Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1892)
- Date
- 1892-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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2^5 Hier können Vorkehrungen oder Veranstaltungen irgend welcher Art nichts fruchten, sie dennoch treffen, hieße dieses ganze Gebühren beschönigen oder doch milder beurtheilen. Je weniger aber auf diese Weise eine Bekehrung solcher Abtrünnigen zu erhoffen ist, DnBD'i d*t3d Dntp, welche die jüdische Wahrheit kennen und sie doch verleugnen, um so mehr ist zu befürchten, daß der zuversichtliche Ton ihres ganzen Auftretens die große unwissende Menge berücken könne. Mit Rücksicht auf letztere glaubten daher unsere Weisen alles beseitigen zu sollen, was diesem verführenden Irrwahn als täuschender Vorwand gelten könne. Was hätten wir für unsere Zeit, in welcher rw'v, rmD und nD-iip’DX sich eine ganze Wissenschaft gezimmert haben, die sie die jüdische Wissenschaft xar excellence nennen, zu lernen und zu beherzigen aus dieser Art und Weise, wie unsere großen Weisen solchen Ausschreitungen entgegentraten und nicht entgegentraten. Für die Abtrünnigen selbst hatten sie kein Wort der Entgegnung, aber für die Täuschung und Berückung, weiche dieses Beispiel der großen Masse geben könne, ließen sie alle Rücksicht, ließen sie selbst ihre bedeutsamsten Institutionen zurücktreten, sobald damit dem Jrrthum bei der großen Menge Vorschub geleistet werden konnte. Indem aber Raschi in diesen d'^d nicht jüdische, sondern außerjüdische Verleugner der göttlichen Wahrheit erblickt, scheint die zwingende Roth- Wendigkeit dazu lediglich in dem Umstande zu liegen, daß jüdische Leugner der Göttlichkeit unserer Thora eben als ein Ding der Unmöglichkeit erschienen. Jude sein und die Göttlichkeit der gesummten Thora in Abrede zu stellen, war ihnen ein so undenkbarer Gegensatz, daß sie eine solche Leugnung nur im außerjüdischen Kreise suchten. War doch selbst bei den der jüdischen Wahrheit am meisten entfremdeten Sadducäcrn und Karäern der Glaube an die Göttlichkeit der schriftlichen Thora überall unerschüttert. Minim, welche die Göttlichkeit der Thora leugneten, konnten unsere großen Lehrer deßhalb nur außerhalb der Judenheit suchen. Daß es aber Männer der jüdischen Wissenschaft geben könne, deren ganze Wissenschaft eben in dieser Leugnung besteht, die einen ganzen archäologischen, exegetischen, bibelkritischen und historischen Apparat in Bewegung setzen müssen, um diese Leugnung mit Scheingründen auszustaffiren und ihr mühevoll zusammengesetztes Kartenhaus nothdürftig zu halten, von dieser modernen Weisheit hatte die Weisheit unserer alten Weisen eben keine Ahnung, sonst hätten sie gewiß so gut wie wir zunächst an die jüdischen Minim gedacht.- Den „Zehngeboten" wohnt übrigens mit Nichten eine größere Heiligkeit oder eine größere Bedeutung als irgend einem der anderen im Pentateuch ausgesprochenen Gesetzen bei. Sie sind weder daS ganze Gesetz, noch sind sie heiligere Gesetze als alle übrigen. Ausdrücklich hat Gott sie nur als vorbereitende Einleitungen zu der ganzen folgenden, eigentlichen Gesetzgebung proklamirt. „Ich komme zu dir", hatte Gott, Cap. 19, V. 9, gesprochen, „damit dasVolk höre, indem ich mitdir spreche und auch in dich für immer vertrau e." Ausdrücklich sollte also die Offenbarung am Sinai nur den Zweck haben, das Volk für die ganze übrige Gesetzgebung, die ihm durch Moses übermittelt werden soll, vorzubereiten, und ihnen die Thatsache, wie es später heißt, „daß Gott zu dem Menschen spreche", durch Selbsterfahrung, also über allen Zweifel hinaus zu bewahrheiten, damit sie auch alle folgenden durch Moses ihnen zu überbringenden Gesetze mit für immer unerschütterlichem Vertrauem als „Gotteswort" empfangen und erfüllen mögen. Wohl aber sind sie Grundzüge, allgemeine Kapitelüberschriften, zu denen die ganze übrige Gesetzgebung die eigentliche Ausführung bildet. Betrachten wir die Anordnung dieser Grundzüge, so dürfte darin wohl noch eine Wahrheit sich aussprechen, die für den ganzen Begriff der göttlichen Gesetzesinstitution nicht unwesentlich sein möchte. Die erste Hälfte beginnt mit und schließt mit 122, die zweite Hälfte beginnt mit *6 n*nn und schließt mit ivnn xb. Die Forderung der Gottes-Anerkennung beginnt mit einer Anforderung an den G e i st n\-p xb •ojk); allein sie begnügt sich nicht damit, sie fordert ihren Ausdruck in Beherrschung des Wortes (xtpn *6), der Werke (tot), derFamilie (122). Die soziale Gesetzgebung beginnt mit Anforderuug der That und des Wortes (2ijjn nb vb ,njnn xb ruyn xty; allein sie begnügt sich nicht damit, sie fordert auch den Geist und die Gesinnung (ivnri *6.) Damit ist die bedeutsame Wahrheit ausgesprochen: alles „Religiöse", alle sogenannten „Gottesverehrungen im Geiste und in der Wahrheit" sind nichtig, wenn der Gottesgedanke nicht stark genug ist, seine Kraft in Beherrschung unserer Worte und Handlungen, unseres Familien- und sozialen Lebens zu bewähren. Unsere That in weitester Bedeutung des Wortes, hat erst zu zeigen, daß unsere „GotteS- Verehrung" echt sei. Und umgekehrt; alle soziale Tugend ist nichtig und hält die erste Probe nicht aus, so lange sie nur äußere Loyalität anstrebt, vor Menschen rechtschaffen zu sein sich bemüht, aber die innere Loyalität verschmäht, ihren Halt nicht in der reinen Gewissenhaftigkeit der Gesinnung hat, die nur Gott sieht und Gott richtet, und die nur in dem stillen aber steten Hinaufblick zu Gott ihre