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Der Israelit · 1892-03-03 · Heft 18 (3.3.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 18 (3.3.1892)
Date
1892-03-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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344 treten werde. Was nützen alle Flugblätter, Reden und Versammlungen, wenn nicht bewirkt werden kann, daß eine solch' gemeine Verdächtigung bestraft wird. Red. d. Jsr.) Mainz, I. März. Ueber die jüdische Colonie in Madian und dessen Gründer Paul Fri ed m a nn schreibt die „N. Fr. Pr.:" Was zunächst die Persönlichkeit des Herrn Paul Friedmann betrifft, so erscheint dieselbe in ein gewisses Dunkel gehüllt, das noch der Aufklärung harrt. Er soll ein abenteuerliches Vorleben haben und früher Missionär in Palästina gewesen sein, wo er bereits vor mehreren Jahren eine jüdische Colonie habe gründen wollen. Bei seinem Auftreten in Krakau berief er sich auf das Berlin- Charlottenburger Comitv zur Unterstützung der ausgewiesenen russischen Juden, das aber auf eineAnfrage nichts von ihm wissen wollte und jede Gemeinschaft mit seinen abenteuerlichen Projekten ablehnte, zu deren Jnscenirung er in Berlin eine kleine Monographle über „das Land Madian" veröffentlicht hatte. Im April vorigen Jahres erschien er in Wien und wendete sich mit seinem Colonisations- Projekt an die Wiener„Jsraelitische Alliance." Durch sein persönliches Auftreten und seine phrasenhafte Suada machte er den Eindruck eines Abenteurers, der unklare politische Zwecke zu verfolgen schien, und es wurde ihm deßhalb schriftlich bedeutet, daß es der „Israelitischen Alliance" bei ihrem statutenmäßig vorgezeichneten Wirkungskreise nicht möglich sei, seine Projecte zu unterstützen. Anfangs October vorigen Jahres kam Friedmann mit dem ehemaligen preußischen Seconde- Lieutenant v. Seebach nach Krakau, legte dem dortigen Comitö zur Beförderung der ausgewiesenen russischen Juden seinen Plan der Ansiedelung solcher Juden in Madian vor und verlangte, daß ihm zu diesem Zwecke Emigranten zugewiesen werden. Der Gewährsmann, deni wir die 'Mittheilungen über Friedmann's Vorgehen in Krakau verdanken, hatte eine längere Unterredung mit ihm und gewann schon damals den Eindruck, daß der Mann nicht vertrauenswürdig und sein Unternehmen zum mindesten ein abenteuerliches sei. Auf die Frage unseres Gewährsmannes, ob die Colonie eine landwirthschaftliche sein solle, erwiederte Friedmann, daß er es darauf erst später abgesehen habe und daß in erster Linie Handwerker angesiedelt werden sollen, für deren Erzeugnisse er in Arabien bei den Beduinen ein großes Absatzgebiet zu finden hoffe. Zugleich gestand er, daß er sich auf Conflicte mit den Beduinen gefaßt machen und deßhalb militärische Maßnahmen treffen und die Colonisten bewaffnen und einexerciren müsse. Nicht minderes Mißtrauen erregten bei unserem Gewährsmann die gedruckten Formulare der Verträge, die Friedmann von den von ihm angeworbenen jüdischen Colonisten unterschreiben ließ. Durch diese Verträge waren die Colonisten ganz in die Gewalt Friedmann's und seiner Genossen gegeben und der Willkür derselben ausgeliefert. Gleich durch den ersten Paragraph wurden sie vor Allem verpflichtet, den Waffendienst zu erlernen, und Friedmann maßte sich überdies die unbedingte Strafgerichtsbarkeit und das Recht an, die Colonisten im Falle der Nachlässigkeit, des Ungehorsams oder der Widersetzlichkeit aus der mitten in der Wüste gelegenen Colonie auszuweisen. Trotz der gefährlichen Bedingungen schloffen sich ihm dreißig ausgewanderte russische Juden an, durchwegs Handwerker, starke und rüstige Männer, mehrere mit ihren Frauen und Kindern, mit denen er die Reise nach Arabien antrat. Zur Erklärung des auffallenden Umstandes, daß Friedmann in Krakau sein Werbegeschäft ungehindert betreiben konnte, wurden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die russischen Juden, die mit ihm gingen, nicht zu den zwangsweise ausgewiesenen Opfern der russischen Gewaltherrschaft gehörten, für deren Unterstützung und Weiterbeförderung die Hilfscomites zu sorgen haben, sondern sogenannte „Ueberläufer" waren, die freiwillig Rußland verlassen hatten, um sich anderswo eine Heimath zu suchen. Bereits vor mehreren Wochen berichteten egyptische Zeitungen, namentlich der„Phare d'Alexandrie", und Privatbriefe aus Suez über das traurige Schicksal, das die jüdischen Colonisten in Madian nicht sowohl durch die mit der Expedition unvermeidlich verbundenen Anstrengungen und Mühsale, als vielmehr durch die Willkür und Rohheit Friedmann's und seiner Genossen zu erdulden hatten. Nunmehr sind die Opfer des Abenteurers selbst im traurigsten Zustande zurückgekehrt, und ihre protokollarisch aufgenommenen Aussagen enthalten die schwersten Anklagen gegen die vier Männer, denen sie schutz- und wehrlos preisgegeben waren. Ganz abgesehen von dem zweck- und sinnlosen Treiben Friedmann's, der die Leute unter der rohen Zucht Seebach's und der zwei ehemaligen Unteroffiziere den ganzen Tag exerciren oder bei unzureichender Ernährung mit Schiffszwieback graben und hacken ließ, liegt das Hauptgewicht der Aussagen der zurückgekehrten Coloniften darin, daß sie Friedmann, Seebach und den Unteroffizier Thiele direct beschuldigen, den Tod eines ihrer unglücklichen Gefährten, eines gewissen Rosenowicz aus Odessa — nicht Rosnowsky, wie es in andern Mittheilungen irrthümlich hieß — verursacht zu haben. Das Protokoll enthält hierüber folgende Anssagen: Frtedmann habe den Rosenowicz, als derselbe erklärte, bei so geringer Kost nicht weiter arbeiten zu können, züchtigen, ihm die

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