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Der Israelit · 1892-03-21 · Heft 23 (21.3.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 23 (21.3.1892)
Date
1892-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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448 von Angesicht zu Angesicht erschaut , der keinen Laut der Thora preisgegeben, dem die Thora da unveräußerlichr und unabänderliche Vermächtniß der Gemeinde Jakobs geblieben. Der Rabbiner der gesetzestreuen Gemeinde und Dirigent des Beth-Hamidrasch, Dr. Israel Hildesheimer feierte in zweistündiger Rede den Monn, welcher der Menschenwelt das Buch des Lebens entrollt, der das Band der Gottähnlichkeit um die Menschenkinder schlang, und dem menschenhassenden Barbarenthum seine Thierähnlichkeit vorhtelt, der die Grundgesetze der Gesellschaft mit ewiger Schrift ins Herz der Erdbewohner gegraben, welcher die in tiefe Nacht der Abgötterei gesunkenen Adamkinder zur Morgenröthe des reinen Glaubens erweckte. An das Lebensbild dessen, den Gort znm Vertrauten seines Weltenhauses erkoren, reihte sich eine Rückschau auf das Wirken der Männer, welche fortfuhren den Garten Gottes zu pflegen und zu bebauen, von denen die göttliche Erleuchtung nicht gewichen, die da lehrten und ihres schweren Amtes walteten, bis ein sanfter Schlummer sie umfing und ihre reine Seele in die ewigen Höhen entschwebte. Es war eine Todtenschan, die der Redner über die im verflossenen Jahre dahingeschiedenen Großen in Israel hielt, das Herz erbebte, ob der schweren Verluste, die Gesammtisrael erlitten, wir trauerten ob der Kronen, die von unfern Häuptern gefallen, aber wir fühlten uns auch wieder gehoben in dem Bewußtsein, daß die Saat, die solche gottbegnadete Männer gestreut, auch aufgehen müsse zum Heile unserer Glaubensgemeinde. Wir heben aus der Zahl der im Laufe des Jahres Verblichenen hervor: R. Eh ajim Brüll, Preßburg, dessen eifriges Wirken für die Erhaltung der Jeschiba und unablässiges Fördern der Gemeindeinstitutionen gerühmt wurde, ferner Rabb. MordechaiGümpel aus Rosanis, der in der palästinensischen Colonie Peßach Tikwoh seine edle Seele aushauchte und mit großen Ehren in Jaffa zu Grabe getragen wurde. Berlin, 14. März. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam Abg. Rickert auf den Fall in Hörde zurück, wo jüdische Kinder aus Anordnung der Regierung aus der Simultanschule ausgeschult wurden. Die Angabe des Ministers, die dortigen Katholiken zahlten für ihre Konfessionsschule und für die Simultanschule, sei falsch; woraus Minister von Zedlitz erwiederte: Meine Verfügung betreffend den Fall in Hörde hat mit Konfessionalität und Simultanität nichts zu thun. Stuttgart. Bankier Berolzheimer von hier, hat anläßlich des Geburtstages Sr. Königl. Hoh. des Prinzregenten Luitpold dem hies. Bayernverein ein Festlied gewidmet. Dieser Tage traf nun von Sr. Kgl. Hoh. telegraphisch ein huldvoller Dank an den Verfasser ein. Bruchsal. Die Antisemiten rücken immer näher; nachdem ein Herr Welker aus Stuttgart, ein enragirter Antisemit vor wenigen Tagen einen Vortrag in Brett en gehalten hatte, versuchte er es auch in hies. Stadt. Ein eigenartiger Anblick war es, sowohl dessen Gesinnungsgenossen als auch viele Israeliten in aufgeregter Stimmung und fast durchweg mit handfesten Stöcken bewaffnet, zum Versammlungslokal ziehen zu sehen. Die Sache sollte jedoch anders kommen. Schon am Eingang des Saales wurden die Ankommenden durch ein Plakat überrascht, des Inhalts, daß der Redner wegen Heiserkeit nicht kommen könne und deßhalb auch eine öffentliche Versammlung nicht stattfinde, sondern eine geschlossene Zusammenkunft der deutsch-sozialen und antisemitischen Partei. Die Israeliten und andere Parteianhänger ließen sich nicht abhalten, doch vorzudringen. Die Sitzung konnte jedoch nicht stattfinden, da die Wirthin in Abwesenheit ihres Mannes erklärte, daß sie den Saal wohl zu einer öffentlichen Versammlung, nicht aber zu einer geheimen hergab und für das, was in einer solchen vorgehe, keine Verantwortung übernehme. So blieb den Herren nichts übrig, als unverrichteter Sache wieder abzuziehen. Die Stimmung der hiesigen Bürgerschaft wird sie hoffentlich darüber belehrt haben, daß hier kein Boden für derartige Bestrebungen sei. München. Nun hat auch unsere bayerische Kammer ihre Antisemitendebatte gehabt. Wenn dieselbe auch keine großen Dimensionen annahm, so ist doch der furor teutonicus bajuwarischen Gepräges auch einmal in die Lage gekommen, von sich reden zu machen. Zur Ehrenrettung unseres Abgeordneten Stöcker fei vorweg gesagt, daß nicht er den Drang in sich fühlte, seinem ehrwürdigen Namensvetter in Berlin nachzueifern, sondern es war dem Vertreter des Wahlkreises Weißenbnrg, Herrn Friedrich Beckh, Lieutenant a. D. und Gutsbesitzer, Vorbehalten, die bis dahin im bayerischen Landtage unbekannt gebliebene konfessionelle Hetze inaugurirt M haben. Anlaß hierzu bot bei Berathung des L?chuletats der Umstand, daß an der Nürnberger Simultanschule einzelne jüdische Lehrer auch christliche Kinder unterrichten sollen, was in den Augen des Herrn Lieutenant a. D. die Simultanschule bereits auf die schiefe Ebene gebracht habe, auf der nicht mehr Halt zu machen sei. Wenn er nun weiter sagte, daß die Juden nicht unter den Christen, sondern auf ihnen leben, daß sie ferner nicht zur dienenden Klasse, sondern

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