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Der Israelit · 1892-02-18 · Heft 14 (18.2.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 14 (18.2.1892)
Date
1892-02-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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260 gegangen war. Was will der blutigste Thierkultus gegen einen solchen blutigen Menschenkultus besagen, wer möchte den Antheil auch nur ahnen, den gerade die Opfer zur Zeit als unser Gottesheiligthum sich noch auf Erden erhob, an dem Opfermuth haben, mit dem cin ganzes Volk bis auf den heutigen Tag e'mmüthig bereit steht, um durch Feuer und durch Schwert, durch alle Schrecken des Todes zu gehen und damit zu bekunden, daß ihm die Lehre vom Opfer geläufig ist' Alljährlich wenn wir diese Wcihegedanken durch ein besonderes Weihcfest aufs neue beleben, sind sie cs vielleicht, die unser Festdichter in Worte gekleidet hat, wenn wir ihm nachsingen: na pan TiVsn. Gründe du mein Bethaus wieder, dann wollen wir dir im Opfer der: Zoll unserer Huldigung darbringen. Aber dieser Zoll wird dir auch jetzt nicht nur, nicht versagt, sondern in einer Weise entrichtet, die dem längst verfallenen Gottesaltar noch nach Jahrtausenden erst die wahre Weihe sichert. „Wenn du die Schlachtbank Herrichten lassest, vor dem schnaubenden Feinde, dann vollende ich mit Psalmgksang die Weihe des Altars." Vielleicht sind die trüben, nächtigen Jahrhunderte unseres Exils und Martyriums nichts als die glänzende, bestandene Probe über die Lehie vom Opfer. — Wie könnten wir von diesem durch die Opferlchre eröffneten Gesichtspunkt aus unserem ganzen Leben und Luden neue Lichtseiten abgewinnen, die uns mit allen ihm anhaftenden Trüben und Herben anszusöhnen vermögen! Das Aufgeben aller Selbstständigkeit, das selbst vor dem Tod nicht zurückschrcckt, wird immer trübe und _ schmerzlich bleiben und die Nachtseite unseres Geschicks in den Vordergrund (teilen. Aber das Eingehen in die Ziele und Waltungen Gottes, die dadurch gewonnene Richtung zu Gott umfaßt alle Seilen unseres Daseins und diese allseitig umfaffenden, weil über Raum und Zeit hinausreichende Bedeutung dieses unseres Opfers ist stark genug, uns mit allem Schmerzlichen ausznsöhnen, das unserem welthistorischen Martyrium anhaftet. Dieser Wahrheit gibt die Bestimmung Ausdruck, welche das Tödten des Opferthiers auf die mitternächtige Seite der Opferstätte verweist, die Hingebung des Blutes aber auf alle Seiten dcs Altars veitheilt. Diese Wahrheit will vielleicht der Schulchan Aruch unverlierbar uns täglich aufs neue einprägen, wenn er in seinem § 8 die Vergegenwärtigung gerade dieser Opferbestimmung betont. ‘n na?on *p' by mw üntn pioc Dy -ictr roicn by icn ns prw \n ipnn 'i *}sb njiDSC (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Oppenheim a. Mh. Wie kürzlich ein Schöffengericht in Oberhessen in einer Klage „Antisemitisches betr." noch ein höheres Strafmaß aussprach, als der Staatsanwalt beantragte, so hat Gleiches auch das hiesige Schöffengericht in seiner Sitzung vom 11. ds. M. gethan. Ein Handarbeiter hat einen Lattenzaun zusammengerissen und dabei geäußert: „Der Jud kriegt seinen Zaun zusammengerissen, ich bin Antisemit". Das Gericht ii b e r den Antrag des A m t s a n w a l t s hin aus geh end, verurtheilte den Handarbeiter zu drei Wochen Gefängniß und Tragung der Kosten. Worms. Am Freitag hat man dahier einen Mann zu Grabe getragen, dessen Tod, besonders im Großherzogthnm Baden, seinem früheren Wirkungskreise, recht viele Theilnahme erwecken wird. Es ist dies Moses Miinzesheimer, Haupt-Lehrer i. P. Derselbe gehörte noch zu denjenigen Lehrern, welche unter Nabholz das Seminar in Rastatt besuchten. M. bekleidete die Schulstelle zu Sennfels, Leutershausen und schließlich zu Neiden stein, Bez. Rabb. Heidelberg. An letzterem Orte wirkte er eine lange Reihe von Jahren als öffentlicher Lehrer und Cantor. Wie die Kreisschulvisitatur Mosbach sich stets in der anerkennendsten Weise über die Leistungen Münzesheimers als Elementarlehrer anssprach, so war dies auch mit seinen Leistungen als Religionslehrer der Fall. Als im Jahre 1878 die Eommunalschulen in Baden allgemein eingeführt wurden, wurde er pensionirt. Er übersiedelte alsdann hierher, wo schon einige Jahre vorher, mehrere seiner Kinder sich selbständig gemacht hatten. Trotz seiner 74 Jahre war der Verstorbene ein so rüstiger, körperlich und geistig frischer Greis, daß er noch die Absicht hatte, sich in Heidelberg einer Augenoperation zu unterziehen. Montag Abend wohnte er noch wie alltäglich dem Abendgottesdienste au; Mittwoch beendete ganz unerwartet ein Herzschlag sein Leben. Bei seiner Beerdigung, die unter großer Betheiligung stattfand, schilderte Rabbiner Dr. Stein in beredter Weise das Leben des Hingeschiedenen, indem er dabei in meisterhafter Weise, das Bild eines treuen und tüchtigen Lehrers entrollte. n'^yjin R. Berlin. Der ,,Israel. Kinderverein" (Malbisch Arumim) hat seit seinem Bestehen — bei einer durchschnittlichen Mitgliedcrzahl von 150 Kindern — vom 1. Oktober 1890 bis Ende Dezember 1891 eine Einnahme von 477 85 zu verzeichnen. Als monatlichen Beitrag zahlt jedes Kind 20 Pf., welche durch einen Beter erhoben werden. Der Zweck des Vereins ist zunächst ein ethischer, die Kinderwelt soll frühzeitig zum Wohlthun erzogen werden; sie soll, wie sie beten lernt, sich auch das AuSnben der frommen Werke durch Angewöhnung zu eigen machtn. Der praktische Erfolg dieser Mühewaltung bestand aber in dem Beschenken von 84 Kindern mit Garderobe, Wäsche und andern

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