Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1892)
- Date
- 1892-03-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448243--33889-2481802- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
464 fall rechts, Lärm auf der Linken.) Es steht fest, fährt Gregorig fort, blaß und zitternd vor Erregung, daß die Juden rituelle Morde begehen, sie wollen auch Mörder gegen mich senden; doch ich habe Vorsorge getroffen, daß ich nicht ungerächt bleibe. Ich habe meine vier Söhne so erzogen, daß sie einen rituellen Mord an mir gewiß rächen werden. (Rufe auf der Rechten: Er gehört in's Irrenhaus!) Die Sitzung mußte dann auf kurze Zeit unterbrochen werden, bis sich der Lärm und die Erregung gelegt hatten. Wien, 17. März. Die galizischen Gerichte wurden durch eine Weisung des Justizministeriums darauf aufmerksam gemacht, daß die dortländische Judenschaft die Ehebündnisse nach wie vor nach mosaisch-ritueller Sitte mit Außerachtlassung der gesetzlichen Vorschriften einzugehen pflegt, demzufolge die Nachkommenschaft derartig zusammenlebender Eheleute der gesetzlichen Erfordernisse bei Erbantretungen entbehrt. Die Gerichte wurden daher angewiesen/bei Verlaffenschafts-Abhandlungen auf die Nachweisung der legitimen Herkunft Bedacht zu nehmen und hienach den gesetzlichen Vorschriften gemäß vorzugehen. Wien. In der Letzten Stadtrathssitzung referirte Stadtrath Dr. Vogler über den Antrag des Gemeinderaths Steiner wegen thunlichster Trennung der Schüler in den Volks- und Bürgerschulen nach Confessionen. Der Referent stellte folgenden Antrag: In Erwägung, daß die in dem Anträge des Gemeinderaths Steiner gerügte Einrichtung an städtischen Volksschulen im zweiten Bezirke an Samstagen keinen Schreib-Unterricht zu ertheilen und auch keine schriftliche Arbeiten durch die Schüler anfertigen zu lassen, der Vorschrift des Erlasses des Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 19. Februar 1876, wonach bei Verfassung der Stundenpläne auf das israelitische Gebot, am Samstage des Schreibens, Zeichnens und überhaupt der Handarbeiten sich zu enthalten, thunlichst Rücksicht zu nehmen ist, vollkommen entspricht; in fernerer Erwägung, daß durch eine derartige Einrichtung des Stundenplanes ein Nachtheil für die Schüler christlicher Confession nicht herbeigeführt wird, in der endlichen Erwägung, daß eine Trennung der Schüler in den öffentlichen Schulen nach Confessionen nicht nur dem Geiste der bestehenden Schulgesetze widerstreiten würde, sondern auch aus pädagogischen Gründen nicht gebilligt werden könnte — beschließe der Stadtrath, von weiteren Schritten bei den Schulbehörden im Sinne des Antrages Steiner abzusehen. — Dieser Antrag wurde zum Beschlüsse erhoben. Prag, 12. Adar. Heute schied der wackere, im literarischen Israel rühmlichst bekannte Rabbi Salomon Lieben aus dem Diesseits. — In seiner Eigenschaft als Actuar der hiesigen rron f)at er sich mit seinem im Tode ihm vorangegangenen Freunde S. Schock s. A. durch die Herausgabe des um die Geschichte der Erforschung der Prager Jsraeliteugemeinde verdient gemacht; mit unermüdlichem Fleiße arbeitete und vollendete er kurz vor seinem Heimgange im fast erreichten achtzigsten Lebensjahre, die Sammlung aller auf dem alten jüd. Friedhofe vorfindlichen Grabstein-Inschriften, etwa 12000 an der Zahl. Dieses, sein letztes Werk, dürfte noch im Laufe dieses Jahres von der Brüderschaft herausgegeben werden. Er vereinigte tiefes profanes Wissen mit inniger Glaubenstreue, dabei war er unermüdlich im Wohlthun, im Fördern der jüd. Literatur und Schriftstellerei. Jakob Pascheles. Rumänien. Bukarest, 19. März. Der gouvernementale „Constitutionalul" bringt heute die Nachricht, daß der Kommandant des IV. Armeecorps verboten habe, jüdische Soldaten zu Unteroffizieren avanciren zu lassen, und daß ferner Ordre ergangen sei, Israeliten nicht zu Wachcommandanten an den Pruthufern zu ernennen, damit sie keine Autorität über die Grenzwächter ausüben und nicht etwa der Einwanderung russischer Juden Vorschub zu leisten. Um Gründe zur Judenbedrückung ist man eben in Rumänien nicht verlegen. England. London, 11. März. Ein Vertreter des „Daily Graphic" entwirft ein fesselndes Bild von dcm „Josua des neuen jüdischen Auszuges", Oberstlieutenant A. E. W. Goldsmid: „Es würde schwer fallen, einen Mann zu finden, welcher besser für den schwierigen Posten des Generaldirectors der jüdischen Colonien in Argentinien geeignet wäre. Befähigen ihn einerseits seine militärische Erziehung und besonders seine Erfahrungen als Vice-Generalquartiermeister der englischen Armee in hervorragendem Maße, die Lösung großer Transport-, Organisations- und Colonisationsprobleme in die Hand zu nehmen, so sind anderseits in seinem ausgeprägt jüdischen Geiste jene Eigenschaften, Mitgefühl für den Nächsten und edle Begeisterung in der Verfolgung seiner Pläne, vereinigt, welche die Grundbedingung jedes Erfolges bilden. Oberst Goldsmid steht jetzt in seinem 46. Lebensjahre. Ein liebenswürdiger, genialer und energischer Mann von Welt, erinnert er durch seine Verbindung von heiterer Kameraderie mit starkem religiösen und Race-Gefühl sehr an Lawrence Oliphant. Er entstammt einem Geschlecht von Soldaten und einer der ersten Familien in Israel. Die Tradition führt den Ursprung der Familie