieben. Bei den Mitgliedern dieser großen Tafelrunde lebt das Gedächtniß des Festes, das sie feiern in so klarer Frische, als seien sie selber aus Mizrajim gezogen. An diesem Gedächtniß entzündet sich der alte Ahnengeist und ein Hauch desselben ergreift die Reihen der heiter-ernsten Festgenossen. Er ist doch ein wunderbarer Stamm der jüdische! Hunderte von Jahren den Nacken gebeugt, den Geist getödtet, den letzten Funken Menschenwürde verlöscht, und das Ende? Er feiert ein Fest! Ja, der Augenblick kann die Sklavenfessel brechen, kann die Freiheit bringen; sie erwarten die Erlösung, die Lenden gegürtet, den Reisestab in der Hand, den Fuß gerüstet und keiner verläßt das Haus; sie feiern ein Fest! Die Freiheit kam, die Freiheit schwand, ist nun Jahrtausende wieder geschwunden. Ihre Verkünder leben machtlos, wehrlos zerstreut über die ganze Erde, abhängig von der Gnade der Staaten und Völker, die oft kargten mit ihrer Liebe, die sie höhnten, quälten, verfolgten und duldeten, aber als ob nichts in den Jahrtausenden vorgefallen wäre, sitzen wie damals die Festgenossen an der großen Tafelrunde, essen dasselbe Brod, das ihre Väter im Lande Mizrajim aßen, mit denselben bitteren Kräutern, füllen die Pokale und leeren sie zur Verherrlichung der Freiheit, die in jener Nacht einst Gott den Vätern schenkte. Wohl haben die Enkel diese Freiheit eingebüßt, aber nicht die Zuversicht auf ihre Wiedererlangung. Tagtäglich knüpfen sie an die Erinnerung jener Erlösung aus Egypten die Bitte, um die ersehnte letzte Erlösung von allem sozialen, politischen und religiösen Druck und Leid und die unerschütterliche Ueberzeugung, daß dieser Bitte vom Vater der Menschheit sicher die Erfüllung wird, macht jedes jüdische Haus alljährlich zur Festhalle, jede Familie bis zum jüngsten Gliede zu Festgenossen, läßt alle als begeisterte Herolde der Freiheit die Kelche erheben zum Preise Gottes, der mit der Erlösung der Väter, die der Enkel garantirt hat. Wahrlich das Wunder der Menschheiterlösung von allem Unrecht und Unglück verliert fast sein Wunderbares im Vergleich zu d e m Wunder, welches die Verkünder dieser Zukunft bedeuten, die kein Druck, kein Hohn irre werden läßt an ihrem Ideal, die seit Jahrtausenden alljährlich, wenn sich in der Natur das neue Leben regt, mit der Feier ihres Stiftungsfestes neues Leben, neuen Geist und neue Hoffnung in ihrem Kreise wecken, denen man offen und versteckt die Freiheit verkümmert und die mitten in dieser Verkümmerung das Fest der Freiheit feiern, denen jede Gegenwart das Recht des Daseins bestreitet, und die unentmuthigt die Zukunft reclamiren. Auf Gottes Hilfe hoffen sie jeden Tag und wenn ihr Erlöser auch noch so lange zögert, sie leben der festen Ueberzeugung, daß er täglich kommen könne. Aber nicht täglich, stündlich harren sie seiner, wenn sie in den Sedernächten das Gedächtniß der wunderbaren Erlösung der Väter feiern. Wo in treuer Erinnerung Kinder an den Vätern und ihrem geistigen Vermächtniß hängen, haben sie zu dem Vorboten der einstigen Erlösung vorzearbeitet, „der das Herz der Väter den Kindern und das Herz der Kinder den Vätern zuwenden wird."

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