Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1892)
- Date
- 1892-03-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M SS. XXXIII. Jahrgang. Der Israelit. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodoXe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 28. März 5652 (1892). Da mit dem 1. April 1892 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Leitender Artikel. - KagadaH schet Weßach. j (Erklärung der Gebete und Erzählungen für die Seder-Abende.) Sechste Serie V Mainz, den 25. März. X2b 'N HDJn IN “iDNJtP HD3 .“irDttf '1^ 1? bHJ N“)QD1 j nortei v'Osivm ninto moca »u anpö ’U £ nnpb ■ ,-iir'p ->wx t>aa DWioai mu: yntm np;n i'ai I Dnsöa 'n 'i oa*> I „Mit großer Furchtbarkeit; d. i. die > Enthüllung der Herrlichkeit Gottes, wie es gesagt I ist (V. B. M., 4, 34): Oder hat Gott (sonst noch irgendwie) ein solches Wahrzeichen ausgestellt, zu kommen, sich ein Volk aus der Mitte eines Volkes herauszugreifen, mit Probethaten, mit Zeichen und mit Wundern, und mit Krieg und mit starker Hand 1 und mit ausgestrecktem Arm, gleich allem dem, J was Gott, euer Gott, für euch in Mizrajim vor I Deinen Augen vollbracht hat?" i Wenn hier gesagt wird, daß Gott mit F u r ch t- ■; barleit, d. i. mit Erregung von Furcht und Schrecken uns aus Mizrajim geführt, so glaubt unsere Hagadah einer Auffassung entgegentreten zu sollen, deren Richtigstellung für eine gerechte Würdigung des onitD rE'-Wunders unerläßlich er* scheint. Wozu bedurfte es auch der ganzen Fülle von Zeichen und Wundern, Vorbereitungen und Veranstaltungen und gar die Erregung von Furcht und Schrecken, um den Trotz eines hinfälligen, sterblichen Menschen zu bezwingen, wenn derselbe auch eine egyptische Majestät, der Fürst des mächtigsten Culturstaates des Alterthums war? Lausen wir nicht Gefahr die göttliche Allmacht, deren volle Entfali tung wir in der Geschichte der Befreiung unserer g Väter aus Egypten feiern, zu verkennen und zu unterschätzen, wenn wir sie eintreten sehen, um ein entartetes Volk und seinen verblendeten König in Furcht und Schrecken zu versetzen? Menschlich gedacht, bedarf es doch keiner Erregung von Furcht und Schrecken seitens des Königs aller Könige, um einer irdischen Majestät die Macht zu entreißen, die sie in so unerhörter Weise mißbraucht! Dieser Schwierigkeit dürfte die Hagadah schel Peßach entgegen treten wollen, wenn sie die „Furchtbarkeit", mit der uns Gott aus Egypten führte, nicht in der gewöhnlichen Weise auffaffen lehrt. Nicht die Erregung von Furcht und Schrecken, sondern die Enthüllung der Herrlichkeit Gottes auf Erden war Zweck und Ziel dieser Furchtbarkeit, war Ziel des ganzen Aufenthaltes Israels in Egypten und seiner wunderbaren Befreiung. Nirgends sonst tritt Gottes Herrlichkeit in ihrer ganzen ergreifenden Größe auf, als in der Furcht und in dem Schrecken, mit dem sie nicht den Trotz der Trotzigen bricht, sondern mit dem sie für das gekränkte, verhöhnte Recht hilflos Verlassener eintritt. Dadurch wird das Bewußtsein von der Macht des Gottesgedankens auch in die wahnumnachteten Kreise der anderen Völker getragen. Das Volk, dessen König erst trotzig spricht, ich kenne Gott nicht, richtet Gott selber. Es lernt die Macht ahnen, die auf die Seite des geächteten Sclavenstammes tritt, es lernt Gott fürchten, in dessen Dienst ein Moses seine Sendung vollzieht, es sieht den Gottesfinger, der seinen Weisen das Bekenntniß ihrer Ohnmacht abringt, es fühlt die Wucht der Gotteshand, in deren Dienst die Meeresfluthen stehen, um den hilflosen Sclaven freien Durchzug und den mächtigen Zwingherrn das Wellengrab zu bereiten. Und wie ist diese damals über Israel enthüllte Herrlichkeit Gottes uns in den trüben, nächtigen Jahrhunderten und Jahrtausenden des Exils bis auf den heutigen Tag verblieben! Sie verklärt alles Leid und stattet, uns mit freudiger Hoffnung