Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-03-07 · Heft 19 (7.3.1892) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 19 (7.3.1892)
Date
1892-03-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448238--33787-2481696
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

868 „Gewiß ist cs so," dachte er wieder, „denn wenn ein Jude diesen heiligen Raum betritt, so hat der Satan das Recht, ihn von hinnen in die Hölle zu verbringen." Der Soldat wollte umkehren, doch bald verwirrte er sich in dem endlosen Gewühl der Gänge und nach stundenlangem Umherirren sank er jammernd zu Boden, wo ihn später ein Mönch fand und den vollständig Erschöpften der milden Verpflegung des Klosters übergab. Michail und sein Begleiter aber waren, von dem Soldaten unbemerkt, in einen seitwärts gelegenen, noch tieferen Grabraum hinabgestiegen und sahen sich endlich allein. In fliegender Haft theilte Gutesow seinen Plan bezüglich der Rettung Rosa's mit und Alexei hieß denselben in allen seinen Theilen gut. „So ist denn," fuhr der Fürst fort, „für Eure Pflegetochter gesorgt, was aber geschieht mit Euch?" „Das steht in Gottes Hand", entgegneteAlexei. „Ich bitte Euch, bleibt hier im Kloster. Kein Mensch wird Euch hier suchen, ich bringe Euch täglich Nahrung und Ihr babt hier den sichersten Zufluchtsort, den Ihr zu finden vermögt." „Die Gefahr wird nicht so schlimm sein," entgegnete Alcxei, „ich lasse überall in meinem Hause einen reichlichen Vorrath von Branntwein aufstellen, und wenn diesen die Bauern sehen, so trinken sie so lange, bis sie bewußtlos zusammenfallen." „Unterschätzt die Gefahr nicht, die Leute sind hierhergeschickt, um zu plündern und zu morden." „Andere mögen gewaltthätig werden, wenn sie betrunken sind, der Russe aber wird überaus zärtlich und liebevoll. Haben wir uns während des ersten Vorstoßes verborgen gehalten, so ist jede Gefahr abaewendet." „Ich bitte Euch von Herze«, bleibt hier", drängte der Fürst. „Und mein Weib, meine geliebte, gute Tanas V" „Auch sie will ich hierherbringen." „Unmöglich! Sie ist brustleidend, sie würde sterben in dieser erdrückenden Luft und in dieser grauenerregenden Umgebung. Für Rosa seid Ihr so gütig zu sorgen, sie ist die Einzige, deren Leben und Freiheit thatsächlich gefährdet ist. Uns wird Gott beschützen, glaubt mir nur, man braucht nicht das Schlimmste zu befürchten." Zögernd blieb Gutesow stehen; es wollte ihm noch nicht in den Sinn, daß die Eltern seines Freundes sich der Rohheit betrunkener Bauern preisgäben, doch Alexei drängte zum Fortgehen. „Laßt uns zur Oberwelt zurückkehren", sagte er dringend und den Fürsten beim Arme ergreifend. „Ich werde ohnmächtig, wenn ich noch eine Viertelstunde hier verweilen muß, wie könnte es mein armes, krankes Weib hier aushalten?" Ungern folgte ihm der Fürst, mit schnellen Schritten entfernten sie sich ans der Stadt der Leichen, kehrten in ihren Wagen zurück und fuhren, diesesmal ohne Begleiter, bis in die Mitte der Stadt. Hier verließ Alcxei das Gefährt des Fürsten, bestieg eine Droschke und fuhr nach Hause, während Michail noch eine kleine Spazierfahrt unternahm. Zn Hause angekommen, fand Alexei unter einem Sessel ein wohlverpacktes Bündel, das, nach dem Anfnhlen zu urtheilen, Kleidungsstücke enthalten mochte. Rosa trug dasselbe auf Wunsch des Vaters nach dem Zimmer, ohne nach der llrsache dieses Wunsches zu fragen. Da sie ohne Begleitung ihr Schlafgemach betrat, so wurde sie von den Soldaten nicht weiter behelligt und es gelang ihr, die Thüre zu verschließen und die Fenster zu verhängen. Ein Zettel, den ihr Alexei zugesteckt hatte, verrieth ihr Alles. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und xMtcncidj 12 Reichs-Merk, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganz^ jährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel jtt beziehen bei E. F. Kleinacker, Leipzig, Dvhplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Öesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Jnyatt <HauPtblatt> : Leltenver Arnket: Zur Würdigung des Schulchan Ärnch. Bon Bezirks-Rabbiner Or. Ehr mann in Baden (Schweiz) (Schluß). — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Aus Mittelfranken. Ahciveiler. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Aus Ungarn. — Schweiz: Zürich. — England: Portsea. — Rußland: Petersburg. — Palästina: Jerusalem. — Asien: Khiwa. — Afrika. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling des Ezaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phil. (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Bedika r»nd Fleischschau von Jakob Bähr, Eultusbeamter in Reichenbach in Schlesien. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. Heilbronn. — Schweiz: Zürich. — Vermischtes. Verantwortliche Redaktion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.