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Der Israelit · 1892-03-24 · Heft 24 (24.3.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 24 (24.3.1892)
Date
1892-03-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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486 russische Familien gesehen hat, hungernd und frierend, mit dem Nöthigsten kaum versehen, meilenweite Märsche zu Fnß zurücklegend, um dem Lande ihrer Sehnsucht sich zu nähern, der wird es lobend anerkennen, wenn edle Menschen sich zusammenthun, um ihr Scherflein beizutragen, die Noth dieser armen Menschen, die von ihrem Vaterland verstoßen sind, zu lindern. Und noch größere Anerkennung verdienen diejenigen, welche durch rastlose Mühewaltung und Eifer dieses edle Werk der Menschenüebe sich besonder? angelegen sein lasten. Auch die Bevölkerung unserer Stadt hat gezeigt, daß ihr der Sinn für Barmherzigkeit und Nächstenliebe nicht abgeht. Hier hatte sich ein aus den Herren Leopold Becher, Ad. Landsberger, Max Abraham und Max Loewy bestehendes Comitü gebildet, welches eine Vorstellung zu Gunsten der russischen AuSgewiesenen veranstaltete. Dieselbe fand anr 13. März cr. im Saale des Hotel de France statt. Der Saal war bis auf den letzten Mann gefüllt, das Publikum war gewählt, und es waren Mitglieder aller Confessiouen vertreten, auch viele Polen waren anwesend. Die Leistungen waren durchweg vorzügliche und das Publikum lohnte den Darstellern durch reichlichen Applaus. Die Damen Frau ReiSner, Frau Huger, Frau Landsberger hatten den Billetverkauf übernommen, Fräulein Jenny Gleß die Vorstellung mit einem Prolog von R. Schmidt-Cabanus eröffnet. Der Reingewinn wurde an Herrn Carl Emil Franzos gesandt, welcher denselben dem Central-Comib' in Berlin überwiesen. Schtvabach. Dem Rechenschafts-Bericht über die Talmud-Thora-Schule (Präparandenschulc) in Schwabach von Distrikts-Rabbiner L. Wißmanu pro 1S90 und 1891 entnehmen wir: Außer gründlichem Unterricht in den hebräischen Fächern werden alle Diziplinen, einschließlich Musik und Zeichnen, unterrichtet, wie au den königlichen Präparandenschulen. Das; die Anstalt ihre Pflicht erfüllt und das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigt, erhellt am deutlichsten daraus, daß in den beiden verflossenen Schuljahren die Zöglinge des 3. Kurses die Aufnahmsprüfung im israelitischen Lehrer-Seminar in Würzburg, resp. Cöln theilweise sogar sehr gut bestanden. Ein Schüler des 3. Kurses und einige Schüler des 1. und 2. Kursus haben sich dem Kanfmanusstande zngewendet, wie ja überhaupt das Ziel der Anstalt nicht gerade ausschließlich auf Vorbereitung für das Lehrfach gerichtet ist. Die Zöglinge, deren sich aus den verschiedenen Gegenden Deutschlands dahier befinden, erhalten fast alle Unterricht, Logis Beheizung unentgeltlich und die unbemittelten erhalten noch eine monatliche Unterstützung an Geld. Schon im vorigen Rechenschaftsberichte wurde erwähnt, wie sehr es im Imteresse der Anstalt gelegen wäre, daß dieselbe ein eigenes Heim besitze; allein angesichts des bedeutenden Kostenpunkts konnten wir uns immer nicht dazu entschließen, ein Hans zu erwerben. Da wurde uns plötzlich in diesem Winter unsere bisherige Wohnung gekündigt, und wir waren gezwungen, weil keine passende Miethe zu finden war, ein eigenes Gebäude zu kaufen, welches nahezu 18,000 Mark kostet. Dasselbe entspricht in Bezug auf gesunde Lage und geeignete Räumlichkeiten allen Anforderungen in vollkommener Weise. Durch diesen Ankauf sind wir mehr als jemals daraus angewiesen, an den Wohlthätigkeitssinn unserer verehrlichen Glaubensgenossen zu appelliren, und es werden daher alle Freunde der Anstalt und alle, die es mit unserer heiligen Religion ernst meinen, freundlichft und dringend gebeten, uns recht reichliche Spenden zuzuwenden und unserer Anstalt bei ernsten und freudigen Veranlassungen zu gedenken, damit nicht nur das für die laufenden Ausgaben nöthige Kapital aufgebracht werde, sondern auch die Kaufsumme für das Haus abgetragen werden kann. Ganz besonders ergeht an die ehrwürdigen HH. Rabbiner, an die verehrlichen HH. Kultusvorstände und Lehrer die Bitte, unser gemeinnütziges Unternehmen nach allen Kräften fördern zu helfen durch ihren Einfluß' bei Glaubensgenossen, welche Gott mit Glücksgütern gesegnet hat. Kempen, 16. März. Das feiner Zeit sich hier gebildete Comitö zur Unterstützung der ausgewiesenen russischen Juden, veranstaltete am Montag Abend im Hillerschen Saale, zum Besten der Allsgewiesenen eine „Theater-Dilettanten-Dorstellung", die wir als in jeder Beziehung gelungen bezeichnen können. (hin zum gleichen Zwecke verfaßter Prolog, in welchenr der Jammer und das Elend der zahllosen Ausgewiesenen geschildert wird, wurde von Herrn Moritz Gottheiner in warm empfundener Weise vortrefflich zum Ausdruck gebracht und eröffnete den Abend. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt; alle Stände und Confessionen waren vertreten und trugen dadurch zu dein überaus wvhlthätigeu Zrvecke bei; das Ergebniß unir deßhalb auch ein sehr befriedigendes, denn die Einnahme betrug 320 Al. Den Herren Moritz Gottheiner n. David Guttmann aber, die seit Wochen um das Zustandekommen bemüht waren und viel Zeit der guten Sache opferten, gebührt neben den übrigen Eomitömitgliedern und den fämmtlich Mitwirkenden, der Dank aller Menschenfreunde. Feuilleton. Aer Hünstking des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehman», Dr. phil. (28. Fortsetzung.) Diese Tumulte, die eines gefährlichen Eharacters entbehrten, wären wahrscheinlich am nächsten Tage oder in der darauffolgenden Nacht fortgesetzt und der Rest der Juden vernichtet worden, wenn nicht die Plünderer die Unvorsichtigkeit begangen hätten, einige national-russische Häuser, in denen Juden zu Miethe wohnten, ebenfalls zu zerstören, und einige andere Häuser griechisch-orthodoxer Besitzer, die sehr reich waren, in leicht verzeihlichem Jrrthum ebenfalls auszurauben. Jetzt kam plötzlich ein Mitgefühl in die Einwohner der Stadt; die Väter derselben, der Bürgermeister an der Spitze, versammelten sich in der

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