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Der Israelit · 1892-02-22 · Heft 15 (22.2.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 15 (22.2.1892)
Date
1892-02-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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288 „Internationalen Ausstellung für das Rothe Kreuz Armeebedarf Hygiene rc. zu Leipzig Februar 1892" mit der Broncenen Medaille als höchste Auszeichnung für hervorragende Leistung auf dcm Gebiete der Liqueurfabrikation prämiirt worden. Würzburg, im Februar. Wenn der amo Anfangs vorwöchentlicher miD die göttliche Vorsehung den Tod der Stammväter mit den Worten beklagen läßt: jtr irantj'o by ^>zn inn’D by pNnn^. „Wehe, daß sie dahin sind und nicht mehr gegenwärtig, ich habe ihren Tod zu beklagen," so mag uns dies lehren, daß auch wir angesichts des Hinscheidens eines Frommen in diese Klage ausbrechen, zumal wenn wir auch in ihm einen Glaubenshelden erkannten, den das Gottvertranen nicht verließ, wenn es auch gewaltig um ihn stürmte, wenn auch schwere Prüfungen ihn heimsuchten. Es ist y* pw '21 hier, der am myn nach langem, schwerem Leiden aus dem irdischen Dasein schied und dem unsere Klage gilt. Der Sohn frommer Eltern, ein p'is p pna aus dem unterfränkischen Orte Schweinshaupten woselbst so ein mancher rwrai miro *?u lebte und lehrte, ward er schon frühzeitig dem nm-Studium zugeführt, und zeigte sich bei ihm der klare Verstand, der Forschungstrieb und die nnnn nsnx; er besuchte die nw in Schwabach unter nrroN 'i ^niw'2 H ij^Dyn, dann die hiesige 712'^' unter '1 rnun ijnipDto ’,>p. Er übernahm hierauf die Lehrerstelle in Steinach a. I., woselbst er sich häuslich niederließ und mit einer Frau verband, die au Frömmigkeit und edlen Thaten mit ihm wetteiferte. Doch nicht lange sollte er sich des vollen Glückes freuen. Schon in den ersten Jahren seiner Verheirathung befiel ihn eine Krankheit, die den Todeskeim in das junge Leben senkte und ihn zeitlebens zum leidenden Menschen machte. Sie zwang ihn dcm Lehrberufe mehr zu entsagen, und er nahm deßhalb eine leichtere Stelle in der noch jungen Gemeinde Kitzingen an. Mit der Gründung der ^isy niy in Berlin wurde er als 2uw dorthin berufen. Da traf ihn der Schläge herbster, die geliebte Gattin, die zärtliche Mutter einer noch unerzogenen Kinderschaar wurde ihm durch den Tod entrissen. Mit staunenswerthem Heroismus ertrug er des Schicksals Härte, es konnte ihn nicht beugen, ihn in seinem Gottvertrauen nicht schwankend machen. Doch sehnte er sich nach Dipo ’w und er fand hiezu eine willkommene Gelegenheit in der Berufung hierher als zweiter 2"w. Theoretische und praktische Gewandheit, sowie die strengste Gewissenhaftigkeit zeichneten ihn in seinem heiligen Amte aus und mit gleicher Gewissenhaftigkeit übertrug er diese unerläßlichen Facheigenschaften seinen zahlreichen Schülern. Welchen starken Willen mußte der Mann haben, der sicher nie ganz ohne Schmerzen gewesen, ein so schwieriges Amt mit solcher Pünktlichkeit und Gewandtheit auszusühren. Er hielt hierin^aus, bis ihn die nöthige Kraft und Fähigkeit verließ, bis zu dem alten Leiden ein neues sich gesellte, das seine Qualen vermehrte und seine Kraft lähmte, Da trat endlich ein Schlaganfall ein, der nach wenigen Tagen allen Leiden, aber auch einem reinen, gottgefälligen Leben ein Ende machte. Die Theilnahme war eine allgemeine und gab sich während der letzten Tage und beim Leichenbegängnisse im hohen Grade kund. Derselben gaben auch im Sterbehause Herr Seminarlehrer Dr. Tachaucr als Verwandter und der Schwiegersohn Herr Lehrer Spier-Schenklengsfeld, sowie Herr Rabbiner Bamberger auf dem Friedhofe den beredtesten Ausdruck. Möge das ni2? seiner frommen Lebensweise den trauernden Relikten beistehen und mögen sie in dem Bewußtsein ihrer Hingabe und Verehrung für den theuren Hingeschiedenen Trost und Stärkung finden! Auf ihn selbst sagen wir n"2!»n! Leipzig, im Februar. Von dem Antsemiten- Katechismus von Theodor Fritsch ist eine neue Auflage erschienen, welche noch mehr Hetzmaterial gegen die Juden enthält, wie die früheren. Man wird sich einen Begriff von der Natur dieses Buches machen können, wenn wir eines der neu hinzugekommenen Kapitel uns näher ausehen. Dieses Kapitel heißt: „Kronprinz Friedrich und die Schmach des Jahrhunderts". Es ist geradezu erstaunlich, mit welcher Dreistigkrit hier behauptet wird, daß das vielfach citirte Wort des Kaisers Friedrich, welches er als Kronprinz dem Kommerzienrath Magnus gegenüber gesagt hat, von dem Antisemitismus, der eine Schmach des Jahrhunderts sei, vollständig bestritten wird. Es wird hier sogar behauptet, der Kronprinz habe den Kommerzienrath Magnus, der bei einem Besuche des Kronprinzen in der Synagoge um Weihnachten 1879 darüber klagte, daß von so vielen Seiten gegen die jüdische Konfession gehetzt werde, in freundlicher, aber nicht mißzuverstehender Weise mit den Worten zurückgewiesen: „Aber, lieber Herr Kommerzienrath, ich hetze doch Niemanden." Mit derselben Dreistigkeit werden dann Aeußerungen des Kronprinzen Friedrich mitgetheilt, welche den Beweis führen sollen, daß er dem Antisemitismus eigentlich Recht gegeben habe. Daß Kaiser Friedrich den Antisemitismus als Schmach des Jahrhunderts bezeichnet hat, ist in durchaus beglaubigter Weise, gelegentlich einer seitens des Herrn Stöcker angestellten Klage vor der Strafkammer des Siegeuer Landgerichts festgestellt wor-

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