Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1892)
- Date
- 1892-02-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448233--33672-2481576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
258 im bloßen Gebet Befriedigung und Annäherung an Gott sucht, ist sie wohl zu erreichen.) Wenn auch die Worte, welche die Sünden mir abringen, stärker sind als ich, unseren Abfall sühnst du. (Auch dann, wenn das Sühnebedürfniß nicht die Höhe erreicht hat, die sich im wortlosen Schweigen manifestirt. — Wo die innere Erregung sich nicht mehr aussvrechen kann, ist sie stärker als das Wort, erscheint die Sprache machtlos. Wo das Sühnebedürfniß aber noch Worte findet, sind sie eben noch stärker als ich.) Glücklich aber, wen du ^.erwählst und deine Nähe finden lassest (mpn im pnp), daß er in deinen Höfen seine Stätte findet. So möchten wir uns sättigen von der Güte deines Hauses (dieses Gute ist eben die Annäherung an Gott wv ’b 'n nznp), dem Heiligthum deiner Machtstätte." Wer daher auch nur einer geistigen Verirrung, wer sich bewußt war, daß das unveredelte Thterische, das in jeder Brust schlummert, auch nur vorübergehend einen Sieg über das bessere Selbst davongetragen hatte, der weihte dieses gegen Gott sich auflehnende Thierische, welches das Opferthier symbolisch repräsentirte, an der geheiligten Opferstätte seinem Vater im Himmel *) (r6iy). — Wer zu der Erkenntniß gelangt war, daß er nicht nur im Geiste, sondern durch die That abgewichen war von der gottgebotenen Lebenspflicht, den zog es zu Gottes heiliger Tempelstätte mit dem Vorsatz nunmehriger gänzlicher Hingebung an Gott und sein Heiligthum und dem Gelöbmß, der ganzen Persönlichkeit, jedem in den Adern kreisenden Blutstropfen die Richtung zum Heiltgthume zu geben und die Besiegelung dieses Lebensentschlusses durch die Opferthat vollzog sich das Sünd- und Schuldopfer, dbw nsün, mit dem der reuig Zurückkehrende die verlorene Gottesnähe wieder suchte und — fand. Wenn dann dieser Unterstellung des ganzen Lebens unter Gottes Leitung und Schutz, auch die der Mittel zum Leben sich noch verband, wenn der mit seinem Mehlopfer — nn:c — sich dem Heiligthum Nahende den wesentlichsten Bestandtheil seines täglichen Brodes Gott weihete, um es dann, von ihm wieder gereicht, priestertich zu genießen, dann hatte dieser Weiheakt den ihn Vollziehenden hoch über das niedere Getriebe einer ganzen Welt emporgehoben, die unter der Last des Lebens seufzt und in der Sorge um seine Fristung sich aufzureiben droht. Frei von Schuld und Sünde, frei von dieser einzigen Sorge, die ein zu Gott emporstrebendes Gemüth allein fürchtet, ist sein irdisches Glück vollständig, wie es sich auch äußerlich gestalten ty nPn nsa nPiyn pN dpij/p wm» p pyoit* ’m ion osnn bv miyni sin npd jopo '0 ’in idn abn -nmn (.111 nuno vn ran tmD) 'di rvnn io r?n möge. Für diesen himmlischen Frieden in dem sonst zwiespältig getheiltem Herzen, für dieses selige Glück in der Gott zujauchzenden Menschenbrust, für welches es wiederum keine Worte gibt, die es auszusprechen vermöchten, statuirt das Gottesgesetz seine F^uden- und Friedensopfer, Und nun liegt seit fast zwei Jahrtausenden das Gottesheiligthum auf Zion in Trümmern und mit ihm diese seine Ideale. Daß sie aber den schwer geprüften Zerstreuten nicht nur nicht geschwunden sind, daß sie ihnen täglich neu vor die Seele treten, sie erheben, stärken, begeistern für den Kampf gegen alles, was sich ihrer Verwirklichung hindernd entgegenstellt, das ist nicht in letzter Reihe das Verdienst des Schulchan Aruch und seiner Mahnung, die Einsetzungs-Urkunden dieser von Gottes Gnade uns gereichten Institutionen uns täglich aufs neue einzuprägen. Diesen Idealen und ihrer Realisirung gehört die Zukunft der gesammten Menschheit. Und man konnte sie soweit verkennen, daß man sie als Rückstände des Götzenthums, als Concessionen an das Hetdenthum ansehen, und von ihnen verächtlicher Weise als von einem mosaischen, von den Propheten perhorrescirten, blutigen Opferkultus allen Ernstes reden zu dürfen glaubte! Wahrlich, wenn göttliche Anordnungen menschlicher Rechtfertigung bedürften, wie würde diese ihre bloße Verkennung dafür zeugen, daß sie hoch wie die Sterne über dem Horizont ihrer Verkennet stehen, und wie jene, gerade wegen der Höhe, aus der sie herniederstrahlen, von Unkundigen für so klein gehalten werden. Quillt die Opferthat aus dem Hochgefühl, aus dem Geistesschwung und der ganzen Seelenstimmung des aus seiner Gesunkenheit sich zu Gott Erhebenden, und in dieser Erhebung sein übervolles Lebensglück Empfindenden, für das es eben keine Worte gibt, dann begreift es sich, warum gerade unsere edelsten, erleuchtetsten Geister, warum die zartbesaiteten, tiefangelegten Gemüther eines David und eines Salomo, warum gerade unsere erhabensten Vorbilder in den höchsten Weihemomenten ihr und ihres Volkes Lebens mehr als andere das Bedürfnis empfanden, dem, was mächtig in ihnen wogte, durch solche Opferhandlungen, durch zahllose Opferhandlungen Ausdruck zu geben. Dann begreift cs sich, wie die prophetischen Verkündungen der fernsten Hochziele der ganzen Menschenheit ohne diesen Geistesschwung und seine Manifestirung durch die Opferthat nicht denkbar sind, wie sich gerade die ime6 'n by D’fon ”o:n ’JD, diejenigen, welche dem Judenthume bis jetzt fern und fremd gegenüberstanden und sich nunmehr Gott und seinem Dienst anschließen, wie diese, wenn sie