Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1892)
- Date
- 1892-03-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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364 Willige Hilfe von Außen beschränken darf; es ist ganz etwas Anderes, ans die eidgenössischen Räthe in Bern, als auf das gehetzte Volk einen Einfluß auszuüben; und cs dürfte an der Zeit sein, durch Wort und Schrift aufklärend unter den Massen zu wirken. Ein größerer Gegensatz als „freie, demokratische Republik" und ein Schächtverbot daselbst, läßt sich ja kaum construiren; Gedanken- und Wortfreiheit auf der einen, religiöse Zwangsmaßregel auf der andern Seite. Es hat es einmal Jemand ausgesprochen: „Die Schweizer sind frei, aber nur für sich"; wenn irgendwo, so zeigt sich die Wahrheit dieses Wortes in der Schächtfrage und — man mag die Sache ansehen von welcher Seite man will: es ist und bleibt der Antisemitismus in krassester Form. Geradeso, wie Frankreich fast stets ein Hort des Judenthums gewesen, geradeso sind auch die französischen Eantone der Schweiz in dieser Frage ans Seiten unserer Glaubensgenossen. Es ist der Antisemitismus, den Genf bekämpft! Eines der gelesenften deutsch-schweizer Blätter, die „Neue Züricher Zeitung" brachte am 11. Dez. v. I. einen ausführlichen Bericht über die Verhandlungen im Nationalrathe; ein Züricher Nationalrath war's, der am 10. Dezember v. I. sagen durfte: daß man durch Abweisung der Recurse (von Bern und Aarau) der im Volke herrschenden Stimmung gegen die Juden wenig entgegen komme" und bis heute hat kein Blatt cs ernstlich gewagt, dieses Wort als übertrieben und unwahr zu brandmarken, nntptgra D’mö -m Möge der Beschluß des Genfer Thierschutzvereines, der am tin n"ny gefaßt worden, der Anfang sein zu weiteren freudigen Botschaften, die wir zu berichten haben. England. Portsea. Im Interesse der Wahrheit und Gerechtigkeit und eingedenk des Spruches: nm mxn bi rx p 'in ersuche ich Sie höflichst, die folgende Entgegnung in Ihr gesch. von Wahrheit geleitetes Blatt aufzunehmen: In dem Hauptblatte des „Israelit" Nr. 12 vom 15. Febr. d. I. ist eine Eorrespondenz ans London, das o thodoxe Judenthnm in England resp. London in kurzen Umrissen beschreibend. Dieser Bericht mag mit dem orthod. Judenthum es wohl meinen, entspricht aber nicht durchaus dem wahren Sachverhalt, namentlich nicht, so lveit es die Persönlichkeit des Herrn Oberrabbiners Dr. Adler betrifft. I. Bezüglich des Harmoniums in der Großen Synagoge in London muß erwähnt werden, daß Herr Dr. Adler gegen den Gebrauch desselben beinl Chanukka-Gottesdienste, als einem gewöhnlichen Gottesdienste, auftrat, wohl aber die Anwendung des Instrumentes bei der Gedächtnißfeier für den verstorbenen Herzog von Clarence gestattete, da dies schon bei früheren Anlässen stattgefunden hatte. Selbst in den Tagen des Rabbi T e w e l e Schiff i>"rn (Chief Rabbi in London) und früherer Rabbinen wurde Instrumental-- Musik in der Großen Synagoge in London bei besonderen Gottesdiensten als *;un 2C» ausgeführt, somit wurde jetzt keine Neuerung ins Leben gerufen. II. Die Meldung Ihres Correspondenten, daß die Synagogen London's am p"v leer sind, ist eine durchaus irrige. Schreiber dieser Zeilen weiß aus eigener Anschauung, daß die große, sogenannte Duke’s place- und die Bayswater-Synagoge im Westen, stets von Andächtigen gefüllt sind, und daß auch die andern Synagogen sehr wohl besucht werden. Die orthodoxesten Synagogen in Deutschland können nur von diesem Beispiele Lehre und Nutzen ziehen. — Man kann wohl behaupten, daß in keiner anderen Hauptstadt der Welt der Sabbat so streng beobachtet wird, als in London, nur sehr wenige Geschäftsplätze sind mitunter offen. Es ist erfreulich zu sehen, wie in ganzen Geschäfts-Distrikten, wo viele Juden ihre Kaufläden haben, dieselben am Sabbat geschlossen sind, — eine Erscheinung, die einem gesetzestreuen Juden sehr wohl thut. III. In dem Nabbinerseminar (Jew's College) wird der Unterricht unter der Leitung und Mitwirkung das eben so gelehrten als streng orthodoxen Herrn Dr. M. Frie bläu der ertheilt, und der Lehrer, von dem Ihr Berichterstatter spricht, lehrt unter der Ueberwachung des genannten Herrn Direktors und kann daher durchaus keinen nachtheiligen Einfluß auf die Zöglinge ausüben. (? Red.) Es kann wohl nicht geleugnet werden, daß in gewissen Kreisen im Lager Israels in London eine starke Bewegung sich kund gibt, um einige Modificationen im Rituale zu erwirken und diese oder jene Veränderung im Gottesdienste vorzunehmen, und wird von dieser Partei auf den Oberrabbiner eingestürmt, dessen Stellung unter diesen Verhältnissen eine recht schwierige ist. Doch thut Herr Dr. Adler sein Bestes, die Gemeinden dem traditionellen Judenthume treu zu erhalten. Er folgt somit in den Fußstapfen seines unvergeßlichen Vaters und weist jedes, dem yw entgegengesetztes Ansinnen entschieden zurück. Möge Gott ihm Kraft, Stärke und Sieg verleihen und sein Streben, den Frieden der Gemeinde zu erhalten und zu befestigen, mit dem besten Erfolge krönen! Wir rufen ihm ein herzliches nnn pyn btt pöKi pn nach; Das Uebrige wird Gott in Seiner Weisheit thun."