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Der Israelit · 1892-02-25 · Heft 16 (25.2.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 16 (25.2.1892)
Date
1892-02-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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m „Meine Tochter!" stöhnte er, „meine Tochter!" Der Rabbiner wurde noch bleicher als er zuvor gewesen. „Um diesen Preis wollen wir unser Leben nicht erkaufen. Wir werden zu sterben wissen", sprach er leise zu Alexei. „Nun?" rief der Günstling, „habt Ihr Euch lange genug besonnen? Heraus mit Eurer Meinung, wollt Ihr mich zum Freund oder zum Feinde haben?" „Verlangt nur das Eine nicht," jammerte Alexei, „nehmt so viel Geld, wie Ihr bei uns zu I finden vermögt, nehmt unser ganzes Besitzthum, wir wollen Euch Alles ausliefern, denn besser Ihr empfangt es, als daß die Bauern es nehmen und unsere Weiber und Kinder erschlagen. Nur um unser nacktes Leben bitten wir!" „Wohlan," sagte Iwan, und ein teuflisches Lächeln glitt um seinen Mund, „wenn Ihr mir Geld gebt, viel Geld, so will ich Euch rathen, sogar zwei Wege zur Rettung Euch zeigen. Auf dem Einen, wie auf dem Andern vermögt Ihr der Wuth der betrunkenen Bauern zu entrinnen." (Fortsetzung folgt.) Es sitzt in niedrer Kammer ein Greis gebückt, allein. Umflort vom Spätherbstnebel schaut trüb der Tag herein. Des Alten Blick starrt thränend aufs Blatt in seiner Hand, Da steht: Der Jud bleibt Fremdling, er hat kein Vaterland. Kein Vaterland! Ein Fremdling! Ist das der Treue Lohn? Der Krieg, der mitleidslose, nahm mir den einz'gen Sohn. Bei Metz ist er gefallen, er stritt in erster Reih', Nicht frug des Feindes Kugel, ob er ein Jude sei. Man hat den Todeswnndcn noch mit dem Kreuz geschmückt, Sie haben's dann uns Alten zum Trost hierhergeschickt. Wer tröstet eine Mutter? Sie folgte bald ihm nach, *) Aus Lieder eines Semiten. (Verlag von A. G old sch m id t, Hamburg.) Diese Lieder sind ein natürliches Ergebniß unserer Tage, der schmerzenvolle Widerklang der antisemitischen Bewegung in dem Herzen eines Dichters von hervorragender Begabung, der sich im edelsten Sinne des Wortes eins weiß mit den Bestrebungen unseres deutschen Vaterlandes. Er sieht —selbst ein unentwegter Ringer Da hatt' ich schwer zu tragen, daß schier das Herz mir brach. Doch als ich sah erstehen des Reiches Herrlichkeit, Wie Hab' ich mitgejubelt im tiefsten Seelenleid! Nun packt mich bittrer Zweifel, wofür denn stritt mein Kind? Wenn wir noch stets als Fremde verfehmt, geächtet sind. Wofür denn hat er freudig sein Leben eingesetzt? Daß man beschimpft den Vater, die Seinen höhnt und hetzt? Doch nein, fort Groll und Zweifel! Den Trost, den ich empfand, Ihr sollt ihn mir nicht rauben, — er fiel fürs Vaterland. Fürs Vaterland! Wertrennte ein Band so fest gefügt? Vernehmt's ihr frechen Schelme, ihr lügt, bei Gott, ihr lügt! für Deutschlands Größe und geistige Bedeutung — sein heiligstes Empfinden, seine warmherzige Vaterlandsliebe durch blinden Hatz besudelt und tönt stein bitteres Weh in Liedern von ergreifender Schönheit aus, und da er zugleich auch eine haarscharfe Klinge schlägt, sind einzelne dieser Lieder von außerordentlicher agitatorischer Kraft. Red.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MoatagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Len Buchhandel ftt besiehe« bei E. $. Kteinackrr, Leipzig» Doßpiah 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark ober 8 fl. österr., für'8 Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt zHauPtbiatt>: leitender Aruket: Zur Würdigung des Schulchau Aruch. Bon Bkjirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz) (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten u. (Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Cleve. Elberfeld. Karlsruhe. Speyer. — England: London. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling des Czaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. plril. (Fortsetzung). — Lied eines Semiten. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Zur Rezeptionsfrage der jüdischen Confession in Ungarn. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Hamburg. — Oesterr.-Ung. Mon.: Lemberg. — Schweiz: Bern. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Salomon Juda (Löb) Rapoport (mit Abbildung). Inhalt der Pädagog. Beilage: Bericht über die VII. Konferenz der isr. Lehrer und Kultusbeamten des Landrabbinatsbezirks Emden, welche am 25. n. 26. August zu Emden stattfand. — Die religiöse Bildung. Von Jak. Stein-Raboldshausen. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Jvh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen, sowie die zweite Lieferung der Erzählung „Die Familie y Aguillar" von Dr. Lehmann Denjenigen Exemplaren unserer Zeitschrift, die durch Streifband zum Versandt gelangen, wird die „Pädagogische Beilage" des Ueberportos wegen erst nächsten Montag beigelegt werden.

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