Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-03-21 · Heft 23 (21.3.1892) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 23 (21.3.1892)
Date
1892-03-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448242--33871-2481783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

447 ms s$>i sin os, Ich, Gott, bin es, Ich, und nichts anderes. Dieses spricht auch das hier wiederholt wiederkehrende göttliche Attribut aus: Nin ina *npn lostyai nraaa, der Heilige, gesegnet sei Er, in Seiner Ehre und in Seinem Wesen. Das eigentliche Wesen Gottes ist: Liebe, unerschöpfliche, unbegrenzte Liebe. Wo diese Liebe, wo der Name Gottes verkannt und so Gott genöthigt wird, Seine Ehre zu vertreten und zu retten, gegen Verkennung und Willkür, da ist es 'n tod, die Ehre Gottes, die sich zürnend, richtend, strafend Anerkennung verschafft. Wo Gott, wie in der Niederwerfung der Egypter, strafend und in der Befreiung seines Volkes in fürsorgender Liebe erscheint, manifestirt sich Gott iDsjni noaa in seiner Ehre und in seinem eigentlichen Wesen. Auf der einen Seite erscheint hier Gott als der hohe, unnahbare, unantastbare Heilige, der Tod und Schrecken verbreitet und auf der anderen Seite als der Urborn aller Liebe und alles Segens, alles Daseins und aller Hoffnung, oder mit einem Worte als «mpn auf der einen, als sin yra auf der anderen Seite, «mp entspricht dem Begriff niaa ('naaa «npa), während die Signatur von nosy in prägnanter Kürze sin im ist. Das haben wir erfahren in der Erlösungsstunde aus der egypttschen Knechtschaft, und diese Erfahrung hat sich seit Jahrtausenden uns in zahlreichen Variationen in unserem Gesammt- und Einzelleben so eindringlich wiederholt, daß eine Verkennung und Leugnung dieser Wahrheit, einer Verkennung und Leugnung der ganzen jüdischen Geschichte bis auf den heutigen Tag gletchkommen würde. — Wären es blind wirkende Naturkräfte, wäre es menschliche Begeisterung und Einsicht gewesen, unser Peßach und seine Geschichte würden das Schicksal aller ähnlichen geschichtlichen Vorgänge theilen. Daß wir aber nach Jahrtausenden auf weitem Erdenrund noch heute wie ehedem uns in den Sedernächten zusammenfinden, um das Gedächtniß des Auszugs aus Mizrajim zu feiern, das allein bürgt uns für die Wahrheit: on»öB ,mi lis'avi, Gott hat uns aus Egypten geführt, *n us ms sin, Ich, Gott, Ich bin es und kein anderer. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Berlin, 9. Adar. In den ehrwürdigen Räumen des Beth-Hamidrasch versammelten sich heute die gelehrten Häupter unseres gesetzestreuen Judenthums, die Vorstände der frommen Gemeinden und Vereine, sowie eine Anzahl gottesfürchtiger Gemeindegenossen, um die Feier des ms 't in alt herkömmlicher Weise zu begehen. — An solchen Tagen lebt der alte Geist, der vor 146 Jahren in diese heiligen Hallen eingezogen, wieder auf. Die Männer, die sich gedrungen fühlen den Todestag unseres unsterblichen Meisters nach frommer Sitte der Väter zu feiern, weht derselbe Gottesodem an. wie jene, welche im Jahre der Gründung (1743) dem Stndium der Gotteslehre hier eine Stätte errichteten. Es ist dasselbe Streben die göttliche Stimme, die aus der Thora zu uns redet, in ihrer Reinheit und Vollkraft ertönen zu lassen. Draußen wallt und wogt eine fröhliche Menge, um sich in der frischen Gottesnatur zu ergehen; unsere Brüder und Schwestern stellen ihr angemessenes Contingent zu dem lustigen Volk, das in der Fröhlichkeit allein den Ersatz für alle Mühseligkeiten des Lebens erblickt. Wo in aller Welt soll da noch Zeit für eine Gedenkfeier bleiben? Die Prachtsynagogen sind fest verschlossen, der unsterbliche Geist unseres großen Mose hielt da nicht seine Einkehr, wozu sollte da sein Tod, sein Scheiden vonIdieser Welt feierlich begangen werden?- -Mose, der Gottesmann, war ein glühender Palästinaschwärmer. „O Herr. 0 Gott, laß' mich doch hinüberziehen und erschauen dieses köstliche Land, den Berg, den Du zu Deinem Thronsitz erkoren, den Libanon!" betet er, als er auf den letzten Stufen seiner glorreichen Laufbahn steht. Seine Nachkommen lassen seine Worte in goldenen Lettern an den Pforten ihrer Gotteshäuser prangen, lesen sie gewissenhaft Satz für Satz dem andächtigen Volke vor, hören auch mit Vergnügen die Deutung und Erläuterung dieser kostbaren Gedankenschätze, kehren sich aber nicht nach dem heiligen Willen, den Gott der Allmächtige in dem Buch der Bücker niedergelegr. — Wenn unser Meister von seinem Todesschlaf erstehen, diese Prachttempel aufsuchen und darin für Aufrichtung des Landes seiner Sehnsucht beten wollte, der strenge Befehl seiner Kinder würde ihm dieses Beginnen nachdrücklichst untersagen. Aus den Gebetbüchern ist jedes Anklingen an die Erstehung des Gottestempels, die Zions alte Herrlichkeit verbannt, der Gedanke, dem Mose sein thatenreiches Leben weihte, erstorben; eine Gedenkfeier, welche Leben und Denken des Prophetenvaters wachrufen soll, wäre ein Widerspruch mit dem modernen Geist, der in die goldstrotzenden Tempel eingekehrt. Darum flüchten die treuen Söhne des am Nebo schlummernden Helden in die bescheidenen Räume des Beth-Hamidrasch. Da trat heute ein in jugendlicher Frische wirkender Greis vor die heilige Lade, dessen Leben und Lehren in Einklang geblieben mit dem Seher, der Gottesherrlichkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.