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Der Israelit · 1892-02-25 · Heft 16 (25.2.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 16 (25.2.1892)
Date
1892-02-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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306 weihte Kreise versichern, den thatsächlichen Abgang nur annähernd dar, da mit Bestimmtheit noch ein weiterer namhaster Rückgang der Kommunaleinnahmen von Kiew vorauszuseheu sei. Auch andere größere Städte Rußlands werden in Folge der Judenausweisungen beträchtliche Einbußen in ihren Einnahmen zu erleiden haben. Berlin, 13. Februar. In der sächsischen Zweiten Kammer ist am Dienstag die Iudenfrage gestreift worden. Ein Abgeordneter hat bedauert, daß die amtliche „Leipz. Ztg." den Antisemitismus begünstigt, und die Regierung ersucht, darauf hinzuwirkeu, daß dieser Uebelstand beseitigt werde. Diesem Ersuchen zu entsprechen, zeigte fich der Staatsminister v. Metzsch indessen nicht gewillt, indem er erklärte: „Die Semitenfrage ist ein sehr heikles Thema. Ich lasse mich auf diese Frage nicht weiter hier ein. Ich erkenne an, daß die Semiten Staatsbürger sind so gut wie jeder andere und daß sie der nöthigen Schonung und des nöthigen Schußes des Staates bedürfen. Ich glaube aber, daß bei Besprechung der Semitenfrage die Tendenz der »Leipz. Ztg." dahin geht, nicht das Judenthum als solches, das vorwurfsfreie Judenthum zu bekämpfen, sondern nur das Judenthum im gewissen Sinne, auch das Judeuthum im Christenthum, und insoweit ist diese Bekämpfung Wohl nur eine berechtigte." Dagegen gab der Minister zu, daß die Sprache des Blattes zuweilen im Drange der Arbeit eine zu schroffe sei. (Wenn der Herr Minister den Kampf gegen „das Judenthum im gewissen Sinne" für berechtigt hält, so scheint er doch unter diesem Judenthum etwas Uebles, etwas Tadelnswerthes zu verstehen. Wir wären dem Herrn Minister sehr dankbar, wenn er sich näher erklären würde. W i r verstehen unter Judenthum nur das Höchste, Edelste und Beste und wenn einzelne Juden vielleicht Unrecht geübt, so kann dies doch nicht mit Judenthum bezeichnet werden, ebensowenig als man die Sünden einzelner Christen Christenthum nennen kann. Red.) Gleiwitz. Die israelitische Kinderheilstätte im Soolbade Königsdorff-Jastrzemb blickt nunmehr auf eine zweijährige Wirksamkeit zurück. In einem massiv gebauten, umfangreichen Gebäude, das weitgehenden Anforderungen genügt, hat die Kinderheilstätte ihr Heim aufgeschlagen. Das Haus sammt denr umliegenden Gartengelände wurde von der Verwaltung durch Pachtvertrag auf eine längere Zeit übernommen, mit neuem eigenen Inventar ausgestattet und in Gemäßheit der modernen Gesundheitspflege für die Zwecke der Heilstätte eingerichtet. Eine ganz besondere Erleichterung bei der Beförderung der minder bemittelten Kinder ist der Anstalt durch eine auf Ersuche» an sie ergangene hochherzige Verfügung der Königlichen Eisenbahn-Direction in Breslau zu Theil geworden, nach welcher die Kinder und ihre Begleiter seitens der preußischen Staatseisenbahnen auf der Hin- und Rückfahrt in der 3. Wagenklasse aller Züge zum Militärfahrpreis befördert werden. Jnsgesammt hat die Anstalt in der zurückgelegten Saison 43 Kinder, und zwar 19 Knaben und 24 Mädchen, aus den verschiedensten Ortschaften in drei auf einander folgenden Serien beherbergt. Von denselben wurden 22 ganz unentgeltlich, 11 gegen einen, je nach den Verhältnissen bemessenen sehr mäßigen Zuschuß, 10 gegen Zahlung eines Satzes, der den Selbstkosten nahe kam, ausgenommen. Die Kurzeit der Pfleglinge betrug in der Regel 4 volle Wochen, wobei der Tag der Ankunft und der Abreise nicht mitgezählt wurde; bei Einzelnen wurde dieselbe bis zu 6 Wochen verlängert. Jedem Kinde ist Wohnung, volle Verpflegung, erziehliche Aufsicht, ärztliche Behandlung, Bäder und andere Kurmittel bezw. Arzneien zu Theil geworden. Die Zahl sämmtlicher Verpflegungstage in der Anstalt belief sich auf 1423. Die Einnahmen betrugen 7031 M., die bis auf 2077 M. verausgabt wurden. Lemberg. Sonntag den 7. Februar sollte im Sitzungssaale des hiesigen isr. Cultusvorstandes die Rabbinerwahl stattfinden. Es erschienen aber zu dieser Wahl blos 81 anstatt 91 Wähler, welche in Parteien getheilt, eine Stimmenzersplitterung herbeiführten, und somit konnte keiner der Candidaten die Majorität erlangen. Herr Rabbiner S ch m e lkes aus Przemysl erhielt jedoch die meisten Stimmen. — Es wurde daher die Wahl auf nächsten Monat verschoben. Rujen, Gonv. Livland. Dem „Walk. Auz." wird aus Nujen geschrieben: Schon seit Monaten ist cS den hier sehr zahlreichen jüdischen Familien seitens der Polizei angetnndigt, daß ne, sofern sie nicht den Nachweis liefern können, das; ihr Familicnhanvt Handwerker ist und sein Handwerk betreibt, den Crr zu verlassen und sich in einer Gegend niederzulassen haben, wo die Inden frei wohnen dürfen. Daß der Jammer unter den Leuten groß isr, laßt sich schon daraus schließen, daß viele derselben hier geboren sind und schon fast daS Greisenalter erreicht haben und jetzt plötzlich in die unbekannte Welt hinausziehen sollen. Auch die hiesigen Hausbesitzer erleiden durch die Maßregel eine Einbuße, denn wo sollen plötzlich 80 neue Miether für die freiwerdenden Wohnungen in diesem kleinen Ort Herkommen. Feuilleton. Der Günstling des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Bon Jon. Lehmann, vr. pstil. (20. Fortsetzung.) Iwan hatte eigens zu diesem Zwecke ein kleines Landhaus gemiethet, in das man die Jungfrau bringen sollte, und Kolascheff mit einigen handfesten Burschen, die in seinem Solde standen, hatten den Befehl, bei dem geraubten Mädchen zur Beschützung zurückzubleiben. Der Günstling des Ezaren hatte Alles so wohl überdacht und so planvoll vorausberechnet, daß die Möglichkeit eines Mißglückend ganz ausgeschlossen schien und er im Voraus schon in der Wonne des Gedankens schwelgen konnte, nun endlich das so heißerwünschte Gut besitzen zu können. Er sehnte den Tag herbei, an dem sein Vorhaben gelungen sein möchte. Inzwischen erfaßte die Juden der Stadt eine ungeheure Angst. Fasttage wurden festgesetzt, die Synagogen waren von früh Morgens bis zum späten Abend mit Betern überfüllt, die unter strömenden Thränen zu ihrem Gotte flehten, Er möge ihnen Hilfe und Rettung senden in der schrecklichen Gefahr. Doch auch auf andere Weise versuchte man sich Rettung zu verschaffen. Alle Wohlhabenden der Stadt legten so viel Geld zusammen, als sie nur irgendwie entbehren konnten, und brachten es auf geschickte Weise dem Gouverneur und dem Po-

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