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Der Israelit · 1892-03-07 · Heft 19 (7.3.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 19 (7.3.1892)
Date
1892-03-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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366 über Land nach Suez zu schicke«. Uebcr das Schicksal des fortgejagten Rosnowitsch gibt Frtedmann in einem Briese vom 16. Januar folgenden Aufschluß : „Ich fand in Scherm-el-Moyeh Alles wohl und in guteni Zustande, doch waren die Leute enttäuscht, daß ich keine Verstärkung mitbrachte. Auch hörten sie jetzt von mir, daß ihr früherer Kamerad Rosnowitsch, nachdem er sieben Tage sich zwischen Scherm-el-Moheh und Tor hcrumgetricben, nach einem großen Regen von den siniatischen Mönchen gefunden worden, sterbend — wohl an Lungenentzündung. Er liegt halbwegs zwischen Scherm-el-Mopeh und Tor begraben. Wenn nun auch dadurch jeder Verdacht, wir hätten den Mann erschlagen, schwinden mußte, so waren sie doch sehr niedergeschlagen. Sie hatten gehofft, Rosnowitsch werde — wie er es auch gekonnt hätte — Tor erreichen und von dort nach Suez gebracht werden. Auch von Midian kamen schlimme Nachrichten; die Türken, hieß es, wären dort gelandet und hätten sich der Hauptorte bemächtigt." Mit dem Erscheinen der türkischen Truppen war auch das Schicksal der Friedmann'schen Expedition besiegelt. Er gab sich zwar noch immer sanguinischen Hoffnungen hin und fuhr selbst mit mehreren Beduinen-Scheikhs nach Dubba, wo sich die türkischen Truppen befanden. Er berichtet hierüber : „Ich landete mit ihnen in voller Phantasie- Uniform, einen goldenen Gürtel mit dem Revolver an; so gingen wir die Türken besichtigen, die das Gewehr vor uns präsentirten. Es waren jämmerliche Kerle, meine drei Juden fühlten sich solchen Leuten gegenüber wie Riesen. Das waren keine Soldaten, vor denen brauchten sie sich nicht zu fürchten." Friedmann bemühte sich vergebens, die Entfernung der Türken durchzusetzen und beschloß endlich, seine Leute ziehen zu lassen. Er hatte gehofft, daß die Vertreibung der Türken ihm „großes Ansehen im Lande geben" und daß er als „Retter des Vaterlandes" angesehen werde. Friedmann gibt den Juden die Schuld, daß seine Expedition gescheitert ist, trotzdem will er sein Colonisationsproject nicht aufgeben, verlangt aber nun, daß ihm die Juden in Europa die Mittel dazu geben. Er schreibt: „Es wäre die größte Schande für die Juden, wenn mein Unternehmen so zu Grunde ginge," und verlangt, daß man jährlich 5- bis 6000 Pfd. St. für ihn aufbringe, damit er die Inden-Kolonie doch ins Werk setzen könne, und zwar, wie er sagt „zur Ehrenrettung der Juden". Im andern Falle will er die Sache definitiv aufgeben. Zunächst wollte er mit dem früheren preußischen Lieutenant v. Seebach, einem preußischen und österreichischen Unteroffizier, dem Wiener Arzte Dr. Landsmann, dem Chemiker Fürst, einem deutschen Maurer, einem Dalmatiner und etwa 25 Schwarzen eine Expedition nach Arabien unternehmen.— Wie wir erfahren, hat ein Frankfurter Bankier die Gelder des Herrn Friedmann verwaltet und ihm auch die Beträge für seine abenteuerliche Expedition zugeschickt. Vermischtes. Aus Oberhessen, 12. Februar. Im Laufe dieser Woche fanden in Griedel, Ostheim und Fauerbach öffentliche Versammlungen statt, in denen der Schriftsteller W. F. Rnnze ans Gotha über „Verwerflichkeit und Gefahr des Antisemitismus" redete. Die Versammlungen nahmen, trotzdem seitens der zahlreich anwesenden Antisemiten der Versuch gemacht wurde, den Redner zu stören, einen guten Verlauf. Auch für Freitag war demselben Redner der Rathshaussaal in Hochweisel durch den antisemitischen Bürgermeister zugesagt worden; nachdem derselbe aber mit seinem antisemitischen Anhang in Fauerbach der Versammlung mit angewohnt hatte, zog er es vor, seine Zusage zurückzu - nehmen. Dr. Böckel war telegraphisch gerufen worden, aber nicht erschienen. Berlin. Herr Michael Bermanski in Berlin, feierte am 15. Februar die goldene Hochzeit. Herr B. hat viele hebräische Werke ins Polnische übertragen. Mühlhausen, i. Elsaß. Dank der Freigebigkeit der Mitglieder des isr. Krankenhauses und der der Stadt Mühlhausen, welche fortsährt, die Anstalt mit 1600 Mark jährlich zu unterstützen, und für nächstes Jahr 2000 Mark bewilligt hat, beherbergt sie gegenwärtig 26 Zöglinge, und zwar 9 Männer und 17 Frauen. Deren Durchschittsalter ist 72 Jahre. Es starben im Laufe des Jahres 4 Zöglinge, 1 Mann und 3 Frauen. Die Gesammtzahl der Verpflegungstage für Kranke, Gebrechliche und Bedienungspersonal der Anstalt beträgt: 4055 für Männer, 8047 für Frauen. Die Ausgaben beliefen sich auf Mark 20,434.32, die Einnahmen auf Mark 20,630.75. Nikolsburg. Nach kaum viertägigem Krankenlager verschied hier ein sehr frommes u. achtbares Gemeindemitglied, Herr Michael Kohn im Alter von 87 Jahren. Auf dem Begräbnißplatz sprachen Rabbinatsassessor Josef Knopfmacher, Dr. Feichtwang und Dr. M. Kohn. Vor mehreren Jahren zog er sich vom geschäftlichen Leben zurück, und widmete sich ganz der rnny und "ion stand täglich um 4 Uhr morgens auf, ging in das np:Dn rra, die übrige Zeit hindurch besuchte er Kranke, Wittwen und Waisen, wo er seine npns vertheilte. Es trauern um ihn Juden und Christen; besonders in px wird sein Abgang unter den Armen stark vermißt werden. Acht Tage später starb Herr M. Biach, 72 Jahre alt. Derselbe lebte stets als Geschäftsmann in einem Dorfe, wo er fast der einzige Jude war, kam nur auf die C’aiü C'D’ und nrN-von Q’D’ nach Nikolsburg. Er war ein frommer, redlicher und charaktervoller Mann, hielt sehr strenge an den rituellen Satzungen, nnd mit Recht hob sein Sohn, Herr Dr. Biach, Rabbiner in Brüx, mit Anspielung auf seinen hebr. Namen in seiner tiefempfundenen Trauerrede hervor, daß derselbe beliebt war bei allen seinen Brüdern.

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