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Der Israelit · 1892-03-24 · Heft 24 (24.3.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 24 (24.3.1892)
Date
1892-03-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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465 Goldfmid auf die Makkabäer zurück, ein Glaube, welcher auch in dem Wappen der Familie zum Ausdruck gelangt. Wie dem auch sein mag, so haben doch die Vorfahren des Obersten die militärischen Gaben des Geschlechtes in glänzender Weise bethätigt. Seinem Großonkel, General Goldsmid, wurde bei Waterloo ein Pferd unter dem Leibe erschossen, sein Großvater hinterließ ein ausgezeichnetes Andenken im 19. Dragonerregiment und fast alle seine männlichen Anverwandten haben sich iu der Armee mit Ruhm bedeckt. Einer seiner hervorragendsten Vorfahren von mütterlicher Seite war Oberst David Franks, welcher während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Washington als Adjutant zur Seite stand. Einen großen Theil seiner freien Zeit hat Oberst Goldsmid den Interessen der jüdischen Gemeinde gewidmet, zu deren eifrigsten Mitgliedern er zählt. Besonderen Antheil nahm er an der Colonisation Palästinas und an der Förderung der Idee eines neuen jüdischen Reiches. Im Jahre 1883 besuchte er Palästina und hielt sich bei Lawrence Oliphant auf dem Berge Carmel auf. Eine reizende Erinnerung an jenen Besuch lebt in seiner kleinen Tochter Carmel fort, welche auf dem heiligen Berge zuerst das Licht der Welt erblickte." ■¥• Vermischtes. Berlin, 17. März. Das schöne Purim-Fest war in der jüdischen Volksküche Veranlassung zu einer erhebenden Feier. Alle jüdischen Besucher erhielten zunächst von den Ehrendamen Liaueur und Pfefferkuchen; alsdann das National-Gericht des Tages, Kreppchen und Bouillon als nuc rpttfD. Mehrere hundert arme Besucher, viele Frauen und Kinder, erhielten umsonst ein gutes Mittagessen. Es war eine Freude die glücklichen Gesichter der Armen zu sehen und ihr andächtiges Tischgebet mit anzuhören. Schließlich brachte einer der Besucher auf den Begründer der Anstalt und seine Gemahlin, der Leiterin derselben, ein begeistertes Hoch aus, in das alle Anwesenden freudig einstimmten. Halberstadt, 21. März. „Wenn aus den Augen aller die Thränen des Schmerzes Herabstürzen und die Todtenlade befeuchten, so ist dies der schönste Beweis für das gottgefällige Leben des Dahingeschiedenen." Diese Worte unserer Weisen können wir mit Recht anwenden auf den Tod der so früh Dahingerafften, allgemein betrauerten Frau B erth a Hirsch, die Donnerstag, den 17. d. M. das Zeitliche segnete. Sie hat in der Erlösung von den Schmerzen der Geburt ihr junges Leben beschlossen, ihren kurzen Lebenslauf von 25 Jahren beendet, indem sie das Leben ihres Kindes mit dem ihrigen bezahlte. Sie hat die Pflichten einer treuen, liebevollen Gattin, einer frommen, treuen Tochter, einer zärtlich liebenden Schwester und einer gewissenhaften Mutter aufs Schönste und Beste in ihrem Leben erfüllt, und Eltern, Gatte, Geschwister und Kind waren von der Liebe zu ihr ganz erfüllt und durchdrungen. Sie war mit allen Vorzügen geschmückt, die ein jüdisches Weib zieren sollen; sie war eine echte Priesterin des Hauses, hat stets streng nach den Gesetzen gelebt, welche die jüdische Religion dem jüdischen Weibe auferlegt. Obgleich mit irdischen Gütern reichlich gesegnet, die so manchen zum Hochmuth verleiten, hat sie niemanden gekränkt, niemandem wehe gethan, stets einen bescheidenen, anspruchslosen Wandel geführt und als ein Muster wahrer Frömmigkeit und Hcrzensgüte ihren jüdischen Schwestern vorangeleuchtet. Sie hat treu erfüllt das Wort: „Brich dem Hungrigen dein Brod und bring Unglückliche in dein Haus", sie war in der That eine gerühmte Wohlthäterin unserer Armen, Wittwen und Waisen, überhaupt aller Hilfsbedürftigen, ohne Unterschied der Religion. Man kann der Verklärten das ungetheilte Lob spenden, daß sie durch ihre Liebenswürdigkeit, ihre Tugend und ihr Verdienst die Liebe und Achtung aller genossen, die sie kannten. Es gibt nur eine Stimme des Lobes über diese würdige Frau, und wir können mit Salomo sagen: „Gebet ihr den Ruhm, die Frucht ihres Verdienstes, denn in allen Thoren loben sie ihre Werke." Danzig. Zu dem Danziger Brodkrawall läßt sich die „Kreuzzeitung" folgendes Phantasiestückchen „aus Westpreußen" schreiben: „Anläßlich der infamen, gemeinen Angriffe der Judcnpresse gegen die Antisemiten betreffs der dortigen Straßenunruhen erlaube ich mir, Ihnen davon Mittheilung zu machen, daß bei den Unruhen, welche vor einigen Tagen in unserer Provinzial-Hauptstadt Danzig stattfanden, nach einstimmigen Aussagen mehrerer Augenzeugen unter den lärmenden Arbeitern zwei feingekleidete Juden gesehen worden sind, welche auscheinend ermunternde Zurufe an die Menge richteten. Viele der lärmenden Arbeiter waren im Besitz von Ein- und Zwei-Markstücken, welche sie von jenen beiden Juden erhalten haben sollen." Es ist nur schade, sagt darauf die „Danziger Zeitung", daß von den „einstimmigen Aussagen" der klassischen „Augenzeugen" dieses Musterberichterstatters hier niemand etwas bekannt ist und daß auch die „jüdischen Ein- und Zweimarkstücke" in der Hitze des Fenstereinschlagens sich völlig in Glas aufgelöst zu haben scheinen. Doch wir wollen die „Kreuzztg." nicht ganz im Stich lassen und ihr zur wirksamen Verwerthung gegen die „Judenpresse" gern verrathen, daß unter den ca. 60 Verhafteten sich sogar ein „jüdischer Agitator" befand, nämlich ein 21jähriger Handwerksgeselle oder Hausirer (sog. Kesselflicker) mosaischen Bekenntnisses, dem das Schauspiel des Fenstereinschlagens in der Korkenmachergasse besonderes Ergötzen gewährt zu haben scheint. Eine mit Ein- und Zwei-Marken gefüllte Tasche wäre ihm aber doch wohl lieber gewesen. Schrimrn, Prov. Posen. — Wer in jüngster Zeit die Berichte von dem maßlosen Jammer und Elend gelesen hat, von dem russische Ausgewiesene heimgesucht, und sie dazu getrieben hat, den Wanderstab in die Hand zu nehmen, um fern von ihrem Heim sich ein neues Vaterland zu suchen, wer gar selbst derartige auswandernde

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