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Der Israelit · 1892-03-21 · Heft 23 (21.3.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 23 (21.3.1892)
Date
1892-03-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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450 chen Luxus nicht gestatten, und er sehe daher die Wahl des Juden Friedmann zum Deputirten als ein Unglück für das Land und als eine Schande für die Volksvertretung au. Leider hatte Herr Docan seine wohlmemorirte Jungfernrede umsonst gesprochen, da Herr Friedmann im orthodoxen Glauben erzogen ist und demnach die Furcht Docan's vor einem semitischen Kollegen ganz und gar unbegründet war! > Vermischtes. < Wachenheim. «Kreis Worms.- Heine nats' any -o 'd fand dahier die feierliche Einweihung der restanrirten Synagoge statt. Nachdem um 4l« Uhr im israelitischen Schulsaale der riM2-Gottesdiensr stattgesnnden, begaben sich die Festtheilnehmer an die Wohnung des Borstandsmitgliedes, Herrn Fittler, woselbst sich ein stattlicher Festzug ordnete. Unter den Klängen der Musik bewegte sich derselbe durch die mit Fahnen geschmückten Ortsstraßen zur Synagoge. Daselbst angekommcn, übergab ein Ojäbrigcs Mädchen Herrn W a bbinerDr. S tein ans W o r m s mit passender Ansprache den Schlüssel. Sofort füllte sich das Gotteshaus bis zum lebten Play. Nachdem die vorgeschriebenen sehr präzis und hübsch vorgetragenen Gesänge unter Leitung des Herrn Lehrers Lebt) ans Göllheim verklungen waren, hielt Herr Dr. Stein in bekannter Meisterschaft die Predigt über mori nft’cin miay, rrm De^au. Das von Baron Eohn in Dessau für Kaiser Wilhelm I. gestiftete Denkmal, dessen Kosten ungefähr 820,000 M. betragen, soll mit dem Geburtstage des Herzogs von Anhalt enthüllt werden. An der Feier werden die herzogliche Familie und mehrere auswärtigen Fürstlichkeiten theilnehmen. Eohn war bekanntlich der Bankier des verewigten Kaisers. Gleiwitz. Donnerstag, am 11. Februar, wurde, wie alljährlich, das Stiftungsfest der ntrnp man begangen. Es hatte in diesem Fahre dadurch eine erhöhte Bedeutung erlangt, daß gleichzeitig der erste Vorsitzende, Herr Rentier Jacob Plonsker das fünfnndzwanzigjähr. Jubiläum als Vorsitzender dieses Vereins feierte. Letzterem zu Ehren waren unter anderen unsere früheren Mitbürger, der Königliche Geheime Sanitätsrath Dr. Wvllner und Rentier Löwy aus Breslau, sowie Deputationen ans den Rachbarstädten B en then, Kattowirz und Myslowitz erschienen. Illach einem Berichte über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre, den Herr I a c o b H u l d s ch i n e r, der zweite Vorsitzende gab, feierte dieser den Jubilar und überreichte ihm eine ansehnliche Summe, welche einer Plonsker- Stiftung, nach näheren Bestimmungen des Jubilars, zugewendet werden soll. Der Jubilar, ein Mann von 70 Fahren, der heute noch allen Ehewramitgliedern als ein würdiges Vorbild zu eifrigem Schaffen dasteht, dankte in bewegten Worten. An diesen mehr geschäftlichen Thcil schloß sich das Liebesmahl, bei welchem die Herren Geheimrath Wollner, Rabbiner Tr. Münz und Kaufmann Rund sinnige Toaste ausbrachten. Der Ertrag von 120 M., den die Versteigerung von ytvn rvro ergeben, wurde für den Fond des Kaiser Friedrich-Denkmals bestimmt. Wien. Das von Seiten des k. und k. Reichs- Kriegsministerium herausgegebene „Militär-statistische Jahrbuch", welches vom Jahre 1887 bis zum Jahre 1872 zurückgeht, gibt ein in mancher Hinsicht übersichtliches Bild über die Juden in der österreichisch-ungarischen Armee, aber nur hinsichtlich des Grundbuchstandes der Mannschaft vom Offiziers-Stellvertreter abwärts, während über den Stand der jüdischen Offiziere keine Nachweisungen vorliegen. Darnach ist die ununterbrochene Zunahme der Juden in der kaiserlichen und königllichen Armee eine geradezu außerordentliche. Während sich nämlich der Grundbuchstand des Heeres von 1872 bis Ende 1877 um 58.840 Mann oder 7.05 Procent erhöhte, so finkt dieser Zuwachs nach Abschlag der Juden auf 88.420 Mann oder 4.72 Prozente herab, dagegen haben die Juden in diesem Zeiträume um 10.011 Mann oder 180.00 Prozent zugcuommen, und ihr Antheil an der Gesammtsumme steigerte sich von 1.51 Prozent im Fahre 1872 ans 8.00 Prozent im Jahre 1887. Lemberg. Der durch seine homiletischen Werke „Minchat schabat und Kvl omer Kro" sowie durch seine talmndische (Gelehrsamkeit berühmte Rabbiner Josef Ehaim Karo in Wloclawek, russisch Polen, feierte am 17. März mit seiner ehrwürdigen Gattin das 70jährige Ehejubiläum zugleich mit dem 60jährigen Amtsjnbiläum. Das Jubelpaar ist noch verhältnißmäßig rüstig und der Jubilar verrichtet noch mit seltener Geisteskraft sein schwieriges Amt. Myslowitz. Vom Synagogenvorstande ist an sämmtliche Gemeindemitglieder die Aufforderung ergangen, einen Verein gegen die Hans- und Wanderb ettelei mit einer Eentralkaffe zu gründen, aus der jüdische Armen Unterstützung erhalten sollen, damit die Belästigungen in den Haushaltungen anfhören. Auch der Krankenpflege- und Beerdignngsverein, welcher Arme unterstützt, will zu dieser E en tr alkaffe jährlich 4--500 SKf. leisten; ebenso werden alle übrigen jüdischen Wohlthäligkcitsvereine dazu beitragen, und die einzelnen Mitglieder sollen freiwillige Beiträge zeichnen. Feuilleton. Der Hünstting des Kzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. plnl. (27. Fortsetzung.) „Tanas," rief Alexe! vorwurfsvoll, doch sie hörte nicht auf ihn in ihrer Verzweiflung. „So sprich', Weib!" rief Kolascheff streng, „aber die lautere Wahrheit, sonst, das schwöre ich, peitschen wir Euch Beide bis zu Tode." „Rosa ist entflohen", hauchte sie mühsam. „Schon in der Frühe des Tages lief sie aus der Stadt in Verkleidung, Niemand merkte es." Alexei quälte sich ab, seinem Weibe näher zu

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