Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1892)
- Date
- 1892-03-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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446 Führung erschien ihnen nur als Plan ihres Führers, bis sie am Meere die Wundergröße Gottes auch nach ihrem Verlassen Egyptens gewahrten, und dann nicht nur Gott, sondern auch seinem Diener Moscheh vertrauten. 112p rwaai 'na wann. Als aber diese und die täglich in der Wüste sie begleitenden Wunder, die Frische des nachhaltigen ersten Eindrucks eingebüßt hatten, richtete sich bei allen Mißlichkeiten und Widerwärtigkeiten der vierzigjährigen Wanderung ihr Unmuth immer wieder gegen Moscheh, weil er sie aus Egypten geführt habe, und deßhalb auch die wiederholte Mahnung pND Q3DN »OMSPn 1BW 'n 'T ’JN, daß es eben Gottes Plan und Absicht war, die Befreiung von dem Sclavenloos durch den Auszug aus dem Land, in dem die Sklaverei zu Hause war — vnax rva — zu einer vollständigen zu machen. Wenn daher der Enkel die Erstlingsfrüchte, die ihm sein ihm von Gott verheißener und nun gewährter Boden gezeitigt, vor Gottes Antlitz huldigend niederlegte, so hatte er diese Anschauung längst überwunden und gab dem mit den Worten Ausdruck: 'n uiwi. Gott hat uns aus Egypten geführt! Aber auch heute noch, nach tausenden von Jahren, giebt es in unserer Mitte, unter den Nachkommen der aus Egypten Erlösten eine große Zahl, welche dieses unmittelbare Eingreifen Gottes in die Geschicke seines auserwählten Volkes nicht in seiner ganzen Tiefe zu erfassen vermag. — Wenn auch kein Denkender, historisch Gebildeter die Thatsache von Jeziath Mizrajim in Abrede stellen möchte, so ist doch das Bewußtsein von Gottes wundermächtigem Walten, wie es sich hier so offenbar bekundete, vielfach getrübt. Allerdings erkennt man den ganzen Vorgang als von Gott ausgehend an, aber nur insofern, als alles in der Welt mittelbar Gott sein Dasein verdankt. Dieser Anschauung sind die zehn von Gott gesandten Plagen Naturerscheinungen von vielleicht mehr als gewöhnlicher Intensität. Sie denken bei der Plage vom Blut an den sogenannten Blutregen, bei Fröschen, Ungeziefer u. s. w. an Landplagen, wie sie auch sonst Vorkommen, bei dem Spalten des Meeres an Ebbe und Fluth, die durch einen starken Sturmwind vielleicht größere Dimensionen angenommen hat, und glauben mit diesen gedankenlosen Verflachungen noch etwas ganz Superkluges geleistet, keinesfalls aber sich von einer rationellen Auffassunng der biblischen Darstellung entfernt zu haben. Sie berufen sich dabet noch auf das Psalmworrt nany tsmV bw vrpwa ninn vdn^d, wonach die Stürme als Engel und die lodernden Feuerflammen als die Diener Gottes bezeichnet werden. Die Erklärung des geschichtlichen Vorgangs an und für sich macht ihnen ebenso wenig Schwierigkeit. Es ist dies ja eine oft in der Menschengeschichte wiederkehrende Erscheinung, daß die Gluth der Begeisterung plötzlich ein geknechtetes Volk ergriff und die Ketten brach, die es Jahrhunderte widerwillig getragen. Und wenn auch dieser Ausweg durch die biblischen Urkunden verlegt wird, weil es doch eigenartige Freiheitsstürmer wären, die beim bloßen Anblick von Krieg wieder Gefahr laufen nach Egypten in die alte Tyrrannet zurückzukehren, so ist doch Moses wenigstens der bahnbrechende Volksbefreier, der vor Königen und Völkern das gekränkte Recht seines Volkes vertritt und sich so als Vertreter des göttlichen Rechts, als Gottesbote manifestirt. Allen diesen Versuchen gegenüber, die das wunderbarste Ereigniß der gesammten Menschengeschichte zu einer natürlichen, alltäglichen, selbstverständlichen Erscheinung Herabdrücken möchten, lehrt die Thora: Gott führte uns aus Mizrajim und kein in der Form von Naturerscheinung auftretender Engel, ^v, hatte die Hand im Spiele; keine begeisterte Gluth, pp, war die Triebfeder des ganzen Vorgangs, und kein Bote, rvbv, war da, der Gottes Sache in dem Sinne vertreten hätte, wie es die rationellen Bibelausleger in unserer Urkunde hineindeuten. Am wenigsten war der Mann Moses, der Zungenschwere, zaghafte, sieben Tage lang sich gegen seine Mission sträubende Bescheidene aus dem Stoff, aus dem sonst Welteroberer und Volksbeglücker zu sein pflegen. Der Heilige, gesegnet sei Er, war es, der mit Seiner Ehre und Seinem ganzen Wesen für uns eintrat, als wir ersterbend im Blute lagen, als Niemand mehr an die Möglichkeit glaubte, daß wir uns aus dem hundertfältig über uns verhängten Tod wieder zum Leben erheben könnten. Als in jener Nacht die mächtig Hohen verzweifelt aus ihren Häusern stürzten und sich dem Untergang preisgegeben glaubten^ als die ohnmächtig Niedrigen, getragen von Gottes Allmacht, in die Freiheit zogen, damals wußten es die Niedergeworfenen und die Emporgehobenen, daß es Gott war, der in den Kreis der Menschheit getreten war, der rächend und liebend den mißachteten Menschenrechten die Jahrhunderte lang versagte Anerkennung wieder sicherte. Die vom Gottesfinger dahingestreckten Leichen der Erstgeborenen ließen den Gedanken nicht aufkommen, daß menschliche Gluth und Begeisterung das Wunder vollbracht habe, die Ohnmacht des machtstolzen Volkes und der Mißcredit seiner Götter, der sich in jedem Klageruf der Gewaltigen und in dem Siegesjubel der Unterjochten bekundete, jeder Schritt, jeder Zug rief durch alle Zeiten die Wahrheit hinaus, 'n ’jx