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Der Israelit · 1892-02-25 · Heft 16 (25.2.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 16 (25.2.1892)
Date
1892-02-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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303 schon längst für die Orthodoxie verloren sind und nur einer alten Gewohnheit den Laufpaß geben. Ein wahrhaft gottesfürchtiger Mann wird sich nicht beirren lassen, zumal das Verhältniß dasselbe bleiben und er nach wie vor nur einen Tag mehr feiern wird, als die Konkurrenz. Werden also nach dieser Richtung die Verluste der Orthodoxie nur gering sein, so könnten sie nach einer anderen Sette um so bedeutender werden, sofern nicht jeder sein Möglichstes thut zur Abwendung der Gefahr. Jedes mit Angestellten arbeitende Geschäft, welches aus der Liste der am Sabbat geschlossenen gestrichen werden muß, verringert hierdurch die ohnedies sehr beschränkte Zahl der für orthodoxe kaufmännische Angestellte in Betracht kommenden Stellen, und wird dadurch so Mancher, zumal unter den jüngeren, deren Charakter noch nicht gefestigt ist, gezwungen, ro^ Wno zu sein. Der Kampf, der in dem Herzen eines solchen jungen Menschen vorgeht, wenn er zum ersten Male am Sabbat arbeiten soll, ist nicht zu beschreiben, und versicherten uns mehrere junge Leute, daß sie an jenem Tage infolge der Aufregung fast betäubt gewesen und alles nur wie im Traum gethan hätten. Nach diesem harten Kampfe zu urtheilen, müßten die Betreffenden mit allen Mitteln suchen, baldigst wieder zu ihrer Sabbat-Ruhe zu kommen, spätestens bet ihrem Selbständigwerden. Hier finden wir jedoch die betrübende Thatsache, daß nur wenige von denen, die als Angestellte den Sabbat entweiht, ihn als selbständige Geschäfsinhaber heiligen nnd ihren Angestellten die Heilighaltung ermöglichen, und auf diese Weise wächst die Verlustziffer der Orthodoxie in einer rapiden Progression. Wie ist da zu helfen, was ist zu thun, um dem drohenden Verhängniß zu steuern? Ist nicht bereits alles Mögliche gethan worden? Die hiesigen leitenden Kreise haben sich mit solchen Kleinigkeiten, leider muß es hier zugestanden werden, nur sehr wenig abgegeben. Es wird fleißig von der Heiligkeit des siebenten Tages gesprochen und gepredigt, dagegen um so weniger gethan. Vielfach findet man, daß Orthodoxe nur mit christlichem oder reformjüdischem Personal arbeiten und zwar gerade in den bestbezahlten Stellen, während es doch bet einigem guten Willen nicht schwer fallen dürfte, strenggläubige Leute zu finden, die unter gleichen Bedingungen das Gleiche leisten würden. So erzählt man sich von manchen größeren Geschäften, deren Inhaber sich zur Orthodoxie zählen und also vielen Leuten gleicher Richtung eine Stelle bieten könnten, welche ihrem Gewissen keinen Zwang anthun würde, daß dieselben prinzipiell keinen Juden anstellen! Hier muß der Hebel zu einer Besserung angesetzt werden. Auch in Sachen der Stellenvermittlung könnte wohl noch Vieles geschehen. Es sollte uns freuen, wenn diese Ausführungen eine Besserung herbeiführen und Berufenen Veranlassung geben würden, sich zur Sache zu äußern. F. Berlin, 15. Febr. Sie haben in Nr. 10 vorigen Jahres Ihrer gefch. Zeitung einen Bericht über die Einweihung einer Synagoge der Rofenthaler Vorstadt, Brunnenstr. 120, gebracht, zu deren Weiherede Herr Rabbiner Höxter berufen war. Der Verein erkannte sofort die hervorragende Rednergabe dieses gelehrten Mannes und erwählte ihn in der darauffolgenden Woche einstimmig zu ihrem Rabbiner. Wir haben nunmehr im Stillen die gedeihliche Entwickelung und den segensreichen Aufschwung dieses Vereins beobachtet, der jetzt den Namen Synagogen-Verein Beth Zion (p'rr ma) führt. Die Mitgliederzahl ist seitdem von 38 auf 79 gestiegen. Uns war es schon damals kein Zweifel, daß der Verein unter solch' einem würdigen Vertreter des alten, wahren Judenthums an innerer Kraft und äußerer Stärke zunehmen müsse. Ein Hochgefühl der Freude erfüllte uns, als wir gestern, am Jahrestage der Gründung, die bis auf den letzten Platz gefüllte Synagoge betraten und einer tiefempfundenen Predigt des Herrn Rabbiner Höxter beiwohnten, der es mit gewohnter Meisterschaft verstand, Herz und Geist der Beter zu fesseln. Unter Zugrundelegung des Textes: abyb 'i -ijn schilderte er das Walten Gottes in der Geschichte Israels und knüpfte daran die Frage, ob auch wir in unserer Zeit die lichten Spuren des göttlichen Geistes mit wachsamem Blick verfolgen, um daraus unsere Bestimmung sür's Leben mit Innigkeit und Festigkeit zu erfassen. In den Worten iyD'i by "Di, zu denen der Midrasch bemerkt: yo'b anh p», liege das Prinzip ausgesprochen, daß der eigene Entschluß, die Selbstaufraffung und Selbstthat die Vorbedingung zur Erreichung der höchsten Ziele im Judenthum sei, nämlich: d^btitd 'n mn min nüh p'rra w und darin erblicke auch dieser Synagogen-Verein Leitstern und Wegweiser, um zum Central-Einigungs- und Sammelpunkt für den ganzen Bezirk zu werden, dessen sichtbare Stätte das Gotteshaus sei, wo der Abglanz des göttlichen Lichtes stets in Hellen Farben sich wiederspiegeln möge. Möge der Verein dieses herrliche Ziel erreichen. T. Berlin. Nachdem am 15. dss. Mts. die Dampfer „Russia" von Hamburg, „Belgenland" von Antwerpen und „City of Berlin" von Liverpool wegen Ausbruchs des Typhus unter den Etnwan-- derern in New-Aork unter Quarantaine gestellt und 1300 Emigranten isoltrt worden sind, haben auch die Cunard-Linie und die Warren-Ltnie in Liverpool

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