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Der Israelit · 1892-03-03 · Heft 18 (3.3.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 18 (3.3.1892)
Date
1892-03-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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343 Der besonnene Beobachter muß übrigens zu den hochfliegenden Hoffnungen Egtdy's bedenklich den Kopf schütteln. Aus seinem Aufrufe blickt bereits der Prophet hervor, und nichts Geringeres sieht er vor sich, als daß Fürsten und Völker durch ihn und seinen Gedanken völlig eins werden müssen. Ist nicht Weltherrschaft — gerade der jüdischen Lehre, dtedoch auch dieVereinigungder Menschheit erhofft, blieb der Gedanke zum eigenen Heile fern — eine naheliegende Hoffnung bei religiösen Neuerungen? Und würde der weltbesiegende Egidy auch Duldung üben gegen die, welche seiner Meinung nicht beistimmen können? „Nicht die Bildung eines Sonderverbandes bezweckt dieser Aufruf; nicht als Ausgangspunkt neuer feindseliger Betrachtungen und endlosen Meinungskampfes soll er dienen," so spricht heute Egidy, so sprachen vor ihm Andere, so spricht aber nicht derjenige, dessen Meinung Siegerin geblieben ist, sondern der Oelzweig in seiner Hand wandelt sich dann unmerklich in eine Zuchtruthe für Andersdenkende um. Und daß Egidy's Worte, selbst wenn Alle zustimmten, die Wiedergeburt der Menschheit nicht herbeiführen werden, so wenig das den hochfliegenden Reden und stärkeren Mitteln unzähliger Vorgänger gelungen ist — das brauchen wir nicht erst zu beweisen. Jedes Jahrhundert erscheint sich selbst als das Herrlichste, und alle Zeitalter haben ihre Fehler. An eine Entwickelung der Menschheit glauben auch wir, und Israel hat es an der Mitarbeit wahrlich nicht mangeln lassen. Aber nicht das hochtönende Wort, sondern die unscheinbare, in der Stille geübte „gute That, welche die g ute Th at h erv o rru ft", sind die Mittel dazu. Nicht einzelne Wortführer, sondern unzählige thätige Menschen, deren Jeder auf seinem Gebiete pflichtgetreu wirkt, bringen diese Fortschritte hervor. So sei es und so bleibe es in der Mitte Israels. Benutzen wir die Wahrheiten der Thora zu diesem Zwecke, und wir werden in Treue der angestammten Lehre gegenüber der von den Propheten verkündeten herrlichen Zeit weiter entgegengehen. Zeitrr«gsnachrichten anb Correfporrdenzerr. Deutschland. Mainz, 1. März. Die „Eislebener Zeitung" enthält einen Bericht über eine Versammlung des dortigen antisem. Nefounvereins, in welcher der Vorsitzende G. Krüger einen Vortrag über „rituelle Morde der Juden" hielt. In der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion, heißt es darin, „wurde den anwesenden Herren ein neuer Beitrag zum Kapitel über rituelle Blutabzapfung geliefert. Ein hiesiger Bürger, der als Gast in der Versammlung erschienen war und Anspruch auf Glaubwürdigkeit wohl verdient, sagte aus, nachdem er den Vortrag über rituelle Morde der Juden w't Interesse verfolgt und nun wohl Grund hatte, die rituelle Bedeutung der Fälle Damaskus, Lntscha, Tisza-Eszlar, Sturz rc. seinem Fall zu vergleichen, daß er in seinem 16. Jahre als Handwerker in einem kleinen Städtchen Posens Gelegenheit gehabt hätte, mit Juden Verkehr zu pflegen. Die Freundschaft zwischen ihm und denselben wurde durch allabendlichen Verkehr so intim, daß er gern und wiederholt den Einladungen der Juden, mit ihnen in den Tempel zu gehen, Folge leistete. Dort wurden ihm von den Juden allerhand Leckereien und süße Getränke verabreicht. Als er dem Tempel mehrere Male seinen Besuch abgeftattet hatte, erhielt er am Freitag Abend — es war die Zeit vor dem jüdischen Osterfeste — abermals die Aufforderung, mit in den Tempel zu kommen. Die ihn dorthin begleitenden Juden ließen ihn zunächst an der äußeren Thür stehen, um ihn später hereinzuholen. Kaum war er näher getreten, so wurde ihm die Mittheilung gemacht, daß sein Aufenthalt im Tempel nur dann gestattet werden könnte, wenn er „rein" sei, und daß er zur Feststellung dieser Voraussetzung einer Prüfung unterzogen werden müsse. Es erschien denn auch sogleich ein älterer Jude, umhängt mit einem großen weißen Tuch, eine schwarze Kopfbedeckung tragend und bat ihn, seinen linken Arm zu entblößen. Diesem Ansinnen wurde, nichts Böses ahnend, Folge geleistet. Hierauf machte derselbe Jude dem Gast, der evangelischer Ehrist war, einen Schnitt mit einem kleinen scharfen Messer in das innere Ellenbogengelenk und fing das aus der Wunde fließende Blut in einer bereitstehenden Schaale auf. Während dieser Operation sangen die anderen Juden ihm unverständliche (jedenfalls hebräische) Lieder. Die entstandene Wunde wurde verbunden und die Heilung erfolgte nach ca. 8—14 Tagen. Die Narbe ist jetzt noch zu sehen und der Betreffende zeigte dieselbe vor. . (Wir meinen, es sei heilige Pflicht des Vorstandes der isr. Gemeinde zu Eisleben, durch gerichtliche Schritte diesen entsetzlichen Lügner zu entlarven. Auch hoffen wir, daß der Verein zur Abwehr des Antisemitismus, der Sache näher

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