Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1892)
- Date
- 1892-03-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXI11. JahrgMtg. Beilage ju M 23 des „Israelit". Literarische Umschau. 8. Mit einem neuen, vielversprechenden Unternehmen tritt die rege Verlagsbuchhandlung, Sigmund Mayer in Trier, vor das Publikum. Von dem Gedanken ausgehend, daß vielfache schiefe Urtheile über das Wesen des Judenthums berichtigt würden, wenn der Inhalt seiner Literatur dem größeren Publikum besser bekannt wäre, als es in der That ist, bereitet dieselbe eine umfassende Anthologie der jüd. Literatur vor, deren erste Lieferung jetzt vorliegt. Als Herausgeber sind die Herren Rabb. Dr. I. Winter und Prof. Dr. theol. und Phil. Aug. Wünsche gewonnen. Der Gesammttitel lautet: „Die jüdische Litteratur seit Abschluß des Kanons. Eine prosaische und poetische Anthologie mit biographischen und l itte r arg es ch ich tlichen Einlei. tungen." Die vorliegende Lieferung bietet bereits einen reichen Inhalt: Auszüge aus dem Makkabäerbuche, den Sprüchen Sirachs, die Erzählung vom Bel und Drachen zu Babylon, ferner Auszüge aus Josephus jüdischem Krieg, Alterthümern und der Streitschrift gegen Apion. Dann den Brief des Aristeas, Auszüge aus den Sibyllinen, den Targumin und der Mischna. Allen Abtheilungen sind entsprechend kurze und übersichtliche literarische Einleitungen vorangeschickt. Das ganze Werk ist auf ungefähr 18 Lieferungen ü 5—6 Bogen, die Lieferung zu M. 1.50 berechnet. Die Mitwirkung hervorragender Gelehrten ist dem Prospekte nach zugesichert und so ist vorauszusetzen, daß dieses Werk bei seiner splendiden Ausstattung und dem reichen Inhalt ein geschätztes Familienbuch, und zwar nicht nur in jüdischen Familien, werden wird. — Es sei hier auf eine kleine Novellensammlung aufmerksam gemacht, die ebenfalls im Verlage von Sigmund Mayer erschienen ist: „Jrrgänge der Seele" von W. Herzberg. Es sind dies keine Neulinge , ehemals aber einem kleineren Kreise nur zugänglich, hat sich der Verfasser entschlossen, sie in einem Buche zu vereinigen und ihnen die Möglichkeit einer größeren Verbreitung zu geben. Die Erzählungen sind : „Der freie Wille", „Eine Ohnmacht", „Die Wiedergeburt." Herzberg's Erzählertalent ist bekannt; zugleich spannend und anregend, sind die Erzählungen von einer Begeisterung für das Judenthum durchhaucht und von einer edlen Gesinnung durchleuchtet, die jedem wohlthun muß, der noch an guter Lektüre Behagen findet. Inhalt und prächtige Ausstattung lassen das Buch ganz besonders als Festgeschenk geeignet erscheinen. Eine interessante Abhandlung über den hygienischen Einfluß der jüdischen Religionsgesetze und der sanitären Verordnungen des Talmud auf das Leben der Juden veröffentlicht Dr. Marcus Adler in London unter dem Titel „The health laws of the bible and their influence upon the lifecondition of the jews“ als Sonderabdruck aus der „Imperial and Asiatic quarterly review“. Sind die Gesetze mit ihren mancherlei Beschränkungen, die sie dem Menschen auferlegen, eine stetige Selbstkontrole zu üben geeignet, so fördern sie auch die Gesundheit und die Lebensdauer. Die Pflicht der Ehe, wenn die talmudische Bestimmung, vor Eingehen derselben den Lebensunterhalt zu sichern, beachtet wird, fördert ein glückliches und gesundheitliches Familienleben, das vor Ausschweifungen und schweren Heimsuchungen schützt. Die Speisegesetze erhalten den Körper stark und widerstandsfähig, und so ist es nicht zu verwundern, daß die Gesundheitsstatistik zu Gunsten der Juden sich ausspricht. Selbst da, wo äußere Umstände: mangelhafte Wohnung, Dürftigkeit u. s. w. ungünstig wirken, bewähren sich noch immer die altjüdischen Satzungen, daß die betreffenden Individuen mit nichtjüdischen, die unter gleichen äußeren Umständen leben, verglichen, eine vorteilhaftere Lebensdauer und Lebenskraft aufweisen. Sanitäre Maßregeln, die heute seitens des Staates eingeführt werden, ordnet schon der Talmud an, wofür der Verf. mehrere Beispiele anführt. Die Schrift, die sich auf sickiere statistische Zahlen stützt, verdient die allgemeine Aufmerksamkeit. — Zur Abwehr des Antisemitismus gibt der „Moderne Verlag, Berlin 8. W." eine Sammlung volkstümlicher Schriften heraus, deren 1. Heft „Der Prozeß Ahlwardt und Anderes" von KarlSchneidt vor uns liegt. Der Verf. verfügt über eine gewandte Feder und den genügenden Sarkasmus, um die Herren des Antisemitismus und die Kämpen für teutsche Treue und Redlichkeit ins richtige Licht zu stellen. Es sei hier, um Jrrthümer zu verhüten, bemerkt, daß hier nicht der Gang jenes famosen Prozesses uns vorgeführt wird, sondern Betrachtungen über denselben angestellt werden, die recht fruchtbringend sind. Gleichfalls aufklärend wirken die anderen Abhandlungen: „Das Blutmärchen", „ParteigenosseWetzel" und „Der falsche Weg." — Viele werden es freudig begrüßen. daß das vielverbreitete und überall wohlaufgenommene homiletische Werk mn mix 'd von Rabbiner Chajim Schwarz y'y; l. Theil (Frankfurt a. M. 1892. I. Kauffmann) in zweiter Auflage erschienen ist. lieber dieses Werk, das sich als ->bd mp» be-