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Der Israelit · 1892-02-18 · Heft 14 (18.2.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 14 (18.2.1892)
Date
1892-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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259 Gott zu seinem heiligen Berge und zur Freude in seinem Bethaus zusammenführt, wie dann ihre Emporopfer und ihre Mahlopfer als Ausdruck ihresWillens auf demGottesaltare auflodern, wenn dieses Gotteshaus das Bethaus für alle Völker genannt wird. (Jesaja 56, 6, 7.) Daß die Opfergedanken und die sie verwirklichende Opferthat nicht das Tageslicht zu scheuen haben, daß sie im Gegentheil die Garanten des Morgenroths, des wolkenlosen Morgens sind, der einst über die ganze Menschheit aufgehen wird, daß sie im Dienste des Tags und des Lichts stehen, und nichts mit der heidnischen, nächtigen Trübung gemeinsam Haben, mit welcher das entartete Heidenthum seinen Götzenidolen sich opfernd näherte, das bringt das Gotteswort durch die Anordnung zum Ausdruck, welche alle Opferhandlungen lediglich auf die Tageszeit beschränkt und die Nachtzeit ausdrücklich davon ausschließt. Durchdrungen von dieser Wahrheit legt sie der Schulchan Aruch uns heute noch nahe, wenn wir, seiner Weisung gemäß, täglich diese Bestimmungen uns vergegenwärtigen, noch einen besonderen § des Inhalts folgen läßt: .Dm idk' numpn nvisns 8 6. „Di e P eraschijoth üb e r die Opfer dürfen nur am Tage gesagt werden." Je weniger uns die Möglichkeit geboten ist, während unserer Zerstreuung und Verkümmerung m unverkürzter, durch das Gesetz vorgeschriebener, concreter Opferhandlung uns Gott zu nahen, um so mehr drängt der Schulchan Aruch darauf, daß der stellvertretende Wortausdruck möglichst klar und präcis alle Wahrheiten zum Ausdruck bringt, auf die es wesentlich hier ankommt. — Durch nichts tritt die Unzulänglichkeit und Unvollkommenheit alles dessen, was wir Gottesdienst nennen, mehr zu Tage, als durch diesen Vergleich mit dem Dienste Gottes, wie er ihn selber an der von ihm erwählten Stätte, die nun in Schutt und Asche liegt, uns geregelt hat. Während die zu Gott sich emporschwingende Seele ursprünglich statt des ungenügenden, schwachen Wortes sich Gott mit einer That nahte, müssen wir heute jene That in Worte zurück übersetzen und uns glücklich schätzen, wenn unsere Lippen die Opferthat auch nur einigermaßen nicht z ersetzen, sondern kaum anzudeuten vermögen. Wenn überall, so wäre hier ein Herz- und geistloses Hersagen dessen verpönt, was da durch das Wort ja wieder ins Leben zurückgerufen werden soll. Deshalb lehrt uns der Schulchan Aruch das Ungenügende unseres Wort-Gottesdienstes durch den Hinweis auf den Abstand ergänzen, der zwischen ihm und dem was er darstellen soll, immer klaffen wird. Weil wir nicht in der Lage sein werden,dieser Anforderunggerecht zu werden, so lange es Gott gefällt, sein Heiltgthum in Trümmern und seine Kinder in der Zerstreuung zu belassen, deßwegen füge man die Bitte an, es möge Gottes Wille sein, daß dieser Abschnitt über das Emporopfer geachtet und angerechnet werde, als hätte ich ein Emporopfer dargebracht. Ebenso sage man nach den Abschnitten über das Mehlopfer, und die Friedensopfer, denn diese werden (ohne äußere Nothwendigkeit von jedem und zu jeder Zeit) als freiwillige Spende dargebracht. 't :wn nt nw pm \*v "idn' n^yn 'd d”D'eg nman 'b tin pi r6iy ’n:npn i^to .nau cnd Dnr ’jsd Die hohe Bedeutsamkeit, mit welcher hier und in allen unseren Gebeten immer und immer wieder an die Opferhandlung angeknüpft wird, dürfte außer den allgemeinen bereits anqedeuteten Wahrheiten uns noch ein besonderes Moment zur Erwägung nahe legen. Es giebt wohl keinen denkenden, empfindenden Menschen, der den Gedanken der Hingebung und Weihe an die Leitung und Gnade Gottes, wie sie in den Opferhandlungen symbolisch ausgedrückt sind, seine volle Anerkennung versagen wollte. Es ist nur die Art und Weise, in welcher diese Gedanken und Empfindungen ihren Ausdruck finden, welche viele an einen „blutigen Opferkultus" denken läßt und eine solche krasse Form nicht den hohen Wahrheiten angemessen glaubt. Es ist der Abstand zwischen dem Geist und der Hülle, durch welche er in die Erscheinung tritt. Wer möchte aber an eine göttliche Institution von so fundamentaler Bedeutung unsere menschliche Geschmacksrichtung, das uns Zusagende oder nicht Zusagende als Maßstab im Ernst anlegen wollen, selbst wenn wir die Wahrheiten alle sicher wüßten, welche durch diese vorgeschriebene Form des Ausdrucks veranschaulicht werden sollen? Und wir wissen sie doch nicht. Vielleicht hatte dieser fast 1000jährige Opferdienft, mit seinem triefenden Thierblute, mit seinen zuckenden Eingeweide», mit all dem was ihm für unsere Anschauung Abstoßendes anhängt, den Zweck uns sür das nun fast zweitausendjährige te^an htdd für diese Hingebung sondergleichen vorzubereiten, in welcher wir nicht nur unsere Triebe und Neigungen im Allgemeinen, sondern in erschreckender Wirklichkeit unser Gut und Blut auf den großen Gottesaltar niederlegten, auf dem die jüdischen Menschenopfer im glühenden Süd und im starrenden Nord, in allen Theilen der Erde, durch ihr Leben und ihr Streben bezeugten, wie ihnen die ^y.i mir, die Lehre vom Emporopfer in Fleisch und Blut über-

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