Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 17 (29.2.1892)
- Date
- 1892-02-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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331 Versammlung die Schußmaske forderten, sind jetzt gleichwohl gegen die Veranstaltung der Initiative; sie möchten die neue Institution nicht zuerst für einen Zweck gebrauchen, welcher nur durch so große Anstrengungen erreicht werden kann, und halten andere politische Aufgaben für dringlicher. vermischtes. Frankfurt a. M, im Februar. Dem Jahresbericht der „Suppenanstalt für israelitische Arme" cntnehnlen wir, daß in der Zeit vom 1. October 1890 bis 30. September 1891 im ganzen 34,049 Portionen vertheilt worden sind, und zwar an Erwachsene 7285, an Kinder 12,333, an Durchreisende 5924, an verschämte Arme 444, sodann an Kranke und Wöchnerinnen in deren Wohnungen im Winter 1313, im Sommer 5570 Portionen. An Geschenken gingen M. 9366, an Jahresbeiträgen M. 6700 ein. Brüssel, 13. Februar. Herr Prof. Tr. Ginge ist zum Ritter des Leopold-Ordens ernannt worden — der einzige Jude Belgiens, welcher dieser hohen Auszeichnung theilhaftig wurde. Jnowrazlaw, 4. Februar. Herr Rentier I. F a b u s ch hat dem hiesigen Beth-Hamidrasch ein Legat von 45,000 M. zur Anstellung eines zweiten Klausners testirt. London, 13. Februar. Eoloncl Goldschmid wird am 10. März die Reise nach Argentinien antrcten, wo er bekanntlich die Oberleitung des Eolonisationswerkes de? Herrn Baron v. Hirsch übernimmt. Feuilleton. Der Hünstting des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. i>hil. (21. Fortsetzung.) Ein freudiger Schimmer der Hoffnung zuckte in den Mienen der beiden Sendboten auf. Der Günstling war also nicht unempfindlich gegen Geld, man vermochte ihn zu erkaufen. Und wenn es auch den ganzen irdischen Besitz kosten sollte, derselbe war ja doch verloren, wenn die Bauernhorden darüber herfielen; so aber konnte man das Leben der Gemeindeangehörigen vor Mißhandlung und Tod bewahren. Die beiden Alten bebten vor Wonne. „Verlangt nur, Euer Gnaden, soviel Ihr mögt!" sprach der Rabbiner uiit schlecht verhehlter Freude. „Ihr sollt mir selbst die Anzahl der Rubelpakete bestimmen, aber wenig darf es nicht sein," entgegnete Iwan und lächelte wieder. „Hört mir denn genau zu. Ich sagte Euch, es gibt zwei Wege, Euch vor der Mißhandlung des Pöbels zu retten, der Eine ist beschwerlich, aber der Andere führt leicht und schnell zum Ziele. — Ihr hört mir doch zu?" „Wir hören, wir hören!" riefen die beiden Alten, wie aus einem Munde, zitternd vor Spannung und Aufregung. „Namentlich der letztere Weg wird Euch so sicher retten, daß kein Bauer lebend Euch zu nahe tritt, Ihr braucht Eure Religion nicht zu verleugnen, und weder der Gouverneur noch die Synode vermögen Euch das Geringste anzuhaben." Der Rabbiner dachte, daß der Günstling des Czaren gegen ine sehr große Summe Geldes sich selbst zum Beschützer der Juden aufwerfen wollte und durch seinen mächtigen Einfluß alle Feinde von ihnen abwehren würde. „Nennt uns die beiden Wege, bester, gnädigster Herr, wir werden Euch ewig dankbar sein, und der Himmel wird es Euch sicherlich lohnen, wenn Ihr so viele, unschuldige Menschen vor Tod und Verderben rettet!" „Das ist es auch allein, was mich bewegt", sagte Iwan, setzte sich und lehnte sich behaglich in seinen Sessel zurück, während er mit einer Handbewegung die beiden Juden zum Sitzen einlud. Sie nahmen Platz, ihre Spannung war fast bis zur Fiebergluth gestiegen, ihre glänzenden Blicke hingen an dem Munde des jungen Mannes. „Also der eine Weg," fuhr Iwan fort, „der Erftere, wißt Ihr, zu dem würde ich Euch selbst nicht rathen, denn er ist lang und beschwerlich. Ihr braucht nicht enttäuscht zu sein durch den einen Rath, denn der andere ist bedeutend besser. Aber Ihr hört mir doch auch zu?" „Wir hören, wir hören!" riefen die Beiden wieder. „Also der eine Weg, von dem ich Euch sagen wollte, ist nämlich der, daß Ihr Alle, bevor der Fastnachtsscherz beginnt — aber seid nur nicht enttäuscht, der zweite Weg ist viel besser — daß Ihr also Alle schnell nach Jerusalem entfliehet. „Nicht wahr, jetzt macht Ihr doch verblüffte Gesichter? Ich habe Euch ja selbst gesagt, ich rathe Euch nicht zum Erftere», sondern zum Zweiten, — doch wenn Ihr meinen zweiten Rath nicht hören wollt-" „Gnädigster Herr!" stöhnten die Beiden, durch die künstlich gesteigerte Erwartung in höchstem Grade gepeinigt. Ihr Oberkörper hatte sich durch die Erregung aus der gebeugten Stellung emporgehoben, und sie reckten die Köpfe in die Höhe, als ob sie dadurch ihr Gehör dem Munde Jwan's näher bringen und so etwas früher den Weg zur Rettung erfahren könnten; sie meinten, er hätte das eben Gesagte nur vorausgeschickt, um zu zeigen,