Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-03-10 · Heft 20 (10.3.1892) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 20 (10.3.1892)
Date
1892-03-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448239--33802-2481712
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

382 evangel. Gemeinde, es sich nicht nehmen lassen, dem Dahingcschiedenen das letzte Ehrengeleit zu geben. Am Grabe ergriff zunächst der Herr Oberrabbtner Dr. Horowitz aus Erefeld das Wort und schilderte in tiefergreifender Rede die Verdienste des Verstorbenen als Gatte, Vater, Mensch und Vorsteher. Tief gerührt, wenn nicht auf's Tiefste erschüttert , war die ganze Trauerversammlung von den trefflichen Worten, die von Herzen kamen und zu Herzen gingen. Hierauf schilderte der Lehrer der hiesigen Gemeinde, Herr B e r l i n g e r, ebenfalls in klarer, würdiger Weise das Leben und Wirken des Verstorbenen, anknüpfend an den Spruch «san np-ra -jt-q mey. Auch diese wohldurchdachte und recht beifällig aufgenommene Rede erhöhte die Trauer der Anwesenden. Möge der Dahingeschiedeue im besseren Jenseits die Früchte für die hier ausgestreute Saat ernten und möge der himmlische Vater den Hinterbliebenen den benöthigten Trost schicken. rrasan Ofthoffen im Elsaß. Am “oyn 132^ d"d ist hier ein Mann zur letzten Ruhestätte getragen worden, der durch seine echtjüdischen Tugenden wohl verdient, daß ihm ein Nachruf in'Jhrem geschätzten Blatte gewidmet werde. RabbiSchmuel Löb Dreyfuß y"j war nicht blos eine Zierde seiner Gemeinde, deren Dr® er über 50 Jahre war, sondern verstand es durch ein Lebenswandel von seltener Menschenliebe und Treue das unbegrenzte Vertrauen des ganzen Umkreises zu erwerben. Dreyfuß ywj war der Berather aller Verlassenen und der Beglücker aller Armen der ganzen Gegend ohne Unterschied des Glaubens. Diesem edlen Sinn für Wohlthaten und Liebeswerke blieb er auch im Tode treu; denn das -ivyn seines sehr beträchtlichen Vermögens bestimmte er für folgende Wohlthätigkeitsanstalten: Dem Mädchenwaisenhaus (orpkelina), dem israelitischen Krankenhaus (rnaison saute), der jüdischen Handwerkerschule (ecole de travail) in Straßburg, der Alliance Jsraelite in Paris den Ortsarmen Ofthoffens ohne Unterschied der Confession. Von seinem Vater für das Studium der ruempn min bestimmt, saß er, bis zu seinem Eintritt in das Geschäft seines Vaters, zu Füßen des berühmten Leiters der Straßburger nyw Rabbi Moscheh Hutten er sich mit Eifer und Liebe dem rnin-Studium widmend, und verlieh ihm der genannte Rabbi auch bei seinem Fortgang den ->2ii.n-Diplom. In Osthoffen war er nicht nur Vorsitzender der Synagogenverwaltung, sondern thatsächlich die Seele des ganzen Gemeindewesens. Was Osthoffen besitzt verdankt sie nur ihm. Die Synagoge ist auf seinem Grund und Boden erbaut; die mpo ist sein Werk; das Haus für D»mw mssn ist eine Spende von ihm; auf sein Verwenden bei der Regierung, ist die bestandene jüdische Privatschulc in eine Communalschule verwandelt worden. Alle Gemeinde-Institutionen sind musterhaft, wie sie nicht schöner und besser größere Gemeinden besitzen. *6, pam by £an ironvD. An seiner Bahre sprachen der Quatzenheimer Rabbiner Dr. S t a r i p 0 l s k y zu dessen Bezirk Osthoffen gehört, und Herr Levy, Rabbiner von Weißenburg und der Lehrer L ev y aus Osthoffen. n"3i«n Feuilleton. Per Günstling des Hzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehman«, vr. phil. (24. Fortsetzung.) Während sich dies im oberen Stockwerke begab, ließ der Hausverwalter in seiner Wohnung ein Füßchen Branntwein für die Soldaten anftechen und die Stützen der Regierung thaten sich gütlich an demselben. Kurz nachher fuhr Fürst Michail am Hause vor und stieg mit Alexei und dem Reitknecht zu dem Zimmer Rosa's empor. Leise sprach der Pflegevater zum Schlüsselloch hinein: „kum, le'ich im hoisch hase. al tapel dowor mikol ascher kosavti well schadai jitön l’cho rachamim!“ Ein junger Reitknecht in der Livrö des Hauses Gutesow gekleidet, ein hübscher Bursche mit kurzgeschnittenem Haar, öffnete ihnen von innen die Thür. Freudig leuchtete es auf in den Blicken Alexei's, seine Pflegetochter hatte seine Anordnungen richtig verstanden. Fürst Michail und sein Reitknecht verließen das Haus, während der andere Reitknecht sich in das Zimmer des Mädchens zurückzog und die Thüre desselben verschloß; etwas später gelangte auch er unbehindert in's Freie. Als Fürst Gutesow davonfuhr, ergriff nicht, wie früher, der Groom die Zügel der Pferde, sondern der andere Diener bemächtigte sich derselben; er mußte geschickt fahren, denn alle Straßen waren angefüllt mit Menschen, eine Unmenge von Gesindel trieb sich allenthalben lachend, schreiend und wild auf die Juden schimpfend umher, während an den Straßenecken verwahrlost aussehende Männer stürmische Reden an das Volk hielten, dasselbe aufmunternd, sich auf die Häuser der Juden zu werfen. Einigemal hörte Michail den Namen Alexei Chaimowitsch Horwitz aus der Menge heraus, tiefe Trauer beschlich sein Gemüth, denn nun war es zweifellos, daß die Nacht, die sich soeben hernieder-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.