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Der Israelit · 1892-03-10 · Heft 20 (10.3.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 20 (10.3.1892)
Date
1892-03-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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379 gewinnt mit jedem Tage mehr Boden. Es wackelt wieder eine beträchtliche Zahl Repräsentanten-Seffel. Es ist daher höchste Zeit, dem bankerotten Reformjudenthum wenigstens durch einen Leitartikel unter die Arme zu greifen und den bösen Orthodoxen eins anzuhängen. Sie haben mit dem strenggläubigen Judenthum nichts gemein! Und wenn sie ja etwas mit ihm gemein hätten, und wenn sie wirklich strenggläubige Juden wären, dann dürften sie auf eine paritätische Behandlung seitens der gegenwärtigen Gemeindepotentaten rechnen? Dann erst recht nicht! Sie wollen das Alte nur in Synagoge und Schule streng aufrecht erhalten wissen? Und das will ihnen ein Panegyriker jener Modereligion zum Vorwurf machen, deren Alpha und Omega Tempel und Beamten sind? Die Orthodoxie will das von der Reform usurpirte Terrain zurückgewinnen, daher gilt der Kampf vorzugsweise dem Gebiet, das die Reform mit Beschlag gelegt hat. Die religiösen Gebote im Leben konnten die Fangarme der Reform nicht erreichen, sie stehen dehhalb in erster Reihe nicht zur Discussion. — „Darum ist es durchaus nicht überflüssig, gelegentlich wieder einmal daran zu erinnern, daß die Idee der Reform durchaus nicht todt, durchaus nicht aus der Welt geschafft, durchaus nicht aufgegeben ist." — Durchaus nicht? Wirklich? Und die große, böse Welt glaubt so sicher, die Reform lebe nicht mehr, sie sei aus der Welt geschafft, sie sei aufgegeben, daß das Gegentheil so eindringlich bescheinigt werden muß? Todesschetne stellt man wohl aus, aber Lebensscheine? — „Die Reform im Judentbum ist eine geschichtliche Bewegung von großer Bedeutung, deren Tragweite erst ein künftiger, objectiver Historiker wird abmeffen können. Aus ihr ist die Wissenschaft des Judenthums, aus ihr ist die Erkenntniß und Anerkennung seines ethischen Ideengehalts hervorgegangen." — Bis dieser künftige Historiker gefunden sein wird, wollen wir uns an einen bereits existirenden halten und zwar an einen, dem unser unparteiisches Organ erst vor wenigen Monaten Lorbeeren um's Haupt wand, der selbst auf dem Boden des Reformjudenthums steht, und der also hier als klassischer Zeuge wohl kaum beanstandet wird. Es ist Gr ätz, der sich im XI. Bande seiner Geschichte der Juden über die Verkünder und die officielle Vertreter der Reform in folgender Weise äußert: „Sie hat tief eingreifende Jrrthümer verbreitet, indem sie das Judenthum zu einer Theologie, d. h. zu einer Kirchen- und Dogmenreligion gemacht und dessen Vertreter, die Rabbiner und Träger der Lehre, zu Geistlichen und Pfarrern gestempelt hat. Dadurch hat diese Richtung das Judenthum eingeengt, und das, was Jahrtausende überragte, in den Kreis der Erscheinungen von gestern herabgezogen. In großer Hast hat sie die kaum kalt gewordene Gedankenarbeit sofort ins Leben einführen, oder, wie die Formel lautete, die „Lehre mit dem Leben ausgleichen" wollen, die Lehre, die noch nicht begriffen war, dem Leben, d. h. den Anforderungen der Bequemlichkeit, der bürgerlichen Gleichstellung zum Opfer zu bringen. Die Wissenschaft war ihr nichtSelbftzweck, sondern Mittel, um das Judenthum von dem Inhalte zu entleeren, der seineEigenart ausmacht und es zu etwas Nagelneuem umzuformen. Sie hat der Willkür den Schein der Nothwendigkeit und der wissenschaftlichen Berechtigung verleihen wollen-—" Zum Schluß kommt die Moral von der Geschichte. Das Antisemiten-Gespenst wird vorgeführt und „da wäre es verderblich und gefährlich, im Innern religiöse Kämpfe hervorzurufen; da heißt es, wie gesagt, vor Allem einig zu bleiben, um stark zu sein." Das heißt: Das Reformjudenthum ist zur Zeit ein zahnloser Löwe, der bei jedem Kampf nur zu verlieren hat, und der deßhalb so lange Frieden predigt, bis er, wie er hofft, wieder erstarkt ist. Aber bekanntlich bekommen alte Löwen keine neuen Zähne mehr. Die Orthodoxen verlangten und verlangen nichts als gleiches Recht, gleiches Licht und gleichen Schatten für Alle. — Ist die Friedensliebe im anderen Lager so heiß, wie sie zu jeglicher Stunde schwören, so brauchen sie diesem berechtigten Verlangen nur Rechnung zu tragen, hx-wr bv 'brn. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 8. März. Unter Berufung auf $ 11 des Reichs-Preßgesetzes werden wir um Aufnahme nachstehender „Berichtigung" ersucht: In der Nummer vom 4. Februar d. I. der Zeitschrift „Der Israelit" befindet sich ein Korrespondenz-Artikel aus Dessau, der mir erst heute zu Gesicht gekommen ist und in welchem von dem von mir redigirten und verlegten „Bern bürg er Wochenblatt" in einer Weise die Rede ist, die mich zu einer Richtigstellung zwingt. Es wird in der betreffenden Correspondenz theils direct, theils durch Zitirung des „Anh. Tageblattes" behauptet, das „Bernd. Wochenblatt" sei „für Stöcker eingetreten", habe den „Antisemitismus desselben in Abrede gestellt", resp. ersteren

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