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Der Israelit · 1892-02-22 · Heft 15 (22.2.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 15 (22.2.1892)
Date
1892-02-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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290 der Konferenz am 23. Iannar in der Wohnung des Kultusministers der Kaiser an Dr. Miquel die beiläufige Frage gerichtet har: „Sagen Sie einmal, wie steht es nnt Lautend" -- Herr Miquel hat darauf, etwas verlegenden Bescheid gegeben: „er glaube, es ginge dort alles seinen geregelten Gang." Daraus hat der Kaiser mit Nachdruck geantwortet: „Ich glaube das nicht! Ich habe mir in Kiel die „Krenzzeitung" gekauft, da steht etwas ganz anderes darin. Ich habe übrigens den Justizminister zum Vortrag darüber befohlen." Dieses Antisemitengeschichtchen klingt sehr wenig wahrscheinlich. Was geht das L'antener Gerichtsverfahren überhaupt Herrn Miquel and Unwahrscheinlich ist auch die Darstellung, als ob der Kaiser glauben könnte, daß alles, was in der „Krenzzeitung" steht, aus Wahrheit beruht. U(m, 10. Februar. Der antisemitischen „Miner Lchnellpost" sind neuerdings die Annoncen des Königlichen Oberamts, welche die „Schnellpost" bisher gleichzeitig mit dem Amtsblatt zugestellt erhielt, entzogen worden. Petersburg, 7. Febr. Das Verbot, an Juden Grundstücke zur Errichtung pon Holzlagern längs der Polessje-Bahnen in Pacht zu geben, ist auf Intervention des Finanzministeriums ausgehoben worden. Feuilleton. Z>er Hünfiling des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. Ml. (19. Fortsetzung.) IX. Der Gouverneur hatte die beste Absicht, sein dem Fabrikanten gegebenes Wort zu erfüllen und er hatte auch eine Untersuchung gegen den Starosten von Slobotka angeordnet. Ebenso suchte er die Angelegenheiten Afka's auf jede Weise zu beschleunigen und wurde hierin von dem Polizeimeister aus das kräftigste unterstützt. Schon gedachte er in den nächsten Tagen den jungen Mann vor Gericht zu stellen, als er ein geheimes Telegramm von dem Minister des Innern erhielt, in dem dieser ihn persönlich ersuchte, dem jungen Herrn Iwan Alexandrowitsch Oststone eine Betheiligung an der Verwaltung der Polizeisachen zu gewähren, da der Jüngling jetzt am besten Zeit habe, diesen Zweig der Staatsgeschäfte kennen zu lernen. Der Gouverneur, mit der Art der Ausdrucksweise des hohen Beamtenthums sehr wohl vertraut, erkannte sofort, wohin diese Ordre seines Vorgesetzten zielte und gab dem Polizeimeister eine entsprechende Weisung. In Folge dessen fuhr dieser zu Iwan und frug ihn, ob er irgend einen Wunsch hinsichtlich der Polizeiverwaltung habe. Iwan ließ den Polizeimeister schwören, daß er keinem Menschen auf irgend eine Art Mittheilung von dem machen werde, was er ihm nun zeigen wolle. Nachdem der Poltzeimeister, theils durch Neugierde bewogen, theils in der Meinung, hierdurch seine Pflicht zu erfüllen, den verlangten Eid geleistet hatte, wies ihm Iwan einen vom Minister des Innern eigenhändig geschriebenen und Unterzeichneten Befehl, wonach der Polizeimeister allen Anordnungen des Petersburger Jünglings, unbedingt und ohne nach einem Grunde zu fragen, Folge zu leisten hatte. Erst nachdem er dem Verlangen Jwau's nachgekommen, war es ihm erlaubt, dem Minister des Innern direct einen geheimen Bericht hiervon zu erstatten; auch sollte dann erst der Gouverneur die vorschriftsmäßige Meldung erhalten. Mit großem Erstaunen las der Polizeimeister diese geheime Ordre und verbeugte sich bis zur Erde vor diesem mächtigen Manne, der, noch so jung, bereits im Besitze einer solch' großen Gewalt war. Dergleichen war nur möglich, wenn Iwan mit einer großen, geheimnißvollen politischen Aufgabe betraut war. Und da der Polizeimeister sich erinnerte, schon allerhand Merkwürdiges über die politische Brauchbarkeit dieses so unscheinbar auftretenden Jünglings gehört zu haben, den man viel eher für einen Galan oder Rouö als für einen Politiker hätte halten mögen, so zweifelte er keinen Augenblick an der Echtheit dieses Schriftstückes. Vor „der freiwilligen, geheimen, heiligen Schaar" *) in St. Petersburg, mit der Iwan wahrscheinlich in Verbindung stehen mußte, hatte der Polizeimeister der Provinzialstadt einen sehr großen Respekt. Die direkte Folge, die das Vorzeigen jenes Geheimbefehls mit sich brachte, war, daß man den Starosten in Freiheit setzte, die Gerichtsverhandlungen gegen Afka niederschlug und den Schlüssel zu der Zelle des Gefangenen dem Günstling des Czaren übergab. So befand sich Afka seit jenem Tage vollständig in der Gewalt seines Feindes und weder er noch seine Angehörigen ahnten, was mit ihm geschehen würde. Alexei Chaimowitsch hatte umsonst große Summen für das Wohl seines Kindes geopfert, die Beamten hatten die willkommene Bestechung freundlich hingenommen und kümmerten sich nicht mehr um das Loos des Unglücklichen, der in einem der Kerker der Festung schmachtete. Auch in anderer Weise hatte Iwan seinen wohlberechneten Plan vollständig nach seinem Willen durchgeführt. Der Großpope suchte Afka im Gefängniß auf und redete ihm, mehr mit dem Feuer und dem Zorn, als mit der Liebe und Sanstmuth der Religion lange Zeit ins Gewissen, er gerieth 7) Das Treiben und Wesen der sogenannten „heiligen Schaar" wird später geschildert werden.

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