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Der Israelit · 1892-02-28 · Heft 17 (29.2.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 17 (29.2.1892)
Date
1892-02-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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332 daß keine Möglichkeit der Rettung offen sei, außer jener, die er nun, in seinem zweiten Ruthe, nennen werde. Iwan sprang auf. „Hört denn!" rief er, „wie Ihr Euch vollständig sichern werdet. Der Pöbel ist jeden Augenblick bereit, los zu schlagen, aber bevor er irgend etwas unternehmen kann, wißt Ihr — Ihr versteht mich doch?" „Ja, ja, Euer Gnaden!" „Vorher müßt Ihr Euch Alle in den Dnjeper stürzen!" Wie vom Schlage getroffen sanken die beiden Alten auf ihre Sitze zurück, während Iwan sich mit den Blicken an ihrer Qual weidete, ein lautes, rohes Hohngelächter aufschlug, und nach Ablauf einiger Sekunden, noch immer luftig lachend, das Gemach verließ. Die beiden so schwer gequälten Greise blieben noch eine Zeit lang regungslos sitzen, sie waren kaum ihrer Glieder mächtig, so tief hatte sie die abgefeimte Grausamkeit des übermüthigen Günstlings in das Innerste getroffen. Endlich erhob sich Dr. Sacharin. „Wir sind verloren!" sagte er tonlos. „Vielleicht bleibt uns dennoch die Flucht möglich", entgegnete Alexei, sprang auf und wandte sich schnell zum Gehen. Als der Wagen der beiden Abgesandten sich in Bewegung setzte, bemerkten sie, was schon früher der Fall gewesen, aber in ihrer Aufregung ihnen entgangen war, daß in kurzem Abstande ihnen ein anderer Wagen folgte. Es war ihnen durchaus nicht zweifelhaft, was das zu bedeuten hatte; man beobachtete sie und ließ sie keinen Augenblick aus den Augen, um jeden Fluchtversuch von vornherein zu verhindern. Alexei ließ den Rabbiner nach Hanse fahren und kehrte dann in seine Wohnung zurück. Er erstaunte nicht mehr darüber, daß er eine Reihe von Soldaten in bequemer Haltung im Thorbogen seines Hauses stehen sah, es erstaunte ihn auch nicht, als der Hausmeister ihm mittheilte, daß eine Einquartirung von zwei Unteroffizieren und zwanzig Mann ihm in's Haus gelegt worden war, er wußte wohl, welchen Zweck dieses Detachement verfolgte und lehnte sich nicht mehr dagegen auf. Er war wie gebrochen, er hatte erkannt, daß jeder Widerstand nun vergeblich sei. Schweigend und thränenvoll umarmte er seine Frau und Pflegetochter, ohne sich an den frechen Blicken der Soldaten zu stören, die von nun an alles, was er that, auf das Aufmerksamste beobachteten, und sogar des Nachts nicht von der Schwelle seines Schlafzimmers wichen. Jede Rettung war unmöglich, er wußte nun wohl, daß für ihn und die Seinen das Verderben unabwendbar Hereinbrechen werde. „Wie viel Tage haben wir noch zu leben?" frug er seine Gattin und betrachtete sie mit schmerzerfüllten Blicken. Und dennoch regte sich nach wenigen Stunden .icder ein Gedanke der Rettung in seinem nimmer rastenden Geiste. Wie der römische Gefangne, der zum Wettstreit mit den wilden Thieren verurtheilt war, einen Dolch in die Hand nahm, um vielleicht in dem Augenblick, da der hungrige Löwe auf ihn losstürzt, noch einen letzten Kampf um's Dasein zu führen, so versah sich nun Alexei mit einem Mittel, von dem er wußte, daß es niemals seine Wirkung auf den russischen Pöbel verfehlt. „Sie werden trinken und trinken," dachte er, „und in ihrem Rausche alles vergessen." Gleich einer dumpfen Gewitterschwüle, die das Athmen wehrt, lag es nun über der Stadt, die in jedem Augenblick das Ansbrechen eines so furchtbaren Unwetters erwartete, wie die fühllosen Kräfte der Natur es nicht Hervorbringen. Nur der Verderbtheit der Menschen sind solch' grauenhafte Unthaten Vorbehalten. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganrjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel begehen bei G. $. Sleinarker, Leipzig, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltcne Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichifche Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt ^Hauprl>tatt>: leitender Artikel: Zur Würdigung des Schulchan Aruch. Von Bczrrkü-Rabbürer vr. Ehrmann in Baden (Schweiz) (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten u. (Korrespondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Ulm. Nürnberg. Plauen. Gnesen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Ans Ungarn. — Schweiz: Bern. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling des Czaren. Eine Erzählung ans Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phil. (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Drei wichtige Zeugnisse gegen die Blmbeschuldigung. Mitgetheilt von D. Werth ei m in Gera. (Schluß) — Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen: Deutschland: Marburg. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J oh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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