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Der Israelit · 1892-02-15 · Heft 13 (15.2.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 13 (15.2.1892)
Date
1892-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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246 daß die Wagen 3. Klasse äußerst mangelhaft sind, oft sind sie gar nicht geheizt; man findet nicht nur die Fenster, sondern auch die Wände, die Oberlage, ja sogar die Lehnen der Bänke mit einer 2—3 Zoll dicken Eis- und Schneekruste bedeckt. Der Andrang zur Abreise war so stark, daß eine Stunde vor Abgang des Zuges bereits 350 Billets für Erwachsene vom Hilfscomitö vertheilt waren; die Zahl der mit einem Reisegelde Fahrenden läßt sich gar nicht konstatiren. Der 7 Uhr-Zug erwies sich zu schwach um alle Paffagiere aufzunehmen und der Rest, darunter allein 50 Personen, die Freibillets hatten, mußte Zurückbleiben, um mit dem gemischten Zuge, der erst um 11 Uhr Nachts und nur bis Smolensk geht, wegtransportirt zu werden. In Smolensk werden dieselben 22 Stunden bis zur Weiterbeförderung nach Polen warten müssen. Seitens der Polizei wird auf Nichts Rücksicht genommen. Wie manche Mutter weinte und flehte, man möge sie doch mit ihren, an Keuchhusten oder Influenza leidenden Kindern in Moskau bleiben lassen, bis die Krankheit vorüber und wärmeres Wetter eingetreten; alle wurden abschlägig beschieden und mußten sich mit Gefahr für das Leben ihrer Kinder der Macht des Gesetzes, d. h. der Knute fügen. P a l ä st i n a. Jerusalem, 12. Tewet. Auf die Bekanntmachung des Rabbinats-Kollegiums versammelten sich am 10. Tewet von jeder Synagoge je 2>der 3 würdige und gelehrte Leute im Gebäude des „hiesigen Central-Comites der vereinigten Gemeinden", um zu berathen, wie dem in Folge der außergewöhnlichen Theuerung großen Nothstand unter den Armen einigermaßen Abhilfe gethan werden könne. Es wurde beschlossen, Mittel zum Ankäufe von Getreide zu sammeln und daß jede Gemeinde dazu nach ihrer Seelenzahl beisteuern müsse. Auch wurde eine moa jno Kasse im Hause der Ober-Rabbiner Diskin und Salant eingerichtet. In der Versammlung war auch Herr Louis Unger aus Berlin anwesend. Am folgenden Tage wurde ein besonderes Comite gewählt, das sich mit der Beschaffung verschiedener Nahrungsmittel befassen soll. Dr. Feuchtwanger, Arzt des „Lemaan Zion- Vereins" ist diese Woche von seiner Reise zurückgekehrt und hat, wie man hört, die Erlaubniß, in der Türkei zu prakticiren, erlangt. Cli. H. vermischtes. Berlin. Der „Deutsche Verein", der sich hier unter dem Vorsitze des Reichstagspräsidenten Levetzov konstituirt hat, ist nicht identisch mit den antisemitischen Verbänden, welche das Dcntschthum usurpirten und unter dieser Flagge die armen Gimpel anlocken. Dem genannten Verein gehören außer dem Bürgermeister der Stadt Berlin, Herr Zelle, auch andere liberale Mitglieder der parlamentarischen Körperschaften an. Großzimmern. Zum Präsidenten des Festkomites für die am 19. und 20. Juni stattfindende Fahnenweihe des hiesigen Turnvereins wurde der isr. Lehrer Spier ernannt. Ratibor, 2. Februar. Am heutigen Tage beging das Gedalje'sche Ehepaar das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubelgreis ist 90, seine getreue Gattin 93 Jahre alt. Zur Gestaltung einer würdigen, erhebenden Feier hatten der Vorstand der Synagogen-Gemeinde mir Vertretern und Vertreterinnen sämmtlicher, innerhalb der Gemeinde bestehenden Vereine sich zusammengethan. Um 10 Uhr geleiteten der Rabbiner und die Vorsteher das greise Paar nebst Kindern und Kindeskindern in die Synagoge, wo sie vom Synagogenchor mit nv no begrüßt wurden. Hierauf hielt der Rabbiner, Herr Dr. Blumenthal, eine herzliche Ansprache. Er wies darauf hin, daß der Segen eines seiner Amtsvorgänger, des Dr. Heckscher, den nun längst das kühle Grab bette, sich an dem Paare erfüllt habe. In körperlicher Rüstigkeit, in geistiger Frische sei es ihm beschieden, diesen Tag inmitten eines großen Familienkreises und des größten Theiles der Gemeinde, welcher die Synagoge fast fülle, zu begehen. Auf dieses Paar beziehe sich fast buchstäblich, was „Ben Sera" seinen Schülern auf die Fage, warum er so alt geworden, erwiderte: „Er sei nie zornig gewesen, habe nie einem Größeren voranschreiten wollen, sei nicht vier Ellen ohne Thora, ohne Tefillin gegangen und habe sich nie an dem Unglücke anderer erfreut." Es sei sein Wunsch, daß Gott das Paar die Spanne Zeit, die es nach menschlicher Berechnung noch zu verleben haben werde, leben lasse in Friede und Freude. Rach einem weiteren Gesang des Chores schloß die erhebende Feier. In der Behausung erschienen Deputationen sämmtlicher Vereine, beglückwünschten das Paar und überreichten den nicht mit Glücksgüteru Gesegneten eilte Ehrengabe. Oppeln, 1. Februar. Unter allgemeiner, lebhafter Theilnahme der Bürgerschaft wurde hier heute, wie bereits berichtet, der 81. Geburtstag des Rabbiners Dr. Wiener gefeiert. Magistrat und Stadtverordnete überreichten ihm aus Anlaß dieses Tages den Ehrenbürgerbrief. Abends fand ein Bankett statt, an dem u. a. die Spitzen der katholischen und evangelischen Geistlichkeit theilnahmen. Feuilleton. I>er Hünstttng des Hzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. phil. (17. Fortsetzung.) Der Protopope ahnte Nichts von dem, was seinem Schüler eben durch die Sinne ging, und fuhr unbehindert in seiner Erklärung fort:

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