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Der Israelit · 1892-03-03 · Heft 18 (3.3.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 18 (3.3.1892)
Date
1892-03-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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348 „Geht hinaus!" herrschte der Fürst denselben an. Ohne sich zu stören, blieb der Soldat auf seinem Sitze. „Wer seid Ihr?" fragte er gelassen. „Fürst Michail Wasiljewitsch, aus dem Geschlechte der Gutesow." „Was habt Ihr für einen Beamtenrang?" Fürst Michail erröthete. „Was geht das Euch an?" entgegnete er. „Wenn Ihr keinen höheren Beamtenrang habt, als unser General, so braucht man Euch nicht zu gehorchen." Fürst Michail war zu wohl vertraut mit den Verhältnissen seines Vaterlandes, als daß er nicht eingesehen hätte, daß jeder weitere Appell an den Kriegsmann vollständig nutzlos geblieben wäre. Er begab sich mit Alexei in ein anderes Zimmer, doch auch hier fand er Soldaten vor, er ging in den Keller und auf den Speicher des Hauses, aber überallhin folgten ihm die Späher Iwans. „Kommt in meinen Wagen," flüsterte Michail Alexei zu und die Beiden bestiegen das Gefährt des Fürsten. Wer aber beschreibt den schrecken und Unwillen des jungen Mannes, als einer der Unteroffiziere auch hierhin sein Opfer begleitete. „Das ist mein Eigenthum," rief er dem Eindringling zu, „hinweg, fort von hier, oder ich lasse Euch zur Stelle verhaften!" „Versucht es nur," entgegnete der Mann ruhig, „und Ihr werdet finden, daß kein Poliziskt der ganzen Stadt Euch zu Willen ist." „So werde ich mich sofort zum Gouverneur begeben." „Es schadet nichts." „Ich werde an den Kaiser telegraphiren, der mir gewogen ist. Euer freches Benehmen werdet Ihr in Sibirien büßen." „Es schadet nichts," entgegnete der Unteroffizier ruhig. „Wohlan, ich depeschire sofort", sprach Michail, sich mühsam fassend. „Man sollte es unterlassen", entgegnete der Soldat. „Wisset Ihr nicht, wie es dem reichen, jüdischen Händler ging, der vor zwei Tagen unseren erhabenen Gebieter mit einem Telegramm belästigte, wvkin er erlogener Weise sich über Gefahr beklagte." „Der Kaiser hat das Telegramm nicht bekommen", entgegnete Michail erregt. „Ob er es bekommen hat oder nicht, so viel ist sicher, daß man den Juden für seine Frechheit auspeitschte und gefesselt zu den Zwangsarbeitern nach Kara schickte.*) Telegraphirt nur, wem Ihr wollt." Michail war rathlos; er sah ein, daß es keine Macht gäbe, jenem Aufdringling zu entgehen. Plötzlich flog ein Gedanke ihm durch den Kopf und seine düstere Stirne glättete sich. „Wohlan denn, steigt ein;" rief er und die drei setzten sich in den Wagen, wobei der Unteroffizier bescheiden den schlechtesten Platz einnahm. „Zur Lawra!" befahl Michail dem Kutscher und der Wagen sauste dahin. Die Pelscherskische Lawra ist das älteste Kloster, eine der verehrtesten Stätten im ganzen Rußland und zahllose Pilger sind fast stets dort zu finden. An dem Tage, da die drei sich dorthin begaben, war das Namensfest des Spiridon, eines Heiligen der russischen Kirche, und besonders viele Beter waren anwesend. (Fortsetzung folgt.) *) Es ist dem Russen auf's Strengste untersagt, sich in irgend einer Angelegenheit direkt an den Kaiser zu wenden. — Zu Kara befinden sich die Goldbergwerke Sibiriens, in deren Stollen die Sträflinge arbeiten müssen. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MoutagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel Jtt brfirhrn bei E. F. Ktrrnachrr, Leipzig, Doßplah 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Lesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Das Judenthum und Egidy. Betrachtung von Dr. Ludwig A. Rosenthal, Rabbiner zu Rogasen. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Hamburg. Breslau. — Schweiz: Bern. — Feuilleton: Der Günstling des Czaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. pdil. (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Zur Würdigung des Schulchan Aruch. Von Bezirks-Rabbiner vr. Ehrmann in Baden (Schweiz) (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Kattowitz. Laurahütte. Höchberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Debreczin. Aus Ungarn. — Rußland: Petersburg. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Umschau. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Deutsch-Israelitisches Kinderheim. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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