Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1892)
- Date
- 1892-02-25
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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822 Der Korreferent Dr. Fink-Aurich bestreitet, daß es mit dem Wenigen, was der Vorredner vorschlägt, genüge.*) Die Ausführungen deS Referenten und Korreferenten forderten eine lange und sehr lebhafte Debatte heraus. Im Schlußwort vertheidigt Dr. Fink die Angriffe gegen seine Ausführungen, versucht sie von dem Vorwurf, als wären dieselben Utopien, zu retten, indem er nur ein System von Zielen aufgestellt haben will, deren Durchführung nur mit Hilfe ^der Gemeinden nnd nach Bearbeitung populärer Schriften möglich sei. Während die Mehrzahl der Anwesenden diesen Zielen für die Volksschule nicht beipflichten konnte, waren einige darin einig, daß es wünschenswerth sei, dieselben zu erstreben. Es wurden folgende Thesen des Referenten Apt von der Versammlung angenommen. 1. Es ist wünschenswerth, daß das Rabbinische nach den Anweisungen für die jüdischen Lehrer vom Jahre 1854 Seite 6 lit. G. in den jüdischen Schulen behandelt werden. 2. Eine besondere Unterrichtsstunde wird hierfür nicht angesetzt, sondern es wird mit dem hebräischen Unterricht verbunden. Es folgte dann eine kleine Pause. Nach Beendigung des Minchagebets wurden die Themen für die nächste Konferenz festgesetzt. Die Ausfuhrungen des Herrn Dr. Fink, welcher auch einen Appell an die jüdischen Seminarien richtet, daß mit ihrer Hilfe die angegebenen Ziele erreicht werden können, ließen das Thema „Vorbildung des jüdischen Lehrers im Seminar, als der Bearbeitung Werth erscheinen, wozu Herr Reu ß-Neustadtgödens sich erbot. Korreferent Dr. Fink- Aurich. Das zweite Referat: „Der vaterländische Geschichtsunterricht nach dem Kaiserlichen Erlaß" übernimmt Braunsberg-Papenburg. Korreferent ist Goldschmitt-Meppen, und eine Lektion Gebetübersetzungen mit grammatikalischen Uebungen auf der Oberstufe wird Apt-Wittmund ausführen. Um 8 Uhr fand gemeinsames Abendbrot statt und in geselliger Unterhaltung floffen die Stunden rasch dahin. Zweiter Tag. Morgens 8V2 Uhr sollte mit einer Lehrprobe begonnen werden. Da aber Herr Wolf-Aurich am Erscheinen plötzlich verhindert worden war, so trat Herr Apt-Emden bereitwilligst mit der Geschichtslektion — Friedrich Wilhelm HI. auf der Mittelstufe ein. Das eingesandte Referat des Herrn Bachenheimer- Bornheim: „Wie kann der Lehrer das Jntereffe für die jüdische Schule wecken?" wurde vom Vorsitzenden vorgelesen. Die Ausführung stellt folgende Leitsätze auf: 1. Das Beispiel des Lehrers in Schule, Familie und *) Wir werden diesen Vortrag nächstens bringen. Gotteshaus muß derart sein, daß es ihm die Achtung der Gemeinde erwirbt (Nur? Red.) 2. Oeffentliche Prüfungen sind nicht zur Weckung des Jntereffes, wohl aber sind jährliche Zensuren hierfür geeignet. Von einer Diskussion der Lehrprobe und dieses Referats, wird Abstand genommen. „Zur Lesebuchfrage, unter Berücksichtigung von Dr. Steins Lesebuch" erhält der Unterzeichnete das Wort. Seine Ausführungen erklären dasselbe als ein nach methodischen und didaktischen Gründen bearbeitetes, doch fand er an dem, was es als Lesebuch für jüdische Schulen brauchbar machen soll, manches auszusetzen. Von einer Debatte hierüber wurde wegen vorgerückter Zeit abgesehen. Nachdem der Vorsitzende den Vortragenden Dank für die fleißigen Arbeiten abgestattet und die Versammlung durch Erheben von den Sitzen dasselbe bekundet hatte, schritt man zu den freien Besprechungen. Meyer-Leer beantragt Stellungnahme des Vereins zu dem in Aussicht stehenden Schulgesetze. Nach längerer Debatte wird folgende Resolution angenommen: Es sei eine Kommission zu wählen, die den neuen Entwurf prüfen, ein kurzes Referat hierüber ausarbeiten und der etwa einzuberufenden Versammlung zur Diskussion vorlegen soll, falls der Hauptverein der Provinz Hannover deshalb nicht zusammentreten sollte. Die Kommission wird gebildet von den Herren: Levy-Norden, Vorsitzenden, de Vries-Weener, Meyer-Leer und Selig-Emden. In Folge gegebener Veranlassung bemerkte Herr Landrabbiner Dr. Buch holz, daß es ihm ferne liege, die Lehrer seines Bezirks von der Theilnahme an den Konferenzen des Hauptvereins der Provinz abzuhalten, selbst angesetzte Jnspektionstermine könnten nach Antrag des Lehrers, der die Versammlung besuchen wolle, geändert werden, wenn sie mit der Konferenz collidirten. Als Ort der nächstjährigen Konferenz wurde wieder Emden und als Tage werden 30. und 31. August in Aussicht genommen. Nachdem Herr Landrabbiner Dr. Buch holz mehrere Ministerial- und Regierungs-Verfügungen vertheilt, Bericht über den Kassenbestand des „Waisenvereins" abgelegt, die Wiederwahl des Vorstandes und die Neuwahl des Unterzeichneten als Schriftführer stattgefunden hatte, schloß der Vorsitzende, nachdem ihm noch die Anerkennung für die Leitung der Versammlung gezollt wurde, die siebente Konferenz um 1 Uhr. Das gemeinsame Mittagsmahl wurde mit manchem Trinkspruch — der erste wurde von dem Vorsitzenden auf Seine Majestät den Kaiser ausgebracht — gewürzt. Norden, im Oktober 1891. M. Schweitzer, Schriftführer. Die eeligitife Vildung. Von Jakob Stein—Raboldshausen. Vielfach hört man in neuerer Zeit die Klage, daß die religiöse Bildung unserer Jugend im Niedergänge begriffen sei. Die Schuld hieran wird auf die Schule gewälzt, die allein alles thun soll; man vergißt, daß Schule und Haus bei der religiösen Bildung mindestens gleich bedeutende Faktoren sind, daß beide dazu berufen sind, gemeinschaftlich an dieser größten aller Aufgaben zu arbeiten, die erst gelöst sein muß, ehe überhaupt an eine andere Art von Bildung gedacht werden kann. Legen wir uns zunächst die Frage vor: Wann hat die religiöse Erziehung zu beginnen? so fällt uns die Ansicht Rousscaus auf, der diese Erziehung erst mit dem fünfzehnten Jahre beginnen lassen will und die Ansicht eines so späten Anfangs damit begründet, daß sonst der Zögling leicht