Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1892)
- Date
- 1892-02-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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302 Die Ausdehnung der ursprünglich nur für die Opfer und für durch das Gesetz geheiligten Spenden getroffene Anordnung des Händewaschens auch auf den gewöhnlichen Brodgenuß, erhebt das tägliche Brod zur Höhe der Heilkgthümer. Der Jude, der kein Stück Brod zum Genüsse ergreift, ohne vorher die Hand zu waschen, wiederholt sich durch diese symbolische Handlung Tag für Tag die Mahnung, daß die Hand rein sein müsse, die ein Stück Brod dem Leben abgerungen hat, um es zu genießen. Die diese symbolische Handlung begleitenden und deutenden Segenssprüche heben daher den Gottessegen hervor, der nicht etwa in dem Waschen an und für sich — ü'T rwn —, sondern in der dadurch zum Ausdruck gelangenden „Erhebung" der Hände — d»t n^tsj — besteht. Während sonst der Genuß nicht zur Erhebung, sondern zur Ueberhebung der menschlichen Hand und Kraft führt, wiederholt sich der jüdische Mund gerade vor dem Genüsse des täglichen Brodes die tröstliche Wahrheit, daß er dasselbe nicht menschlicher Intelligenz verdanke, sondern „daß Gott es ist, der das Brod aus dem Schooße der Erde hervorbringt." Wer vermöchte die beseligende Trostesfülle dieses einen Gedankens in ihrer ganzen Bedeutsamkeit zu schildern, wenn er in allen seinen Consequenzen begriffen und verwirklicht würde! Vor dem Bewußtsein, daß derselbe Gott, der das Leben gewährt, auch die Mittel zum Leben reicht, schwände die Sorge um Erhaltung des Lebens, die Millionen zu Boden drückt und sie ihres Daseins nicht froh werden läßt. D i e Sorge überließen sie Gott und nur die eine nicht niederbeugende, sondern das Haupt frei erhebende Sorge füllte jede Brust, die Hand rein und würdig zu erhalten, um das von Gott gereichte Brod hinzunehmen. Vor diesem Gedanken senkte sich die zum Kampf ums Dasein erhobene Bruderhand, denn in dem Lichte dieses Gedankens erscheint der Bruder nicht länger als Concurrent und Nebenbuhler, er nimmt kein Brod, er gibt keines, die Erde, die Alle trägt, ernährt auch Alle. Nicht w i r sind es, Gott ist es, der das Brod aus ihrem Schooße hervorbringt. Dieses Bewußtsein würzt das kärglichste Stück Brod und prägt dem gewöhnlichen Genuß das Gepräge der Göttlichkeit auf. Es wandelt jedes Haus in einen Gottestempel und jeden Tisch in einen Gottesaltar und jedes Stück Brod in ein von Gott gewährtes und im Dienste Gottes zu genießendes Heiligthum um. Von ihm durchdrungen, wird der Jude zum Priester, und wenn eine ganze Welt ihn um das Stück Brod beneidet, das er in seiner priesterlich geweihten Hand erst zu Gott emporhebt, bevor er sich den Genuß gestattet; dieser Aufblick zu Gott ersetzt ihm alles, was ihm eine scheelsüchtige Welt lieblos versagen möchte. Zu besitzen und zu genießen, zu essen und zu trinken und für jeden Besitz und Genuß, für jeden Bissen und für jeden Trunk Gott als den alleinigen Spender zu bekennen und ihn als Zeugen für die Reinheit unseres Erwerbens und Genießens in unfern Kreis zu laden, wie es täglich der vor seinem Brodgenusse die Hände weihende Jude thut, erweist sich als die Quelle der lautersten Freude, der die menschliche Brust fähig ist. Denn es ist die einzige Freude und der alleinige Genuß, Gottes prüfenden Blick ohne Erröthen zu ertragen. Als Gott eben sein die Verwirklichung dieses Ideals anbahnendes Gesetz der Menschheit gereicht hatte, feierten es daher die edelsten des Volkes durch solchen Aufblick zu Gott inmitten des heitersten Lebensgenusses. .inten i^at-n 'nh m nn'i it rfcr *6 ':a Wenn Gott, anknüpfend an diese erste Kundgebung seines Willens, einst wiederkommen und nicht länger schweigen, Himmel und Erde anrufen wird, um sein Volk zu richten, dann wird er diejenigen als seine Frommen um sich sammeln, die nicht erst in besonderen, gehobenen Momenten des Lebens, sondern die mit jedem Mahle, zu dem sie sich niedersetzen, den Bund schlossen, der sie unzertrennlich mit Gott verbindet. .na: 'bv Tina ’rma — non iddn Zu dieser Ltchthöhe haben sich jedoch in den Jahrtausenden, die zwischen diesen beiden Grenzpunkten liegen, nur vereinzelte „Edle und Fromme" erhoben. Daß diese von Unrecht und Unglück erlösende Wahrheit aber auch in die Massen dringe, damit sie gerade inmitten des wogenden Volkslebens ihre herrlichsten Triumphe feiere, die Verwirklichung dieses Ideals scheint nur der Regentschaft Salomo's gelungen zu sein. _(Fortsetzung folgt.)_ Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Gr. Frankfurt a. M., 8. Febr. Angesichts des nunmehr unmittelbar bevorstehenden Inkrafttretens des Gesetzes über die Sonntagsruhe, welches ja auch für die am Sabbat geschlossenen Geschäfte verbindlich ist, ist zu befürchten, daß mancher Geschäftsinhaber es mit seinem Interesse nicht für vereinbar hält, zwei Tage zu feiern und daher statt des vom göttlichen Gesetze vorgeschriebenen Ruhetages den ihm vom Reichsgesetze aufgezwungenen allein halten wird. Das orthodoxe Judenthum hat keine Ursache, diesen Leuten eine Thräne nachzuweinen, denn es sind ja doch nur die lauen Elemente, die durch diesen^ Vorgang.ausgeschieden werden, Leute, die