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Der Israelit · 1892-03-03 · Heft 18 (3.3.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 18 (3.3.1892)
Date
1892-03-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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346 und Gedeihen zu bringen, damit er die herrlichsten Früchte trage und seine schöne Aufgabe, die Befestigung und Ausbreitung des heiligsten Gebotes unserer Religion, erfülle! * Hamburg. Der hiesige „Israelitische Versorgungs-Verein", gegründet 1827, ladet zu seiner am 1. März in Hirsche's Hotel stattfindenden General-Versammlung ein. — Der Verein zählt 208 Mitglieder und hat ein Vermögen von M. 6229.06, die Ausgaben betrugen im verflossenen Jahre 2240 M. Die bisher üblichen Strafgelder sollen abgeschafft werden. A Breslau, 28. Febr. Gestern Abend (p'-wn) ward hier die betrübende Nachricht bekannt, daß der hiesige Rabbinatsassessor P ro f es s o r Dr. Iacob Levy nach längerem Siechthum verschieden sei. Der Verstorbene, der früher Rabbiner in Rosenberg gewesen war, war der weltbekannte Bearbeiter und Herausgeber des zweibändigen Targumwörterbuchs und des neuh e bräischchaldätschen, vierbändigen Wörterbuchs zum Talmud und Midrasch, welche beide der vor zwei Jahren verstorbene Leipziger Geheimrath Professor Fleischer mit seinen Zusätzen versah. Der Verstorbene soll ein Alter von 75 Jahren erreicht haben. (Ausführlicheres in der nächsten Nummer.) — Auch der Cantor Deutsch am hiesigen neuen Tempel ist nach kurzem Leiden gestorben. Schweiz. n. Bern, 22. Febr. Gestern fand hier die Delegirtenversammlung der Schweizerischen Thierschutzvereine statt, deren Haupttraktatum die Schächtangelegenheit bildete. Die Zeitungen berichten sehrausführlich über die Verhandlungen, waS nicht zu verwundern ist, da ein eigenes Pretz.-Comils eingesetzt wurde, um die ganze Campagne in Fluß zu bringen. Nach dem „Bund" erörterte der Präsident, Pfarrer Wolfs in Weiningen bei Zürich das Vorgehen, welches seitens der Thierschutzvereine in der Schächtfrage einzuschlagen sei. Es sei die Pflicht der Vereine dafür zu sorgen, daß diese Frage dem Schweizer Volke zur Vernehmlassung vorgelegt werde. Es entspann sich eine lange und lebhafte Diskussion. Es handelte sich dabei darum, den Modus des weitern Vorgehens sestzustellen, damit dem Schweizervolk Gelegenheit geboten werde, seine Meinung in Sachen ebenfalls kundzugeben. An der Debatte über diese Angelegenheit betheiligten sich u. a. die Herren Dr. Sigmund, Schlachthausverwalter (Basel), Kerez (Lausvnne), Crötenoud (Lausanne), Professor Roher (Bern), Dr. Stoll (Bern), Arnold (Solothurn), Keller (Aarau) und Zuppinger (St. Gallen). Das Resultat dieser sehreinläßlichen Berathung war, daß man sich dahin einigte, nicht einseitig bloß gegen das Schächten der Juden aufzutreten, sondern jede inhumane Tödtungsart überhaupt zu bekämpfen, so insbesondere auch die grausame Art und Weise, wie mancherorts auf dem Lande das Schlachten der Schweine erfolgt. Es soll damit der Anschein vermieden werden, als ob man einseitig nur gegen den thierquälerischen Akt des jüdischen Schächtens Vorgehen wolle. Der Centralvorstand wird nun die Unterschriftensammlung behufs eines Jnitiativbegehrens organisiren, das dahin geht, es seien gesetzliche eidgenössische Vorschriften in dem Sinne aufzustellen, daß für jede Schlachtmethode und beim Klein- und Großvieh die vorausgehende Betäubung der Thiere ftattzufinden habe. Der Centralvorstand wird nun in diesem Sinne Vorgehen und es dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen, daß die Anregung der Thierschutzvereine in der vorliegenden allgemeinen Fassung auch beim Volke lebhaften Anklang finden wird. Wer die bisher erfolgten Kundgebungen der Thier-Schutz-Vereine mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat, wird in dieser Mittheilung nicht viel Neues finden, und auch von dem lebhaften Anklange bum Volke nicht so ohne weiteres überzeugt sein, wie man sich da den Anschein gibt. — Die Israeliten der Schweiz haben der ganzen Angelegenheit bisher freien Lauf gelassen, sie haben keinerlei agitatorische Thätigkeit zu Gunsten ihrer angegriffenen Sache entfaltet. Die Berechtigung und die unabweisbare Wahrheit ihres Verlangens hat mit Gottes Hilfe allein alle bisherigen Erfolge bewirkt. E s w i r d i n der nächsten Zeit nicht an Provokationen fehlen, welche uns aus der Defensive in die Offensive drängen möchten. Es ist daher dringend geboten, die bisherige Ruhe auch für die Folge zu bewahren und alle Leidenschaftlichkeit, Entstellung und Gehässigkeit unseren Gegnern zu überlassen. E i n unbeachtetes Wort, eine beliebige schroffe Abweisung, welche in bester Absicht unsererseits an die Oeffentlichkeit träte, würde sofort aufgegriffen und ausgebeutet. Wir können unter solchen Verhältnissen nichts besseres thun, als eben gar nichts thun. Daß etwa gebotene Schritte in der Angelegenheit nicht ungeschehen bleiben, dafür ist hinlänglich gesorgt, wenn wir die Führung der Angelegenheit ausschließlich den Händen überlassen, welche auch bis jetzt dafür gewirkt haben. Das Uebrige wollen wir nächst Gott dem gesunden Sinn des Schweizervolkes und seiner Führer anheimstellen.

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