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Der Israelit · 1892-02-25 · Heft 16 (25.2.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 16 (25.2.1892)
Date
1892-02-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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807 lizeimeister zu. die sich keinen Augenblick weigerten, das Geld der Juden in Empfang zu nehmen, obgleich sie doch wußten, daß es durchaus nicht in ihrer Macht stand, den Unglücklichen irgend eine Hilfe zu gewähren. Ferner entsandte man eine Deputation, bestehend aus dem Kronrabbiner der Stadt, Dr. Sacharin, und dem reichsten und bei der Regierung angesehensten Juden, dem Fabrikbesitzer Horwitz, zu dem Oberhaupte der Provinz, damit sie ihn kniefällig um Schutz anflehen sollten für die so schwer Bedrohten. Der Gouverneur ließ die Deputation vor und das war doch schon ein Schritt zur Rettung. Alexei Chaimowitsch schilderte in beredter Sprache alle die umfassenden Vorbereitungen, die man zur Vernichtung der Juden getroffen hatte. Der Gouverneur hörte ihm schweigend zu und erwiederte kein Wort. Hierauf schilderte der Rabbiner in rührender Weise, welche Angst und welcher Schrecken sich aller Juden bemächtigt hatte, und der Mann weinte selbst bei seiner Erzählung. Der Gouverneur hörte ihm schweigend zu und erwiederte kein Wort. Endlich stürzten die beiden alten Leute sich zu Füßen ihres Befehlshabers, bedeckten seine Knie mit Küssen und Thronen, und flehten in jammervollster Weise um Schutz, wenigstens um Schutz des nackten Lebens, wenn man nicht gewillt oder nicht im Stande sei, ihr Besttzthum zu bewahren. Der Gouverneur blickte traurig auf sie nieder und erwiederte kein Wort. Entsetzt sprang Alexei auf. „Ist denn gar keine Hilfe, gar keine Rettung für uns?" rang es sich angstvoll aus seiner gequälten Brust. Der Gouverneur reichte ihm die Hand zum Abschiede und sprach kein Wort. Tiefe Stille herrschte in dem Gemache, die nur durch das leise Schluchzen und Stöhnen der beiden Abgesandten unterbrochen wurde, denn diese vermochten trotz aller Mühe nicht, ihren Schmerz zu überwältigen. Der Gouverneur wandte sich und ging aus dem Empfangszimmer hinaus; er hatte während der ganzen Zeit, in der die Abgesandten der Juden bei ihm waren, auch nicht einen einzigen Laut über die Lippen gebracht. Verzwetflungsvoll entfernten sich die beiden alten Leute und stiegen in ihren Wagen. Wohin nun? Wohin nun? Zu dem Polizeimetfter zu fahren, wäre zwecklos gewesen, da er sicherlich nichts auszurichten vermochte, wenn schon der Gouverneur in diesem Fall keine Macht mehr besaß. Da durchzuckte ein gewagter Gedanke das Haupt Alexei's, rasch verständigte er seinen Genossen, sie fuhren zu einem Juwelier und kauften dort eine höchst kostbare Brillantnadel und mit dieser Waffe ausgerüstet, fuhren sie zu dem Günstling des Czaren, im Stillen sich überlegend, durch welche Worte und Handlungen sie sein Herz zu rühren vermöchten; er war der Einzige, in dessen Macht es lag, zu helfen, man durste Nichts, auch nicht den schwächsten Rettungsanker unbenutzt lassen. Vornehme Leute brauchen viel Geld, mächtige Beamte pflegen in Rußland der Bestechung zugänglich zu sein, vielleicht war noch nicht alles verloren, vielleicht nahm er Geld und milderte in der Ausführung die Befehle der Regierung. Mit einem triumphirenden Blick empfing Iwan die beiden alten Leute; offenbar knüpfte er an ihren Besuch Hoffnungen, die weitaus größer waren, als Jene zu erfüllen vermochten. Lächelnd nahm er das kostbare Geschenk und legte es bei Seite. „Was wollt Ihr?" frug er dann barsch, „was kann ich für Euch thun?" Alexei bat rührend um Verzeihung wegen des Vorgefallenen, wiederum begann er die bedrohte Lage der Juden in jammervoller Weise zu schildern, doch Iwan ließ ihn nicht ausreden. „Das haben Eure Glaubensgenossen selbst verschuldet," rief er, „und wenn sich die Bauern den auf ihnen lastenden Druck nicht mehr gefallen lassen, so geschieht Euch nur Euer Recht. Man wird ohnedies Gesetze ersinnen müssen, die Euren Uebermuth eiuschränken." „Unseren Uebermuth einschränkend" sagte der Rabbiner. Diese Worte zeugten von einem so herzlosen Hohne, wie man ihn nicht leicht grausamer ersinnen konnte. „Wenn nun der Bauer sein Recht will," fuhr Iwan fort, „meint Ihr, daß man des Judenpacks wegen unsere guten Soldaten bemühen sollte?" „Ist gar keine Aussicht vorhanden, daß Ihr uns Eure hohe Gunst zu Theil werden lasset, Euer Gnaden?" frug der Rabbiner schüchtern. Der Günstling deutete auf Alexei. „Der Mann hier weiß, was mich zu befriedigen vermag. Und nun sage ich Euch zum letzten Male, entweder Ihr gebt mir, was ich verlange, oder furchtbar sollt Ihr Eure Frechheit zu büßen haben!" „Rebb' Sender," sagte der Rabbiner leise zu Alexei, „Ihr habt ihm etwas vorenthalten, was er von Euch wollte? Bedenkt unsere Noth und gebt es ihm, was es auch sei!" Alexei schlug die Hände vor das Gesicht.

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