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Der Israelit · 1892-03-03 · Heft 18 (3.3.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 18 (3.3.1892)
Date
1892-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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345 Kleider vom Leibe reißen, und ihn aus dem Lager jagen laffen. Rosenowicz sei so lange umhergeirrt, bis er vor Hunger und Ermüdung niedersank, worauf ihn ein im Dienste Friedmann's stehender Beduine auf seinem Kameel ins Lager zurückbrachte. Daselbst sollen Friedmann, Seebach und der Unteroffizier Thiele den Unglücklichen, der nicht mehr gehen konnte, ergriffen und fortgeschleppt haben, während den Uebrigen verboten worden sei, sich von den Zelten zu entfernen, da sie sonst niedergeschossen würden. Eine Stunde später habe Thiele noch einen Sack geholt. Gegen Mitternacht seien Friedmann, Seebach und Thiele zurückgekehrt, und Friedmann, der sehr aufgeregt gewesen sein soll, habe geäußert: „Jetzt haben wir ihm den rechten Weg gezeigt." Der wachehaltende jüdische Colonist will ferner bemerkt haben, daß Seebach's Kleider Blutspuren zeigten und daß er seinen Dolch mit Sand gerieben habe. Die Juden schickten in der Nacht zu dem Beduinen und baten ihn, den Rosenowicz im Geheimen nach Suez zu bringen. Der Beduine antwortete ihnen aber, daß Rosenowicz in dem Sacke auf dem Grunde des Meeres liege. Auch geben die Coloniften an, daß an jenem Abende die Wachehaltenden nicht wie gewöhnlich geladene Gewehre erhielten und daß am folgenden Tage Friedmann erklärt habe, die Gewehre seien überhaupt überflüssig. Thatsache ist es, daß Rosenowicz spurlos verschwunden und verschollen ist. Wo sich Friedmann gegenwärtig aufhält, ist nicht bekannt, denn tatsächlich ist er mit seinen Leuten von der egyptischen Regierung ausgewiesen und genöthigt worden, das Gebiet, das er eigenmächtig besetzt hatte, zu verlassen. J. Hamburg. Vergangenen Sonnabend-Abend fand hier in Hirschel's Hotel die von einer Commission einberufene Versammlung behufs Gründung eines „Jüdischen Stellen-Vermittelungs-Vereins" statt, die sehr zahlreich besucht war und an welcher außer angesehenen Geschäftsleuten auch die Herren Oberrabbiner Hirsch, Dr. Nathan, Dr. Goldschmidt, Dr. Schlesinger und Redakteur Deutschländer Theil nahmen. Nachdem der provisorische Vorsitzende, Herr Rosenstock die Versammlung begrüßt und den Herren seinen Dank für das zahlreiche Erscheinen, welches ein lebhaftes Interesse für diese wichtige Angelegenheit bekundete, abgestattet hatte, legte er den Zweck und das zu erstrebende Ziel des zu konstituirenden Vereins dar und richtete an die Versammlung die Bitte, passende Vorschläge zu machen, wie das erhabene, schöne Ziel, jüdischen jungen Leuten, welche den Sabbat und die Festtage heilig halten wollen, passende Stellen zu verschaffen, am Besten und Wirksamsten zu erreichen sei. Am Schluß seiner Rede sprach Herr Rosenstock noch den Wunsch und die Hoffnung aus, daß die Herren die Wichtigkeit eines solchen Vereins anerkennen und dazu beitragen mögen, denselben in wirksamster Weise in's Leben zu rufen. Die sachlich gehaltene Rede wurde beifällig ausgenommen. Herr Alifeld verlas nun das Protokoll der ersten Sitzung des Comites, welches die Versammlung berufen, worauf Herr Oberrabbiner Hirsch das Wort ergriff und betonte, daß er es wohl nicht erst nöthig habe, auf die Wichtigkeit eines solchen Vereins, welcher die Aufgabe sich gestellt habe, die Basis unserer Religion, nämlich die Heilighaltung des ras? zu erhalten und zu befestigen, aufmerksam zu machen. Die versammelten Herren seien wohl Alle von diesem Gedanken durchdrungen und gewiß von ganzem Herzen bereit, praktische Vorschläge über die Gründung eines solchen Vereins zu machen und denselben in jeder Weise mit Rath und That zu unterstützen. Mit einem warmen Appell an die Versammelten, für unsere heilige Religion stets thatkräftig einzutreten, schloß der Redner seine zündende mit lautem Beifall aufgenommene Rede. — Es entspann sich nun eine lebhafte Debatte, welche den Herren Oberrabbiner Hirsch, Dr. Goldschmidt, Dr. Schlesinger, Deutschländer, Ritter, Rosenstock, M. S. Wolff, M. Heymann, Offenburg, Michaelis, Jaffe, Mendelssohn, Bachrach Veranlassung gab, ihre Ansichten zur Geltung zu bringen und theils ihrem Zweifel über die Nothwendigkeit eines „jüdischen Stellen-Vermittelungs-Vereins", zum überwiegenden Theile aber der Ansicht, daß das Bedürfniß für einen solchen Verein am hiesigen Platze vorliege und daher die Gründung desselben erwünscht wäre, Ausdruck zu geben. Unter Anderem wurde auch von verschiedenen Rednern bemerkt, daß man bei einem derartigen Verein nicht blos den Kaufmannsstand, sondern auch das Handwerk berücksichtigen müsse, für welches manche junge Leute viel eher als für ersteren geeignet wären und man daher hinwirken müsse, besonders die Eltern zu veranlassen, ihre Söhne ein ordentliches Handwerk lernen zu lassen. Nach längerer Polemik über das Für und Wider und nachdem die Gründung eines „jüdischen Stellenvermittelungs-Vereins" mit großer Majorität beschlossen war, wurden auf Vorschlag von Herrn Deutschländer, nachdem Herr Oberrabbiner Hirsch und Herr Dr. Nathan den Vorschlag unterstützten, die Herren Moritz Heymann, M. I. Meyer, M. S. Wolff und S. Seligmann fast einstimmig in den provisorischen Vorstand gewählt, in welchen das bisherige Aktionscomite drei seiner Mitglieder zu entsenden hat. Wir fügen den Wunsch hinzu, daß es den Herren gelingen möge, besagten Verein zum Blühen

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