Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-02-22 · Heft 15 (22.2.1892) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 15 (22.2.1892)
Date
1892-02-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448234--33707-2481612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

292 einen Christen so lange bewucherte, bis das altererbte Gut desselben in die Hände des Israeliten gelangt war, der dann auf die grausamste Weise den um Gnade wimmernden Bauern mit seinen erbarmungswürdigen Kindern von Haus und Hof vertrieb und besitzlos in die Winterkälte hinausstieß. Das war zwar gar nicht möglich, da ja die Juden keinen Grundbesitz auf dem offenen Lande in Rußland haben dürfen, aber warum sollte cs nicht geglaubt werden, da es nicht allein gedruckt, sondern sogar mit großen, rothen Bildern, die die Unthaten des Juden darstellten, geschmückt, allenthalben zur Schau geboten war. Zu gleicher Zeit eröffneten die Zeitungen des Ortes, die alle nicht allein unter der Beaufsichtigung, sondern auch unter der directen Inspiration der Censur stehen, neben dem von ihnen längst geübten Kleingewehrfeuer ein wahres Granadenbombardement auf die Juden. Doch mit allem Dem thaten sich die Veranstalter der traurigen Angelegenheit noch nicht genug und es war auch thatsächlich nicht hinreichend, um die Bevölkerung, die bisher in Frieden und Eintracht mit den Juden gelebt, zu einem Massenmord derselben zu bewegen. Viele hatten ihr Brod durch Vermittlung der Juden, viele Arbeiter waren in jüdischen Fabriken beschäftigt und liebten ihre Prtnzipäle, viele Andere besaßen jüdische Freunde und Bekannte, denen sie wohlwollten. D-is Volk war jedenfalls nicht zuverlässig genug, als daß es in dem betreffenden Augenblick, einfach auf die gegebene Erlaubniß hin, auf seine jüdischen Nachbarn stürzte, um dieselben zu massakriren. Deßhalb mußte noch ein fremdes Element hinzugefügt werden, das sich ohne jede Rücksichtsnahme von seinen Führern beherrschen ließ und stets bereit war, die ungeheuren Flammen seiner Leidenschaft emporschlagen zu lassen, die das jüdische Volk zerstören sollte. Deßhalb ließ man aus mehr östlich gelegenen Gegenden, in denen Juden nicht wohnen dürfen, lange Etsenbahnzüge voll zerlumpter, großrussischer Bauern, die man mit entsprechenden Anführern, mit Geld nnd Schnaps reichlich versehen halte, in die westrussische Provinz kommen, wo sie, wie sie jubelnd erzählten, an der allergnädigst befohlenen Plünderung theilnehmen sollten. Diese Masse von Leu. len wurden in Kasernen, Schenken und leerstehenden Häusern untergebracht, wo sie auf Staatskosten ernährt und bis zum großen Tage der Action aufbewahrt blieben. Die ganze Stadt sprach von dem Entsetzlichen, das sich so offen und unverhüllt vorbereitete, und Jeder schien davon zu wissen, außer dem Gouverneur und dem Polizeimeister, denn diese rührten keine Hand, den beabsichtigen Massenmord zu verhindern. — Neben diesen Vorbereitungen für das allgemeine Wohl, beschäftigte sich Iwan auch noch mit der Ausführung seiner eigenen, besonderen Absichten. Kolascheff, sein ergebener Diener, mußte auch hier wieder thätig in die Handlung eingreifen. Auf Befehl seines Herrn hatte er eine kleine Garde aus jungen Leuten gebildet, die zu jeder Schandthat bereit waren, und diese durch strammes Eincxerziren und ausgesuchte Kunstübungen zu einer Maschine zusammengesetzt, die seinem Willen vollständig zur Verfügung stand. Die Aufgabe dieser Wackeren sollte es sein, die Plünderer zuerst zum Hause des Fabrikanten Alexei Ehaimowitsch zu führen, und während die ungezügelte Schaar des Bauernvolkes sich über Besitzthum und Menschen herstürzte, in einem geeigneten, von den Plünderern unbemerkten Augenblick die Tochter des Fabrikanten aufzugreifen und fortzuschleppen. (Fortsetzung folgt.) Der „JLraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel Jtt bestehen bei C. $. Sleinacker, Lripstg, Roßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petirzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt < Hauptblatt): Leitend.r Artikel: Drei wichtige Zeugnisse gegen die Blutbeschuldigung. Mitgetheilt von D. Wertheim in Gera. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Kassel. Würzburg. Leipzig. Zürich. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling des Ezaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, i)r. pdil. (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die russtschen Auswanderer. Von Lehrer I. Speyer in Eydtkuhnen. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Darmstadt. Berlin. Breslau. Bremen. Hamburg. — England: London. — Vermischtes. Verantwortliche Rcdaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J oh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.