Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1892)
- Date
- 1892-03-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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351 wohl bewußt — sie suchen ihn daher niederzuschreien und niederzutoben. Sie zu belehren ist vergeblich, sie wollen nicht hören, sie wollen nicht belehrt sein. Das Resultat der gestrigen Versammlung wird dem Vorstande des genanten Vereins hoffentlich zum warnenden Exempel dienen. Es wird ihm klar geworden sein, daß es ihm leichter gelingen dürfte, einen Mohren weiß zu waschen, als einen Antisemiten zur Vernunft zu bringen. Der geschickteste Arzt ist nicht im Stande denjenigen Kranken zu heilen, der sich weigert die Medicin zu nehmen. Die Antisemiten sind zum Theil unheilbare Geisteskranke, zum großen Theil aber find sie Simulanten, die in schlauer Berechnung den wilden Mann spielen. Die Ursache ihres Angriffs ist Haß und Neid, ihre Truppe die Verleumdung, ihr Bundesgenosse die Bosheit, ihre Waffe die Lüge, und ihr Schlachtgesang der Radau, der hoffentlich bald ihr Sterbegesang sein wird. A Kattowitz, 27. Febr. Der hiesige Kreis- Physikus Sanitätsrath Dr. Färb er hat den rothen Adlerorden vierter Klaffe erhalten. — Der Amtsrichter Hamburger ist zum Amtsgerichtsrath ernannt worden. Letzteres Ereigniß berührt uns um so freudiger, als es eigentümlich berührte, daß Herr Hamburger, einer der ältesten Richter am hiesigen Amtsgerichte, bei der Wahl eines Vorsitzenden des Richterkollegii auffälligerweise stets übergangen worden zu sein schien. Laurahütte, (Kr. Kattowitz.) Herr Rabbiner Dr. Cohn, der Vorsitzende des Kattowitzer Thierschutzvereins, beabsichtigt in Kürze über „die Bestrebungen der Thierschutzvereine" einen Vortrag zu halten. (Wir begrüßen die Absicht des Herrn Rabbiners mit Freuden und möchten wünschen, daß viele Rabbinen ihre Stimme in Thierschutzvereinen vernehmen ließen. Red.) Höchberg bei Würzburg. Angesichts des Rothschreis aus dem h. Lande möchte folgenden Vorschlag zur Erschließung einer neuen Quelle der Unterstützung einem geehrten Publikum unterbreiten. — Welche Unsummen werden bei Hochzeiten für Absendung von Telegrammen verwendet, die doch sicher zur Unteestützung der Armen des heiligen Landes besser angelegt wären. Der Untezeichnete erklärt sich daher bereit, jede derartige Depesche an ihren Adressaten zu besorgen, wenn sie ihm 3—4 Tage vor der Hochzeit zugeht. Er würde in schöner Ausstattung mit der Ueberschrift: „Palästina-Telegramm" sie eingeschrieben per Post absenden, wenn ihm mindestens der Betrag von 50 Pfg. Briefmarken eingefchickt würde und werden dann die Namen in der Spendenliste dieses Blattes veröffentlicht. Es käme auch nicht daruf an, wenn eine deßfallsige Depesche einige Worte mehr als sonst enthält, und würden frommgesinnte und wohlthätige Brautpaare sich ein großes Verdienst erwerben, wenn sie ihre Freunde und Verwandten, — am besten durch eine kurze Annonce in Ihrem gesch. Bl., die Sie vielleicht unentgeltlich aufnehmen dürften. (Mit großem Vergnügen Red.), ausdrücklich darum ersuchen würden, diesen Weg zu benützen. Es braucht sonst nichts als die genaue Adresse des Adressaten und der Tag der Absendung des Telegramms angegeben sein und die gewünschte Depesche in einem Couvert unter nachstehender Adresse abgeschickt werden. P. M. H. Wechsler. Wir sind sogar der Ansicht, daß bei der Zuverlässigkeit unserer Post ein einfacher Brief genügen dürfte, die ganze Sache also nur 20 Pfg. kosten würde. Red. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Debreezi«, im Februar. Der Oberrabbiner der hiesigen autonom, orthodox. Judengemeinde, Rabbi Simon Szofer, hielt neulich in der Synagoge eine Derascha, in der er auch die Frage der Neciptrung der jüd. Confession berührte. In seinem Vortrage betonte er nun, daß er sich für die Reception schon aus dem einfachen Grunde nicht begeistern könne, weil die blos aus dem Lager der Congreßgemeinden stammenden und an der Bewegung stehenden Herren keine andere Absicht haben, als die mit sauerem Schweiße errungene Autonomie der vaterländischen orthodoxen Judenheit — unter diesem Deckmantel — zu gefährden. Gg. Aus Ungarn, 14. Februar. Unter den schweren Verlusten, welches das gesetzestreue Judenthum in letzterer Zeit erlitt, ist der des R. M D uschinky's in Budapest gewiß nicht der unbedeutendste. Zuerst bei seinem Großonkel, dem über die Grenzen unseres Landes berühmten R. Moses Schick zu Hust in das umfassende Gebiet des Talmuds eingesührt, vervollkommnete er seinen Wissenskreis auf der Hochschule zu Preßburg, wo er als der begabteste unter den 300 Schülern allgemeiner Hochachtung sich erfreute. Seit seiner Heirath lebte er in der gräuschvollen Hauptstadt zurückgezogen einzig und allein seinen talmudischen Studien und gab das auch in diesen Blättern eingehend besprochene Werk: „p’» onnö nna« ’Bn*rn" heraus. Er hinterließ auch ein ansehnliches Manuscript, welches — wie ich erfahre — von seinen Angehörigen durch den Druck veröffentlicht werden wird. Der theure Verblichene, den der Tod an dem Krankenlager feines Vaters in Paks ereilte, wurde unter allseitiger Theilnahme zur ewigen Ruhe be-