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Der Israelit · 1892-03-21 · Heft 23 (21.3.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 23 (21.3.1892)
Date
1892-03-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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451 kommen, um sie am Sprechen zu verhindern, doch die Männer rissen ihn weit hinweg von ihr und hielten ihm den Mund zu, ihm eine Ermahnung unmöglich machend. „In welcher Verkleidung ist sie entflohen?" frug Kolascheff weiter. „Ich weiß es nicht", stotterte Tanas. Drohend schwang der Polizeispion die Peitsche in der Luft. „Du weißt es!" rief er. Furchtsam duckte sich das Weib nieder. „Als Reitknecht!" flüsterte sie. „Allein?" 3a, allein." "Wohin? Ihr Juden flieht doch nicht planlos, Ihr wisset sicherlich, wohin Ihr geht." „Nein, nein, wir wissen es nicht." Kolascheff umklammerte mit der Faust den Hals des Weibes und würgte sie, bis ihr Gesicht eine bläuliche Färbung annahm. „Weißt Du es noch nicht?" schrie er ihr in die Ohren. Das Weib wand sich wie im Todeskampf. „Laßt los, laßt los," stöhnte sie, „ich will bekennen!" Ihre Worte waren kaum vernehmbar, denn der Athem war ihr vergangen; Kolascheff brachte sein Ohr an ihre Lippen. „Im Luftschloß des Gouverneurs," hauchte sie, „an der Moskauer Straße, die Tochter — des Gouverneurs Tochter hat — ausgenommen." — Tanas sank ohnmächtig zusammen; Kolascheff ließ sie los und sie gleitete zur Erde nieder. Mehrere Pläne durchkreuzten den Kopf des Polizeispions, er faßte sofort seinen Entschluß, seine Arbeit in diesem Hause war erledigt, doch seine Blutgier verlangte noch nach Befriedigung. „Führt den Juden vor", befahl er. Man schleppte Alexei herbei. „Du hast mich belogen, Hund!" schrie der Beamte der III. Abtheilung. Alexei gab keine Antwort, er wußte, daß jedes Wort vergebens gewesen wäre. Ein Pope vom Land drängte sich hervor. „Der Ezar hat befohlen, daß cs nur eine einzige, heilige, russische Kirche geben soll, alle Andersgläubigen müssen sterben!" schrie er. Einige Griechen, die selbst in Rußland Fremde, bei der nationalen Plünderung der Juden dennoch einen hervorragenden Antheil nahmen, schoben den Popen zur Sekte. „Die Juden haben den Czaren ermordet," schrieen sie tumultarisch, „schlagt sie alle todt!" „Zurück, Ihr Schurken!" rief Kolascheff, doch ehe er es verhindern konnte, hatte einer der Griechen dem ihm zunächststehenden Soldaten die Flinte entrissen, und wuchtig sauste der Kolben derselben auf Alexei's Haupt nieder; wie leblos stürzte der Getroffene zu Boden. Mittlerweile war Tanas aus ihrer Ohnmacht wieder erwacht und warf sich mit einem furchtbaren Jammerschrei auf den daliegenden Gatten. Lauter Jubel aus dem Volke begrüßte sie. „Der Mann ist abgethan, jetzt kommt das Weib daran", schrie die Menge. Von rohen Fäusten wurde Tanas emporgehobcn. „Sie muß nach ihren Möbeln sehen, die zum Fenster hinansgeflogen Mnd", rief ein Brodjak hohnlachend. »Ja, ja," schrien^ Griechen,' Bauern und Soldaten, „werft sie zum Fenster hinaus." Kolascheff trat zwischen die Menge und suchte sie zurückzuhalten, seine Leute bemühten sich vergeblich der entfesselten Volkswuth Herr zu werden, das losgelaffene Element war nicht mehr einzudämmen, die Leute Kolascheffs wurden zurückgedrängt, und es entstand eine Schlägerei zwischen ihnen und den Bauern. Während,' dieser Zeit aber hatten die Andern, allen voran die Griechen, das furchtsam und jammervoll schreiende Weib von Hand zu Hand gegeben und einigemal unter den Tönen ihres grausamen Gelächters in der Luft umhergeschwungen, ein Ruck, ein markerschütternder Schrei, und das Weib Alexei's lag mit zerschmettertem Haupte vor dem eigenen Hause. Kolascheff sammelte seine schaar und zog ab. In dem Hause des Gouverneurs war das Mädchen, dessen Besitz Iwan erstrebte, vor den Plünderern sicher, dorthin vermochten sie ihm nicht zu folgen, dort mußte man auf andere Weise ihrer habhaft werden. Eine für diesen Fall anwendbare Methode konnte leicht gefunden werden. Die Plünderer fanden nichts mehr zum Zerstören vor, als das Haus selbst, das nun ihrer Wuth zum Opfer fallen mußte. Einer entzündete den übriggebliebeneu Branntwein, die Flamme schlug hoch empor und schreiend und heulend verließ, wer noch im Stande war zu gehen, das brennende Gebäude; Niemand bekümmerte sich um die sinnlos Betrunkenen,^die hier und dort', umherlagen und nun den Tod im Feuer fanden. Alexei aber erwachte mit schmerzendem Haupte aus einer tiefen Ohnmacht,^ als die Plünderer gerade im Abzug begriffen waren, er sprang auf, er sah, daß sein Haus brannte. „Tanas!" rief er, „Tanas, wo bist Du, mein geliebtes Weib?" Doch Niemand antwortete ihm.

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