Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 17 (29.2.1892)
- Date
- 1892-02-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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335 Vielleicht hat irgend ein jüdischer Aberglaube, welcher den Blutgebrauch bei einer finstern magischen Operation forderte, im 13. Jahrhundert zu der damals erhobenen Anklage Anlatz gegeben. Es ist ja möglich, datz in früherer und späterer Zeit einzelne Juden Menschenblut zu magischen Zwecken gebraucht haben, aber das jüdische Volk, dem die schwarze Magie unbedingt verboten ist, und die jüdische Religion, welche die Zauberei und den Genuß des Blutes als wider Gottes Gebot mit dem Tode bestraft, können dafür nicht verantwortlich gemacht werden." Wir kommen zum Schluß. Ich wüßte tatsächlich keine besseren Worte zu wählen als diejenigen, welche Dr. Eduard Hitzig und Dr. W. Häring (Wilibald Alexis) zur Einleitung für die Erklärungen des Dr. I. F. von Mayer und des Professor Molttor bringen. Unter anderem heißt es da : (Der Neue Pitaval S. XXIII. Thl. 2.) „Aber er" (nämlich Herr Löwenstein) „beruft sich auf die Zeugnisse der ehrenwerthesten Männer des Alterthums und der Gegenwart, die ihre innerste Ueberzeugung vom Gegentheil aussprechen; und indem er uns auffordert und beschwört, als „gewissenhafteste Forscher nach Wahrheit und strenge aber unparteiische Richter" ein Urtheil zu sprechen und eine Frage zu beantworten, deren vollständige Lösung einen so wesentlichen Einfluß auf die Ruhe und das Lebesglück vieler Tausende üben würde," führt er zwei Zeugen aus der Gegenwart auf, einen berühmten protestantischen und einen berühmten katholischen Theologen. Indem wir beide hochwichtige Aussagen hier zur Publicität bringen, müssen wir eingeftehen, daß dennoch vor einem höheren Rtchterstnhle als dem, wo gelehrte oder geschworene Richter einen formellen Beweis fordern, nämlich dem der moralischen Ueberzeugung, der Zweifel weichen muß. Einer weiteren Auseinandersetzung der streitigen Frage bedarf es bei dem Inhalte beider Dokumente nicht. Unsererseits begnügen wir uns daher, unter Mittheilung derselben, mit dem Wunsche, daß diese schwerwiegenden Zeugnisse lichtbringend und versöhnend einem finstern Wahn entgegenarbeiten mögen, welcher noch im Jahre 1840 Opfer, und in einer Art, forderte, daß der Geist der Humanität erschrickt und das religiöse Gefühl davor schaudert." Berlin, im Juli 1842. (gez.) Dr. Julius Eduard Hitzig. Dr. W. Härin g (W. Alexis.) Und fragt man uns, weßhalb wir gerade jetzt „diese schwerwiegenden Zeugnisse" veröffentlichen, so antworten wir, daß uns der Wunsch beseelte, daß diese Zeugnisse „lichtbringend und versöhnend einem finstern Wahne entgegenarbeiten mögen." Das walte Gott! Zeitungsnachrichten und Correspoudenze«. Deutschland. Marburg, 25. Februar. Gestern, Mittwoch Abend, hielt der Verein zur Abwehr des Antisemitismus im hiesigen großen Quentin'schen Saale eine Versammlung ab. Den Vorsitz führte Herr Professor Dr. Stengel. Das Referat hatte Herr kgl. Archivar Dr. Georg Winter über das Thema „Die Vorwürfe der Antifimiten gegen unsere jüdischen Mitbürger" übernommen. Saal und Nebensäle waren überfüllt. Die Antisemiten, die in starker Anzahl erschienen waren, versuchten vergebens durch allen möglichen Radau und pöbelhaftes Benehmen die Versammlung zu sprengen. Da sie die richtigen Argumente Dr. Wtnter's nur durch Niederbrüllen zu widerlegen suchten, so wuchs die Empörung in der Versammlung dermaßen, daß einige der Hauptschreier von der Polizei an die Luft gesetzt wurden. Eines dieser Individuen, ein gewisser Bindewald, seines Zeichens Maler, der antisemitische „Rubens", ist wegen Hausfriedensbruch von dem Vorsitzenden des Vereins bereits der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Als die Antisemiten sahen, daß man mit ihrem Gelächter kurzen Prozeß machte, verließen sie den Saal, um sich im nebenan befindlichen Buffetraum aufzustellen und dorten den Radau fortzusetzen. Die im Saale anwesende nichtantisemitische Mehrheit wollte sich nun durch derartige Flegeleien nicht majorisiren lassen und antwortete in gleicher Weise, so daß die Antisemiten das Niedergeschrieenwerden jetzt an sich erfahren mußten. Mit unter tosendem Beifall aufgenommenen Hochs auf das geliebte deutsche Vaterland und auf Dr. Winter wurde die Versammlung geschlossen. — Die zahlreich vertretenen Studenten und Bürgerschaft hat sich meisterhaft benommen. Es ist keine Frage: Die hiesigen Antisemiten haben nicht nur eine taktische, sondern auch eine moralische Niederlage erlitten. > Vermischtes. Cölrr Nach dem Rechenschaftsbericht des Vereins des jüdischen Lehrerseminars in Rheinland zu Cöln für 1890 sind 8 Zöglinge aus dem Seminar entlassen worden und haben im Schuldienste und als Cultusbeamte Verwendung gefunden, so daß die Anstalt zur Zeit von 28 Zöglingen besucht wird. Die zahlreichen Lehrergesuche, welche von Gemeinden in allen Theilen unseres Vaterlandes an das Curatorium gerichtet werden und die fast ausnahmslos höchst erfreulichen Berichte, welche dasselbe über das pflichttreue Verhalten und die segensreiche Wirksamkeit der aus der Anstalt hervorgegangenen Lehrer empfängt, bezeugen