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Der Israelit · 1892-02-18 · Heft 14 (18.2.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 14 (18.2.1892)
Date
1892-02-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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und Religionsschulen vorgeworfen werde, wollte der Sprecher nicht zugestehen; es müßten sich noch in Deutschland wohlgeeignete Rabbiner, Religionslehrer und Kantoren finden, wenn die Herren Obern von dem guten Willen beseelt wären. — Auch die Versammlung konnte nicht beim Streifen dieses wunden Punktes ein ironisches Lächeln unterdrücken. — Die Gemeinde Berlin müßte, wenn eine wirkliche „Seelsorge" ftatthaben sollte, zwanzig Rabbiner anstellen. Gegenwärtig ist die Thätigkeit der „Geistlichkeit" auf Predigten und Gelegenheitsreden beschränkt, sie steht außer Kontakt mit den Gemeindemitgliedern und entbehrt selbstredend eines jeden Einflusses aus ihre Heerde. — Vor einer jUebernahme der „Lehranstalt für die Wisienschaften des Judenthums" warnt Redner die maßgebenden Kreise und schließt mit einem warmen Appel an die Versammelten für die Ideen des „Centralvereins" zu wirken, um endlich der Gemeinde den ersehnten Frieden zu bringen und Männer an die Spitze derselben zu stellen, welche in sich den Beruf fühlten, für Verherrlichung der jüdischen Lehre und Erstarkung des jüdischen Glaubens zu wirken.- Die folgenden Redner ergingen sich in Betrachtungen über mehr oder minder wichtige Gemeindeinteressen. Herr Rentier Htrschberg ermahnte zur Heilighaltung des Sabbat zurückzukehren, damit die zu erbauenden Gotteshäuser auch von wahrhaft Andächtigen besucht werden können. Ein Anderer rügt energisch das Vorgehen zweier Repräsentanten, welche vor der Abstimmung über den projektirten Bau von Synagogen die Sitzung verließen, und ein Dritter schlägt Bezirkswahlen nach dem Modus der Stadtverordnetenwahlen vor, Herr Bernstein bedauert die merklichen Rückschritte der jüdischen Knabenschule und Herr Rabbiner Stein spricht seinen schärfsten Tadel über den Millionenbau aus, in welchen leider auch der ganze unjüdische Damenchor seinen Einzug gehalten. Wer um einer wohlgeschulten Solistin willen das Gotteshaus aufsuche, der habe eine Stunde der Andacht weder erstrebt noch erreicht. Dieser Anschauung schließt sich der folgende Redner, Herr Redactevr Karfunkel an. Derselbe verwies auf die erschreckende Oede, welche in den Räumen der Oranienburger Orgelsynagoge herrsche, wiewohl der ganze Beamtenstand dahin befohlen werde und hielt dem die ausgezeichnete Besetzung der nach altem Ritus geleiteten Heidereutersynagoge entgegen und stellte der neuerbauten Lindensynagoge ein gleiches Schicksal wie dem erst genannten Bethause in Aussicht. Der Reiz der Neuheit locke nur Zuschauer, ein intensiver Erfolg werde dadurch nicht erzielt. Auch den schwachen Besuch der GemeindereligionSschulen findet Redner in dem sogenannten fort? schrittlichen Geiste, der sich daselbst breit mache; die Majorität des Vorstandes habe für den Zug der Zeit keine Empfänglichkeit, man verschließe sich gewaltsam der in der Gemeinde herrschenden conservativen Richtung, der Vorstand müßte sich — nach parlamentarischem Brauch — als getreuer Vollstrecker des Gemetndewiüens betrachten, nicht aber seiner eigenen Laune folgen; die gegenwärtige Majorität, die von ihrer Gewalt den unumschränktesten Gebrauch mache, stehe aus tönernen Füßen, der „Centralverein" habe bereits einige Stützen dieses Systems aus dem Repräsentantensaale entfernt, bei den nächsten Wahlen werde er — seiner Pflicht getreu — mit dem Rest in gleicher Weise verfahren. Vor Schluß der Debatten faßte noch das Vorstandsmitglied Herr Sigismund Berge! das Re sums der Verhandlungen zusammen und beleuchtete die Ziele des „CentralvereinS", der nun wohl gerüstet in den Kampf ziehen dürfe, nm durch friedliche Agitation das wiederzuerobern, wofür unsere Vorfahren gelebt, gelitten und blutig gekämpft haben. Der Redner schließt mit einem Aufruf an Alle, denen es ernstlich um die Erhaltung der Heiligthümer unseres Glaubens zu thun sei, und fordert zur kräftigen Theiluahme an den.. Bestrebungen des Vereins auf. Unter dem tiefen Eindrücke, den die warm empfundenen Worte auf die Versammlung geübt, wurden nach einer kurzen Bemerkung des Referenten die Verhandlungen beendet, worauf die Neuwahlen vollzogen wurden. Wir aber wollen unfern Bericht mit der zuversichtlichen Hoffnung schließen, daß Redner und Hörer, die sich am Abend des 11. Februar hier zur Berathung zusammengefunden, der gestellten Aufgabe eingedenk bleiben und mit aller Kraft für die Aufrichtung der ehrwürdigen religiösen und Entfernung aller unjüdischen Institutionen arbeiten werden. Noch ist ein guter Kern in der Berliner Gemeinde vorhanden, es bedarf nur der Anregung und Erweckung der religiösen Gefühle, dann wird die alte Glaubenstreue wiedererwachen und der Unglaube nicht mehr als Modegott der Großstadt gefeiert werden. yw Fe« Ule t dm. NM der slhönen blatten Donau. *) (Nachdruck verboten.) Wie«, im Februar. . . . Also, wie gesagt, ich war damals vom Ehrgeizteufel besessen, genau so wie hundert Andere, *) Eingedenk deS AuSspruchS unserer Weisen OwZVv nnöttO D’3T2 TIN glaubten wir vorstehender amüsanter Schilderung die Spalten unsere- Blattes ösinen zu dürfen. Red.

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