Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 17 (29.2.1892)
- Date
- 1892-02-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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329 ergehen möge und wo ihnen diese Liebe und Anhänglichkeit zutheil werde, wie sie ihnen hier mit Recht geworden und wie sie sie wahrhaft verdienen. Der Name Hamburger wird hier in Plauen allenthalben — auch unter Andersgläubigen — stets von bestem Klange sein und auch bleiben. Gnesen. Das festliche Gewand, welches unsere Stadt anläßlich der Inthronisation des Erzbischofs von Posen und Gnesen anlcgte, bot das schönste Bild der Eintracht und Friedlichkeit, welche unter den Bewohnern Gnesen's herrscht. War doch die Ausschmückung der Stadt, der Straßen und Häuser eine so allgemeine, daß dem Fremden die Einheit des Ganzen wohlthncnd ausfiel und die Meinung entstehen mußte, daß die Stadt nur von Angehörigen einer Religion bewohnt werde. Die freudige Erregung der ganzen Bürgerschaft während der letzten Tage gab beredtes Zeugniß dafür, daß alle Unterthanen Sr. Majestät sich des hochwichtigen Friedenswerkcs, welches unser Friedensfürst mit der Ernennung des Herrn Doktor von Stablewski zum Erzbischof von Gnesen und Posen gestiftet, bewußt sind und nun ihrerseits bestrebt sein wollen, im Sinne Sr. Majestät den Frieden und die Eintracht unter einander immer mehr zu befestigen und zum Wohle des ganzen Vaterlandes zu fördern. Diesem Gedanken verlieh unser verehrter Rabbiner, Herr Dr. Jacobson, in einer Ansprache an den Herrn Erzbischof beredte Worte, indem er bei einem Besuche, den er Sr. Eminenz abstattete, unter Anderem bemerkte: Seitdem es dem Leuker derVölkergcschicke gefallen, daß wir Israeliten unter Bckennern eines anderen Glaubens unsere Heimath haben, hätten wir immer gebetet, daß einerseits Friede und Zufriedenheit in dem Lande und in den Herzen unserer Mitbürger herrsche und daß andererseits diese ihre Religion hochachten und deren Gebote befolgen möchten; denn in den Zeiten der Unzufriedenheit, des Hasses der Menschen gegen einander und des Mangels an wahrer Religiösität sei der Zustand der Juden am meisten gefährdet. Darum wären auch die jüdischen Gemeinden der beiden Diöcösen Gnesen und Posen Seiner Majestät zu besonderem Danke verpflichtet für die Ernennung des Doktor von Stablewski, eines Mannes, durch den die Sache des Friedens wie der Religion gleich viel gewinnen werde. Darauf erwiderte Herr Dr. v. Stablewki etwa Folgendes: Er fühle sich sowohl durch den ihm auch von den jüdischen Bewohnern Gnesen's bereiteten Empfang, als auch durch den Besuch und die Worte des Herrn Dr. Jacobson um so inniger geehrt und gerührt, als das Christenthum ja dieselben hohen Ziele wie das Judenthum erstrebe und er wie der Herr Rabbiner gleichmäßig an der Erreichung dieser Ziele zu arbeiten hätte. Er persönlich kenne sehr viele wahrhaft edle Juden und erachte es als ein Glück, in einem Staate zu wohnen, dessen gegerechter und starker Herrscher allen seinen Unterthanen die Wohlthaten des Gesetzes zu Theil werden lasse. Dagegen bedauere er auf's Lebhafteste die Ausschreitungen, welche in Staaten mit minder starker Regierung in letzterer Zeit gegen die Juden stattgefunden. Er für seine Person sei allezeit bereit, für den Frieden unter den verschiedenen Bewohnern zu wirken; wenn Herr Dr. Jacobson in dieser Hinsicht irgendwann seine Vermittelung wünschen sollte, so werde er seine Hilfe nicht vergeblich angerufen haben. Angesichts der traurigen Erscheinungen, welche in den letzten Jahren leider auch in unserem Vaterlande gegen Juden und Judenthum zu Tage getreten sind, verdienen diese Gesinnung und diese Worte des hohen Kirchenfürsten weiteren Kreisen bekannt gegeben zu werden. Mögen dieselben dazu beitragen, die Vorurtheile gegen uns zu zerstreuen und so auch das wahre Glück und Wohl unserer Mitbürger zu fördern! Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Aus Ungarn, 21. Februar. Se. Majestät, Kaiser-König Franz Joseph I., hat dieser Tage unserem Glaubensgenossen Sigmund Peterfy das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens zu verleihen geruht. Herr Peterfy, der Direktor der Szanosthaler-Bahn ist, hat diesen Beweis königl. Huld nicht nur durch die umsichtige Leitung der hochwichtigen Bahnlinie verdient, sondern hat sich um die Wohlthätigkcitsanstalten seines Wohnortes Dees unvergängliche Verdienste erworben. — Der orth. isr. Volksküchenverein in Pr e ß b n r g, deren Eröffnung ich seinerzeit meldete, hat alle an ihn geknüpften Erwartungen bei weitem übertroffen. Es muß dieser ungeahnte Erfolg umsoeher mit erhöhter Freude konstatirt werden, da die bisherigen Preßburger Wohlthätigkeitsanstalten den durch die Zunahme der Armuth unter den Juden gesteigerten Bedürfnissen nicht nur nicht entsprachen, sondern denjenigen unterstützungsbedürftigen Kreisen, die ihr stiefmütterliches Schicksal verbergen wollten oder mußten, geradezu unzugänglich waren. Insbesondere gilt dies von den daselbst befindlichen Zöglingen der berühmten nyv\ Dieselben zum großen Theile armen Eltern entstammend, waren bislang vor die Alternative gestellt: entweder Hunger zu leiden, oder durch Annahme der kärglichen , mit Preisgebuug des letzten Funkens von Ehrgefühl verbundenen Unterstützung ihr Fortkommen zu ermöglichen. Diesem nicht genug gerügten Hebel ist nun mit der Gründung des orth. isr. Volksküchenvereins gründlich abgeholfen; denn die Frequentanten der