Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 17 (29.2.1892)
- Date
- 1892-02-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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330 erhalten auf ehrbare Weise ihre Speisezettel und steht ihnen ein separirter Raum zu Verfügung. Am 2. d. hielt der Verein seine erste Generalversammlung. Bis zum Berichterstattungstag sind eingeflossen: 2565 fl., vor don denen auf Einrichtungen 1035 fl. verausgabt wurden. In der kurzen Frist seines Bestehens hat der Volksküchenverein 33,948 Speisezettel zu ermäßigten Preisen abgegeben. Dessen Reinvermögen beziffert sich auf 1242 fl. 21 kr. Sämmtliche Vorstands- und Ausschußmitglieder wurden wieder gewählt. — Am 17. d. Mts. wurden im Budapest er, sich „Lan d es"-Rabbiner-Seminar nennenden Institut vier Zöglinge dieser Anstalt zu Rabbinen promovirt. Es sind dies die Herren: Dr. Jakob Spira, Dr. Julius Weißburg, Dr. Simon Ungar und Dr. Ludwig Wenetianer. Die Zahl der, aus dieser Anstalt entlassenen „Rabbinen" steigt hiemit auf 26. Wir können auch bei dieser Gelegenheit unser Staunen hierüber nicht unterlassen, daß von orth. Seite nicht Alles aufgeboten wird, um einen Theil der ungeheueren Summe, welche das Rabbiner- Seminar vom Schulfonde bezieht, zur Unterstützung eines echt jüdischen Instituts erlangen zu können. Denn abgesehen von der hierzulande sprüchwörtlich gewordenen Unkenntniß aller Disziplinen, in welchen der Rabbiner in erster Reihe bewandert sein muß, wirken die jungen Seminar-Rabbinerchen durch ihren ostentativen, unreligiösen Lebenswandel sehr schädlich auf die Menge. So z. B. ist nzv durch HNsnn den Herren Seelsorgern von Seiten ihrer Lehrer gestattet, und diese machen selbstverständlich von dieser — um eine der zahlreichen zu erwähnen — Concession den ausgiebigsten Gebrauch. Einer der soeben promovirten Rabbiner hat vor Kurzem keinen Anstand genommen, an der Bahre seiner Mutter gemeinsam mit seinem getauften Bruder, dem ref. Geistlichen Dr. W e net ianer zu predigen und dem Leichenzuge zu folgen. Nun hätte man erwarten können, daß der Zögling, der erst vor wenigen Wochen durch sein Benehmen gegenüber dem ref. Geistlichen allgemeine Entrüstung hervorricf, von den Seminar-Professoren wenigstens eine Rüge erhalten werde. Dieselben haben jedoch statt dessen dem jungen Herrn vorgestern in feierlicher Weise eine regelrechte „mnn" übergeben. Wenn überhaupt noch nothwendig, kann vielleicht dieser Vorgang zur Beleuchtung des im „Landes-" Rabbiner-Seminar herrschenden jüd. (?) Geistes etwas beitragen. — In Sator-Alja-Ujhely wurde vorige Woche zum Rabbiner der orthodoxen Sefard-Gemeinde Herr M. I. Teitelbaum aus Stropkau einstimmig gewählt. Schweiz. Bern, im Februar. Die Zettungsmeldung, daß der schweizerische Thierschutzverein das Referendum gegen den Beschluß der Bundesversammlung in der Schächtfrage ergreifen wolle, ist unrichtig. Der betreffende Beschluß war ein Rekursentscheid und es ist fraglich, ob gegen einen solchen das Referendum ergriffen werden kann. In der That beabsichtigt dies der Thierschutzverein nicht, sondern der Erklärung seines Präsidenten, des Hrn. Pfarrers Wolff, zufolge wird vielmehr eine Verfassungsinitiative in's Werk gesetzt werden, welche die Anwendung der Schußmaske — also nicht ein förmliches Schächtverbot? — verlangen will. Es müßten also 50,000 Unterschriften gesammelt werden, um die Aufnahme eines neuen Artikels mit der genannten Forderung in die Verfassung zu verlangen. Nach dem Rekursentscheide der Behörden ist nämlich ein Schächtverbot durch die kantonalen Regierungen unzulässig und es ist auch die Anwendung der Schnßmaske beim Schächten nicht gefordert; wohl aber können die Kantone Vorschriften erlassen, welche gegen die Ausartung des Schach - tens in Thierquälerei schützen, so die Anstellung einer genügenden Zahl von Personen, welche das Schächten besorgen, den Gebrauch von Matratzen beim Niederwerfen des Thieres u. s. w. Damit jedoch will sich der Thierschutzverein nicht zufrieden geben; er hofft, durch das Mittel der Initiative weitergehende Wünsche befriedigen zu können. Für einmal aber wäre es richtiger gewesen, die Maßnahmen abzuwarten, welche die Kantonsregierungen zu treffen hätten und davon abzusehen, eine Volksbewegung zu erzeugen, in welcher voraussichtlich der Antisemitismus eine nicht geringe Rolle spielen wird. Reichen jene Maßregeln nicht aus, so konnte immer noch Mehr verlangt werden. Es ist wahr, gerade Pfarrer Wolff hat sich öffentlich dagegen verwahrt, einer antisemitischen Tendenz dienen zu wollen; gleichwohl wird es natürlich der antisemitische Wind sein müssen, der die Segel des Jnitiativschiffes zu füllen hat, denn sonst wäre das Interesse für den Gegenstand vermuthlich nicht groß genug, um 50,000 Unterschriften zusammen zu bringen. Auch dann ist es aber noch keineswegs ausgemacht, daß die Initianten in der Abstimmung siegen werden. Da die Katholiken in den Räthen geschlossen für den Rekursentscheid stimmten, hält es schwer neben der Volksmehrheit auch die Mehrheit der Städte (Kantone) für das Jnitiativbegehren zu erhalten. Die Westschweiz dürfte gegen dieses Stellung nehmen und in der liberalen deutschen Schweiz ist die Meinung getheilt. Manche Abgeordnete, welche in der Bundes- L. G.-g.