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Der Israelit · 1892-02-28 · Heft 17 (29.2.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 17 (29.2.1892)
Date
1892-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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327 Wir glauben es ruhig sagen zu dürfen, daß in ganz Süddeutschland, vielleicht Würzburg ausgenommen, sich nirgendwo eine solche Gelegenheit zu ausgiebigstem vielseitigen Thora-Lernen findet, und wird hier das Wort ,1^1 dv 13 rvani zur Wahrheit. J. H. Ulm, im Febr. Die antisemitische „Ulmer Schnellpost" stand dieser Tage in der Person ihres Verlegers, des Rittmeisters der Landwehr-Kavallerie, Rübling, und ihres Redakteurs Kleemann, schon wieder vor Gericht, um sich neuerdings eine heftige moralische Niederlage zu holen. Angeklagt war ein Artikel, in dem sie in der ihr eigenen konfusen Sprache den Obmann des Bürger-Ausschusses R.-A. Schefold und das Mitglied des B.-A. Mayser antisemitischerAeußerungen bezichtigte, die sie in Widerspruch fand mit dem Eid der Herren, denen sie auch unterschob, die bekannte Verurteilung der Schnellpost-Hetze durch den Ulmer Gemeinderath veranlaßt zu haben, obgleich sie früher selber antisemitisch gedacht hätten. Die heutige Verhandlung, die unter starkem Zudrang Neugieriger stattfand, machte einen peinlichen Eindruck durch die Vertheidigungsweise Kleemann's, der nicht den Muth fand, sich auch zu den Gedanken seines Artikels zu bekennen, sondern denselben ganz anders auslegen wollte, als der Wortlaut besagte. Festgestellt ward, daß der ganze Angriff auf Wirthshausgesprächen basirte, die zum Thetl 7 bis °8 Jahre zurücklagen. Von wem dieselben dem Antiscmiten-Organ nach so langer Zeit hinterbracht, wurde nicht gesagt; als Zeugen waren zwei hiesige Professoren geladen. Zum Schluß gaben sich die Kläger mit einer Abbitte zufrieden, was sie nach dem Gang der Verhandlung auch konnten. R.-A. Schefold, der frühere Vorstand der hiesigen deutschen Partei, nahm vorher noch Gelegenheit, mit Hrn. Rübling in scharfer Weise abzurechnen. Er erinnerte ihn an den vielfachen Gesinnungswechsel der „Schnellpost", die vom Liberalismus zum Ultramontanismus, Konservatismus und Antisemitismus alle Schattirungen durchgemacht hat; er erinnerte ihn ferner daran, daß er in kritischen Zeiten in der Deutschen Partei stets für die „Schnellpost" eingetreten sei, die ihn zum Dank dafür nach ihrem neuesten Gesinnungswechsel in der perfidesten Weise angegriffen habe. Allgemeine Heiterkeit erregte es, als der Angeklagte Rübling sich dadurch zu entschuldigen suchte, daß die Juden eine Verfolgung der „Schnellpost" begonnen hätten. Das heißt denn doch die Dinge direct auf den Kopf stellen! Die Verhandlung hinterließ einen tiefen Eindruck, da sie zur moralischen Beurtheilung des hiesigen Antisemitismus ein ernstes Material beigebracht hat; sie zeigte eine Auffassung bei den Angeklagten, die man richtig nur als „krankhaft" bezeichnen kann. Nürnberg. Mittwoch, den 19. Schwat, verschied im Alter von 59 Jahren nach nur kurzem Leiden Frau Dr. Henriette Mayer, geborene Hechinger. Die Verblichene, aus hochangesehener Familie, war von väterlicher Seite eine Enkelin des frommen und talmudgelehrten Hofagenten Jacob Hechinger y'm in Harburg, von mütterlicher Seite stammte sie von dem frommen und talmudgelehrten Jacob Mayer in Würzburg. Ihr Vater Var, Herr Lippmann Hechinger in Harburg, war nicht minder angesehen und hochgeschätzt als Ehrenmann und strenger Jehudi. Die Dahingeschiedene war eine würdige Nachfolgerin solcher Vorfahren, sie war reich an seltenen Eigenschaften, dabei selbstlos in hohem Grade und nur stets für Andere besorgt. Ihre letzten Worte waren das Schma-Gebet, das sie mit tiefster Innigkeit sprach ruid dann ihr edles Leben aushauchte. Groß und gerecht ist der Schmerz um eine solche edle Frau. Die Leiche wurde nach dem Geburtsorte der Verblichenen, nach Harburg bei Donauwört, verbracht und daselbst an der Seite ihrer Vorfahren beerdigt. Am Grabe sprach zunächst der hochgeachtete Lehrer der Harburger Gemeinde. Er schilderte in warmen Worten die Vorzüge der theuren Dahingeschiedenen und erinnerte auch daran, was ihr, von Allen, die ihn kannten, hochverehrter Vater, Herr Lippmann Hechinger, als langjähriger Vorsteher der Gemeinde Harburg geleistet. Dann sprach der tiefgebeugte Gatte, Herr Dr. Mayer. Er stattete zunächst dem Vorredner seinen Dank ab und schilderte dann mit Worten, die alle Zuhörer tief ergriffen, das Leben seiner unvergleichlichen Gattin. Möge der Allgütige die Angehörigen trösten und insbesondere der schmerzerschütterten Mutter der Dahingegangenen, die, ein leuchtendes Vorbild aller ausgezeichneten Tugenden, so bitteres Leid erdulden muß, die Kraft geben, den Verlust einer solchen Tochter mit Ergebung in den Willen des Allgütigen zu tragen. srasun. Plaueu im Vogtl., im Febr. So schnell sie kamen, gehen sie auch wieder, nämlich unsere Glaubensgenossen der hiesigen Stadt. Mit dem Aufblühen der hiesigen Industrie nach Gründung des deutschen Reiches kamen sie und mit dem Niedergange derselben müssen sie zum Theil wieder gehen. In kurzem Zeiträume haben fast ein Minjan den hiesigen Ort verlassen, um an größeren Plätzen wiederum ihr Glück zu probiren. Vielleicht haben auch die Schönerer wie die Liebermann und Consorten das ihrige dazu beigetragen, daß unsere Genossen an Zahl immer weniger hier geworden. Namentlich vor den Weihnachten hatte sich hier wie

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